Infineon sucht mit Hochdruck nach Geldquellen

Die Uhr tickt: Bis zum Sommer 2010 muss Infineon rund 600 Mio. Euro zurückzahlen. Kein Wunder, dass die Gerüchteküche brodelt. Die finanzielle Restrukturierung läuft auf Hochtouren, es bleibt aber unklar, was damit gemeint ist. Der Staat als letzter Retter? Oder doch der Kapitalmarkt?

»Die Restrukturierung unserer Finanzverbindlichkeiten steht an erster Stelle«, sagt Pressesprecher Kay Laudien. Einen Schritt in Richtung finanzieller Umstrukturierung hat Infineon kürzlich getan: Die neue Wandelanleihe über nominal 196 Mio. Euro (entspricht knapp 75 Mio. Aktien) hat erst mal 181 Mio. Euro in die Kasse gespült. Die Anleihe läuft bis 2014 und wird mit 7,5 Prozent jährlich verzinst. Sie war vielfach überzeichnet. »Das zeigt das Vertrauen, das wir genießen«, so Laudien.

Zudem hatte Infineon ein Rückkaufsangebot für die beiden ausstehenden Anleihen (siehe Seite 50) im Wert von nominal 200 Mio. Euro für 150 Mio. abgegeben. Die Resonanz auf das Angebot war überschaubar. »Auch dies ist ein klares Signal aus dem Markt«, sagt Laudien, »das zeigt, dass die Anleihenbesitzer es lukrativ finden, nächstes Jahr ihre Anteile zu 100 Prozent zurückzubekommen. Wie sieht die Verschuldungssituation nun konkret aus?

Zwei Anleihen müssen bis zum Sommer nächsten Jahres zurückbezahlt werden: erstens die Umtauschanleihe, von der heute noch nominal 59 Mio. Euro ausstehen, zweitens die Wandelanleihe, von der noch nominal 532 Mio. Euro ausstehen. Insgesamt muss Infineon bei Fälligkeit also einen Betrag von 591 Euro (Nominalwert) aufbringen.

Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Infineon wegen Qimonda einen Verlust von 3,1 Mrd. Euro bei einem Umsatz von 4,3 Mrd. Euro eingefahren. Das Management zeigte sich aber trotz dieses enormen Verlustes optimistisch, weil das Unternehmen ohne Qimonda ein leicht positives EBIT erzielt hat. Im Quartal vom Oktober bis Dezember 2008 standen dann unterm Strich 404 Mio. Euro Verlust.

Keine Summe aus der Portokasse

Für das weitere Vorgehen ist also viel Phantasie gefragt. Denn auch wenn die Summe von rund 600 Mio. Euro in Zeiten wie diesen, in denen schnell mal mit zwei- und dreistelligen Milliardenbeträgen jongliert wird, kaum noch für Aufsehen sorgt: Wenn sie einer Firma fehlen, merkt sie schnell, dass dies keine Summe aus der Portokasse ist.

Wenn Infineon davon spricht, dass die Finanzmärkte wieder Vertrauen in das Unternehmen gefasst hätten, dann sind damit offenbar nicht die Banken gemeint. Denn die Banken sind trotz der staatlichen Finanzspritzen wenig geneigt, mehr Risiken einzugehen als unbedingt nötig. Wie also soll das Geld aufgetrieben werden? Kommt Staatshilfe in Frage?