Infineon: Tiefrote Zahlen und düstere Aussichten

Die Umstrukturierungsmaßnahmen und die Speicher-Tochter Qimonda kommen Infineon im Geschäftsjahr 2008 teuer zu stehen: Einem Umsatz von 4.321 Millionen Euro steht ein Verlust von 3.122 Millionen Euro gegenüber.

Liest man die nüchtern gehaltene Pressemitteilung zum Geschäftsjahresergebnis von Infineon, klingt es auf den ersten Blick wenig dramatisch: »Der Umsatz von Infineon im Geschäftsjahr 2008 betrug 4.321 Millionen Euro gegenüber 4.074 Millionen Euro im vorausgegangenen Geschäftsjahr. Das Infineon-Ebit im Geschäftsjahr 2008 lag bei minus 48 Millionen Euro im Vergleich zu positiven 37 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2007.« Nichts besonderes möchte man meinen, doch weiter unten kommt es dann: »Im Geschäftsjahr 2008 verzeichnete der Infineon-Konzern einen Konzernjahresfehlbetrag von 3.122 Millionen Euro.« Zu diesem Verlust haben hauptsächlich die Qimonda-Beteiligung und der Abbau von 3.000 der 30.000 Stellen beigetragen.

Mindestens ebenso schlecht, wie diese Zahlen, ist der Ausblick, den Infineon für das nächste Geschäftsjahr gibt. Das Unternehmen geht davon aus, »dass sich ein signifikanter Umsatzrückgang im globalen Halbleitermarkt gegenüber dem Niveau von 2008 nicht ausschließen lässt.« In Zahlen ausgedrückt, prognostiziert man bei Infineon einen Umsatzrückgang von 15 Prozent für 2009. Dies soll vor allem auf die Entwicklung im Automotive-Segment zurückzuführen sein. Darüber hinaus erwartet Infineon auf Grund der allgemeinen weltweiten Nachfrageschwäche auch einen beträchtlichen Umsatzrückgang in den Segmenten Industrial & Multimarket, Chip Card & Security und Wireline Communications. Der sinkende Umsatz geht laut Infineon einher mit einer negativen Gesamtprognose: »Das Unternehmen geht davon aus, dass das Segmentergebnis in Summe im Geschäftsjahr 2009 negativ ausfallen wird.«

Der größte Klotz am Bein im nächsten Jahr ist die Speicher-Tochter Qimonda. Bislang bemühte sich das Infineon-Management in diesem Zusammenhang um eine positive Kommunikation. Von positiven Gesprächen war in letzter Zeit immer die Rede. In der Presserklärung liest sich das nun gänzlich anders: »Es gibt keine Sicherheit, dass Infineon bei der Veräußerung seiner verbleibenden Qimonda-Beteiligung erfolgreich sein wird. Es ist auch nicht sichergestellt, dass die beschriebenen operativen und strategischen Maßnahmen Qimonda in die Lage versetzen werden, seine Verpflichtungen zu erfüllen, oder dass Qimonda weitere operative oder strategische Initiativen erfolgreich umsetzen kann, die geeignet sind, seine finanzielle Lage zu verbessern.« Für den Fall, dass Qimonda seinen Verpflichtungen nicht nachkommen könne, könnte Infineon »erheblichen Verbindlichkeiten des Qimonda-Geschäfts ausgesetzt sein«. Dies schließe laufende Kartell- und wertpapierrechtliche Verfahren sowie die eventuelle Rückzahlung öffentlicher Fördermittel und mitarbeiterbezogene Eventualverbindlichkeiten ein.

Angesichts des aktuellen Kursniveaus der Qimonda-Aktie ist man ebenfalls zu der Ansicht gelangt, »dass die Zuteilung von Qimonda-Aktien an Infineon-Aktionäre in Form einer Sachdividende keine sinnvolle Maßnahme mehr ist und dies gleichzeitig mit einem administrativen Aufwand verbunden wäre, der unverhältnismäßig zum Wert der Aktien ist«. Damit ist das Thema Sachdividende endgültig vom Tisch.