Handys statt Autos

Die kapazitive Technik vom Start-up »Ident« sollte eigentlich im Auto eingesetzt werden. Das ist vorerst gescheitert. Im Fokus steht jetzt die Konsumelektronik. Wir haben mit Marketing-Chef Werner Witte gesprochen, wie es weitergehen wird.

Herr Witte, Ident gibt es seit 2002, bisher haben Sie lediglich Prototypen. Woran liegt das?

Die Entwicklung der Basistechnologie war sehr aufwendig und hat einige Jahre in Anspruch genommen. Aktuell haben wir aber bereits Verträge mit diversen Firmen, die unsere Technologie in neue Produkte integrieren werden. Diese werden voraussichtlich Ende 2010 als fertige Produkte im Handel erhältlich sein.

Was für Produkte werden das sein?

Genau darf ich das leider nicht sagen, da wir mit allen Firmen eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben haben. Ich kann Ihnen allerdings schon jetzt verraten, es werden größtenteils batteriebetriebene Produkte sein, die mit unserer Technologie deutlich weniger Strom verbrauchen. Fast alle Produkte werden Sie in den unterschiedlichen Bereichen im Elektrofachmarkt kaufen können.

Warum sollte jemand überhaupt Ihre Technologie einsetzen?

Mit unserer »Skinplex«-Technologie ist es möglich, völlig neue Produkte zu entwickeln und die bestehenden Geräte im Funktionsumfang zu erweitern. Die Mensch-Maschine-Schnittstelle bekommt mit unserer Technologie eine völlig neue Bedeutung. Es werden dazu keine konventionellen Schalter mehr benötigt. Außerdem lässt sich gleichzeitig Strom einsparen und es müssen keine Kabel mehr verbaut werden. Bei einem Hörgerät zum Beispiel kann der Ein/Aus-Schalter entfallen, da das Gerät nur am Ohr aktiv ist. In der Tasche, auf der Hand oder auf dem Tisch ist das Gerät im Ruhezustand. Das lästige Ausschalten entfällt und die Batterie kann zukünftig nicht mehr versehentlich entladen werden.

Ursprünglich hatten Sie sich auf den Automotive-Markt konzentriert, aus dem Sie sich vor zwei Jahren wieder mehr oder weniger zurückgezogen haben. Warum?

Der Automotive-Markt ist sicher sehr viel versprechend. Der Weg dorthin, also von der Erst-Aqkuise bis zur Serienfertigung, kann durchaus bis zu acht Jahre dauern. Das ist sehr lang. Daher haben wir uns entschieden, mit unserer Skinplex-Technologie Märkte anzugehen, die in der Lage sind, Produkte innerhalb von 24 bis 36 Monaten in den Markt zu bringen. Als kleines Unternehmen müssen wir schauen, auf welchen Märkten wir auch kurzfristig Gewinne erwarten können.

Also war die Arbeit vorher umsonst?

Nein, wir sind bei nahezu jedem Automobilhersteller und deren Zulieferer mit unseren Produkten bekannt. Was wir deshalb zum Beispiel nicht mehr machen, ist auf Messen zu gehen und unsere Produkte vorzustellen. Unsere bestehenden Kontakte pflegen wir allerdings weiter.

Sie haben vor kurzem ein Technologie-Abkommen mit Infineon geschlossen. Was genau heißt das?

Zusammen mit Infineon entwickeln wir einen Chip, der in der Lage ist, die Geste eines Menschen zu erkennen. Das neue und besondere dabei ist, dass keine Berührung stattfindet und auch keine Kamera zum Einsatz kommt. Dabei vermitteln unsere Mitarbeiter das Know-how an Infineon. Im weiteren Verlauf werden Ende 2010 erste Geräte mit dieser Technologie zu erwarten sein. Diese Chips sollen primär in der Spiele-Industrie zum Einsatz kommen.

Wo liegt der Vorteil von Ident gegenüber herkömmlichen Technologien wie Touch-Sensoren oder Lichtschranken?

Der Vorteil liegt darin, dass die Aktion schon vor der Berührung ausgelöst wird. Das heißt, dass zum Beispiel die Heckklappe oder die Autoscheibe schon vor der Berührung der Hand angehalten wird und sie nicht einquetscht. Die Integration von etwa Lichtschranken ist viel komplexer. Wir brauchen keine zusätzlichen Kameras oder optische Systeme, sondern machen das durch leistungsarme elektrische Felder, die wir genau kontrollieren können.

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