Xilinx gibt einen Strategieausblick Hardware-Programmierbarkeit: Für Software-Ingenieure gut versteckt

Steve Glaser, Xilinx: »Auf Basis der ALL-Programmable Technologies und mit den neuen SDx-Entwicklungsumgebungen können wir bis in fünf Jahren 250.000 reine Software-Ingenieure gewinnen, die ohne Hardware-Kenntnisse auf Basis unserer Plattformen neue Systeme entwickeln.«

Ist 2015 das Jahr der zweiten Geburt von Xilinx? 31 Jahre nach der Gründung erklärt jedenfalls Steve Glaser, Senior Vice President der Corporate Strategy and Marketing Group: »Wir sind ein vollkommen neues Unternehmen geworden.«

»ALL Programmable Technology« lautet das Schlagwort, das den Wandel beschreiben soll. Damit will Xilinx vom Hersteller programmierbarer Logik-ICs zu neuen Ufern aufbrechen. Es zählt nicht mehr die Zahl der Gatter, es geht nicht mehr nur darum, den Systemen über komplexe FPGAs zu einer höheren Performance zu verhelfen und die Implementation zu beschleunigen, und es geht vor allem nicht mehr darum, sich ausschließlich an die FPGA-Spezialisten zu wenden. Xilinx will mit der neuen Strategie künftige Gerätegenerationen erst ermöglichen, die rund um die Megatrends Industrie 4.0, 5G, Software Defined Networks und Network Funktion Virtualisation, die Cloud, die untereinander kommunizierenden autonom fahrenden Autos und ubiquitäre Video/-Vision-Systeme entstehen sollen.

Dazu will das Unternehmen nicht mehr nur die rund 50.000 Hardware-Ingenieure ansprechen, die sich mit programmierbarer Logik beschäftigen. Das Ziel besteht vielmehr darin, Software-Defined-Hardware-Plattformen auf den Markt zu bringen, mit denen System- und Software-Ingenieure zurechtkommen, die dazu keinen tiefen Einblick in FPGAs und andere Hardware-Geheimnisse haben müssen. Sie sollen auf dieser Basis Geräte in Hochsprachen entwickeln, die sich gegenüber dem Wettbewerb differenzieren und die die Bezeichnung ’intelligent’ und ’vernetzt’ wirklich verdient haben. Was sich unterhalb der Entwicklungsumgebungen auf der Hardware-Ebene verbirgt, müssen sie nicht wissen.

Was steckt hinter der vollmundigen Ankündigung? Dazu ein kurzer Rückblick: Mit den Fortschritten in der Prozesstechnik sind FPGAs zu hochkomplexen Bausteinen geworden. Viele Hardwired-Funktionen und IPs sind auf die FPGAs gewandert, ja sogar analoge Funktionen kamen hinzu. Aus den FPGAs wurden also vollständige SoCs. Das widerspricht nun ein wenig dem Ursprungsgedanken der programmierbaren Logik: ICs anzubieten, deren Hardware sich erst nach der Fertigung auf den jeweiligen Anwendungsfall programmieren lässt – und deshalb in hohen Stückzahlen sehr kostengünstig gefertigt werden kann. Viele fest verdrahtete Funktionen machen dagegen viele Varianten erforderlich – und entsprechend weniger Stückzahlen für so manche Variante – vom sonstigen Aufwand gar nicht zu sprechen. Deshalb hat Xilinx laut Steve Glaser schon vor fünf Jahren damit begonnen, eine neue Strategie zu entwickeln: den Übergang zu ALL Programmable Technologies.

Jetzt hat Xilinx die zweite Stufe in Richtung der Software Defined Technology genommen: 2014 kam das Software Defined Specification Environment for Networking (SDNet) als erstes Mitglied der SDx-Familie auf den Markt, im gleichen Jahr folgte SDAccel und dieses Jahr SDSoC. Dies alles ermöglicht es System- und Software-Ingenieuren, ihre Designs in C, C++ und OpenCL zu entwickeln, ohne sich um die zugrundeliegende Hardware kümmern zu müssen.