»Im High-Performance-Analog-Markt ist noch viel Wachstum drin«

Bob Swanson, Gründer von Linear Technology, liebt das Understatement. Er freue sich, wenn sein Rat gehört wird, sagt er über seine Rolle als Chairman, nachdem er sich vor fast vier Jahren von seinem Posten als CEO zurückgezogen hatte.

Ein Mann allerdings, der den strengen Patriarchen Lee Kuan Yew, den Gründer von Singapur, zu seinen Vorbildern zählt und aus der Militärgeschichte Lehren ableitet, wie ein Unternehmen zu führen ist, wird in seiner eigenen Firma auch als Chairman noch über eine gehörige Portion Einfluss verfügen. Der Sorge um das Tagesgeschäft ledig, sieht Swanson heute seine vorrangige Aufgabe darin, die Strategie des Unternehmens zu formulieren. Fast täglich sucht er sein Büro in der Firma auf. Zwar macht Swanson einen vollkommen unmartialischen Eindruck, doch wissen Mitarbeiter, dass er sich immer noch recht kampfeslustig in Diskussionen um die Zukunft des Unternehmens stürzt.  

Markt & Technik: Können Sie schon die Auswirkungen des Abschwungs auf die Halbleiterindustrie absehen?

Bob Swanson: Es handelt sich um eine einzigartige Rezession. Den größten Einbruch habe ich bisher erlebt, als die Internetblase platzte. Davor war das Schlimmste, was für die Analogtechnik passieren konnte, wenn ein Jahr mal stagnierte. Rückgang gab es nicht. Auf jeden Fall werden die Konsumenten zunächst weniger Geld zur Verfügung haben und Kredite, etwa für den Kauf eines Autos, sind schwer zu bekommen. Dass wir unseren Consumer-Anteil kräftig reduziert haben, dürfte auf jeden Fall helfen. Wie lange es dauern wird, bis das Vertrauen zurückkehrt, kann heute niemand absehen.

Und gerade jetzt haben Sie das Unternehmen neu ausgerichtet – mit Automotive als einen der Schwerpunkte.

Das ist richtig. Aber wir haben uns aus dem Consumer-Markt zugunsten neuer Schwerpunkte zu einem großen Teil zurückgezogen. Vor drei Jahren haben wir 30 Prozent des Umsatzes mit Consumer-ICs einschließlich Handys erwirtschaftet. Heute sind es 10 Prozent. Das dürfte in der Krise zumindest helfen. 

Nun hatten damals die Experten an der Wall-Street die neue Ausrichtung nicht nur mit Beifall aufgenommen. Viele sagten, man könne nur in den Volumenmärkten wachsen, nicht in Nischenmärkten, auch wenn dort die Margen hoch sind.

Es ist ja bekannt, dass die Experten der Wall Street die Besonderheiten unserer Branche nicht immer durchblicken. Wir haben gelernt, dass in der heutigen Phase die Konsumenten nicht die besseren, sondern die billigeren Produkte verlangen. Es gibt Firmen, die sich auf diese Anforderungen spezialisiert haben.

Unsere Strategie sieht anders aus und deshalb haben wir unseren Fokus neu ausgerichtet. Das haben wir aber schon öfter getan, wir haben eine gewisse Erfahrung darin, wie man von Markt zu Markt springt und dabei seine hohen Margen bewahrt. Dass wir dies über die letzten Jahre tun mussten, zu einer Zeit, während der unsere Zielmärkte kaum zulegten, hat nicht geholfen, aber wie schon gesagt, können wir bereits die Früchte ernten. Wir konzentrieren uns mehr auf die Industrieelektronik, die Kommunikation und die Automobilindustrie. Übrigens zeigt das Beispiel Maxim ja, was passiert, wenn man in die Märkte einsteigt, in denen sich alle tummeln: Die Marge fällt.

…und das Wachstum?

Was das Wachstumspotenzial angeht: Der High-Performance-Analog-Markt macht ein Drittel des Gesamtmarktes in Höhe von 40 Mrd. Dollar aus. Wir halten am High-Performance-Markt derzeit einen Anteil von 10 Prozent. Da kann ich nur lachen, wenn mir einer sagt, da wäre kein Wachstum mehr drin. Das zeigt beispielsweise der Bereich der High-Speed-A/D-Wandler, auf den wir seit einigen Jahren stark setzen. Wir sind hier nicht der Größte, müssen aber besser sein als die Größten, um Marktanteile zu gewinnen. Dieser Bereich wächst jetzt sehr schnell und die Anwender erkennen an, dass wir besondere Wandler liefern, die sie aus anderen Quellen nicht beziehen können.