Immer mehr Klimmzüge, damit »Moore's Law« noch gilt

Auf dem »International Electronics Forum 2008« in Dubai, diskutierten vergangene Woche führende Mitglieder der Halbleiterindustrie die Herausforderungen in Gegenwart und Zukunft der Halbleitertechnik.

Dabei zeichnet sich ab, dass die Integration von Funktionen auf einem Chip, die bisher für die Senkung von Kosten sorgte, Probleme bei der Software verursacht: Softwaredesign, Test und Validierung werden durch den steigenden Funktionsumfang immer aufwändiger. Gleichzeitig sorgen neue Geschäftsfelder in Medizin, Automobiltechnik und durch Initiativen zur CO2-Einsparung für zusätzliche Wachstumschancen.

Junshi Yamaguchi, Executive Vice President von NEC Electronics betonte, dass »Ubiquitous Computing« zwar schon in den neunziger Jahren propagiert wurde, dass aber erst jetzt die entsprechende Technologie heranwachse - in Form einer schnellen drahtlosen Infrastruktur, von Sensornetzwerken und Dingen wie z. B. RFID. Sowohl mobile als auch stationäre Geräte vereinen immer mehr Funktionen.

Trend geht zu integrierten Set-Top-Boxen

Im TV-Bereich sieht Yamaguchi nach dem rasanten Wachstum bei LCD-Fernseher den nächsten Trend in der Integration der Set-Top-Box in das TV-Gerät. Während der Empfänger heute noch meist separat gekauft werden müsse, werde er in Zukunft mehr und mehr in die Fernseher integriert. Dabei ist der Empfänger gleichzeitig Kopfstation zum Andocken an das Internet - das auch im Fernsehbereich mit IP-TV für eine Änderung der Nutzungs- und Sehgewohnheiten sorgen wird.

Petri Lihua vom Nokia Research Center betonte, dass das Mobiltelefon mehr und mehr zu dem Gerät werde, über das die Menschen den ersten Zugang zum Internet haben. Das trifft insbesondere für junge Menschen zu, bevor sie in den Besitz eines PC oder Laptops gelangen. Anfangs war das Mobiltelefon nur ein Zugangsgerät, um mobil per Sprache oder Daten kommunizieren zu können. Inzwischen spielen jedoch die Anwendungen und Inhalte eine immer größere Rolle. Über welches Netz und mit welcher Geschwindigkeit der Datentransport abgewickelt wird, spielt für den Kunden eine untergeordnete Rolle.

Handys sollen flexibler werden


Gleichzeitig wird das Mobiltelefon dasjenige Gerät, über das Informationen jedweder Art abgerufen werden: E-Mail, Bilder, Navigation, ortsbezogene Dienste, aktuelle Nachrichten, Events usw. Eine Herausforderung sei dabei die Kommunikation mit Geräten aus anderen Anwendungsbereichen, sagte Lihua - also z. B. Interaktion mit dem Auto, der Gebäudetechnik oder Medizinelektronik. Hier gibt es noch keine offenen Schnittstellen. Umgekehrt ist das Mobiltelefon selbst ein geschlossenes System. Laut Nokias Vorstellung sollen sich Mobiltelefone zu offenen und programmierbaren Systemen entwickeln, die ähnlich flexibel sind wie ein PC.

Chipgenerationen werden teurer, Nutzen wird kleiner


Den hochfliegenden Technikträumen anderer Sprecher versetzte Kees van der Klauw von Philips einen Dämpfer, indem er die generellen Probleme der heutigen Halbleitertechnik skizzierte, die alle Anwendungsbereiche treffen. Mit jeder Chipgeneration seien höhere Investitionen verbunden und die Forführung des Moore'schen Gesetzes wird immer aufwändiger. Gleichzeitig wird der zusätzliche Nutzen, den eine neue Bausteingeneration bringt, immer kleiner. Außerdem sei auch die Integration von Funktionen in einem Chip nicht beliebig steigerbar, denn der Nutzen von z. B. drei bis vier in einem Chip integrierten Komponenten sei meist nicht gleich groß wie der von diskreten Komponenten. Kurz und gut: die Kosten steigen, der dadurch generierte zusätzliche Wert wird kleiner und kleiner.