Halbleiterindustrie wird unprofitabler

Dem Marktforschungsunternehmen iSuppli zufolge fallen die Gewinne der Halbleiterindustrie immer dürftiger aus. Die Gründe sind offensichtlich selbst gemacht.

Die Gewinne gehen zurück, es gibt weniger Möglichkeiten, Marktanteile von Wettbewerbern zu bekommen, und weniger Unternehmen, die außergewöhnlich stark wachsen. Die Chip-Hersteller müssten sich nun neue Strategien überlegen, wie sie damit zurechtkommen. Das ist das Ergebnis einer Studie von iSuppli über die Wettbewerbsfähigkeit der Halbleiterhersteller.

So sei die Profitabilität der Halbleiterindustrie seit Mitte 2004 stetig zurückgegangen, sagt Derek Lidow von iSuppli. Die Quartalsgewinne seien von durchschnittlich 17 bis 19 Prozent auf einstellige Werte gesunken. Die Halbleiterindustrie sei damit kaum profitabler als der notorisch margenschwache PC-Markt.

Die Umsatzrendite der Halbleiterhersteller geht zurück. Seit diesem Jahr scheint sich der Markt allerdings wieder leicht zu erholen.

Zwar hätten auch kurzfristige Entwicklungen wie das Abschreiben hoher Lagerbestände im Jahr 2006 oder der DRAM-Preiskrieg 2007 zu niedrigeren Gewinnen geführt, aber auch der langfristige Trend zeige nach unten, so Lidow weiter.

Als einen wesentlichen Grund für die geringer werdenden Gewinne macht iSuppli eine strukturelle Entwicklung in der Halbleiterindustrie aus. So
hätte man zwischen 2001 und 2004 die Halbleiterunternehmen in drei Gruppen aufteilen können: in eine kleine Anzahl von Firmen, welche weit stärker als der restliche Markt wuchsen, eine breite Mittelschicht und Firmen mit geringem Wachstum.

In dem Zyklus von 2004 bis 2007 sei diese letzte Gruppe nun ausgestorben. Der Grund dafür sei, dass sie von stärkern Konkurrenten aus den oberen beiden Gruppen gekauft wurden. Diese Räuber-Beute-Taktik sei ein Mittel gewesen, Marktanteile zu gewinnen und damit zu wachsen. Heute sind nur noch zwei Gruppen übrig geblieben: Wenige Firmen mit außergewöhnlichem Wachstum und eine breitere Mittelschicht. Die Folge ist, dass hohe Wachstumszahlen durch Übernahmen kaum noch möglich seien.

So sei die Zahl der Firmen, die zwischen 2001 und 2004 um mehr als 100 Prozent wuchsen, in dem Zeitraum von 2004 bis 2007 von 19 auf 9 zurückgegangen.

Spreu trennt sich vom Weizen

Trotz allem gibt es laut iSuppli Firmen, die sich den veränderten Bedingungen anpassen und trotzdem deutlich wachsen. Qualcomm, Mediatek oder Linear Technology etwa setzen nicht nur auf einzelne Bauteile sondern auch auf komplette Systeme wie etwa SoCs.

Andere Firmen wie Diodes, Microchip oder Rohm setzen auf etablierte Produkte, die es schon lange in Massenfertigung gibt und die von der Industrie laufend benötigt werden. Die Preise dieser Produkte seien stabil und würden eine zuverlässige Einnahmequelle bilden.

Besonders finanzstarke Unternehmen wie Intel, Samsung oder TSMC nutzen ihre Position wiederum, um sich durch einen höheren Chip-Ausstoß und eine schnellere Entwicklung von der Konkurrenz abzuheben.

Eine weitere Strategie sei Wachstum durch Akquisitionen, bei der ein Unternehmen wächst, indem es andere Unternehmen oder Teile daraus kauft. Diesen Ansatz verfolgt zum Beispiel Vishay.