Glückliche Mitarbeiter durch hohen Druck

Bekannt wurde Cypress Semiconductor als Hersteller von SRAMs. Mittlerweile hat sich die Firma komplett umorientiert und lebt von Solarmodulen und programmierbaren System-on-Chip. CEO T.J. Rodgers über sein Unternehmen, seine Mitarbeiter und Sport.

Wie schätzen Sie die Lage in der Halbleiterindustrie generell ein?

T.J. Rodgers: Ich glaube, dass der Halbleitermarkt etwas stärker ist als die amerikanische Gesamtwirtschaft – es ist OK, aber sicherlich nicht toll. Es gab allerdings Jahre wie 2001, wo alles viel, viel schlimmer war.

In der Vergangenheit war Cypress als »die SRAM-Company« bekannt, aber in 2007, einem Jahr, das durch fallende Speicherpreise und enorme Verluste fast aller Speicherhersteller gekennzeichnet war, haben Sie einen Rekordumsatz in Höhe von 1,6 Mrd. Dollar eingefahren. Können Sie unseren Lesern die Wandlung zum Anbieter programmierbarer Produkte erklären?

Schauen Sie, der SRAM-Markt war mal ein 5-Mrd.-Dollar-Markt. Wir sind die Nr. 2 weltweit und ich hoffe, dass wir bald die Nr. 1 sind. Das Problem ist nur, dass der Gesamtmarkt von 5 auf 1 Mrd. Dollar geschrumpft ist, das heißt, wir sind der König eines nun relativ kleinen Marktes. Moore’s Gesetz erfordert Investitionen von 50 bis 100 Mio. Dollar für die Entwicklung jeder neuen Chipgeneration, da mussten wir reagieren. Wir haben viele Dinge verändert und viele neue Sachen herausgebracht, aber zwei sind mit Abstand die erfolgreichsten: unsere PSoCs und unsere Solarmodule, beide haben wir 2001 auf den Weg gebracht.

Welchen Umsatzanteil haben Sie denn mit PSoCs und anderen proprietären Produkten mittlerweile erreicht?

Wir erzielen damit heute rund 70 Prozent unseres Halbleiterumsatzes.   

War die Investition einer Heuschrecke à la NXP oder Freescale jemals ein Thema für Sie?

Wir haben darüber nachgedacht. Das Problem ist, dass wir für Investoren nicht attraktiv genug sind. Die suchen Firmen mit geringem Wert, die sie optimieren und dann mit Gewinn weiterveräußern können. Unser Aktienkurs entwickelte sich immer besser als der Markt, und das können Sie in allen relevanten Börsen-Indizes ablesen!

Was sind in der näheren Zukunft die Wachstumsmärkte für Cypress?

Ich liebe die PSoCs, weil sie uns von bestimmten Märkten unabhängig machen. Als Speicherhersteller waren wir von zehn großen Kunden abhängig, die über das Wohl oder den Untergang unserer Firma bestimmt haben. Heute haben wir über 7000 PSoC-Kunden, die ich unmöglich in wenige Märkte kategorisieren kann; sicher ist der Consumer-Bereich aber ein ganz wichtiger Markt, ebenso wie Automotive und die Industrie. Für letztere bauen wir z.B. Systeme für Lüfterregelungen, wie sie auf großen Server-Farmen zum Einsatz kommen.

Die neueste Generation Ihrer programmierbaren System-on-Chip heißt PSoC3 und wird in 0,13-μm- SONOS-Technologie gefertigt. Was sind die Verbesserungen gegenüber den Vorgänger-Generationen?

Es gibt mehrere Vorteile: Wir können jetzt sowohl 5-V- als auch 3-V-Systeme bedienen, wir liefern mehr Speicher, mehr diskrete Analog- Elemente, mehr Logik-Gatter und eine höhere Rechenleistung. Der Markt fordert neben mehr Gattern primär einen geringeren Energieverbrauch und vor allen Dingen einen niedrigen Standby-Strom. Alle diese Punkte können wir mit PSoC3 adressieren.

Gemäß Ihrer Fab-lite- und Kostenreduktionsstrategie schließen Sie Ende 2008 Ihre Fab in Texas, die mit 0,35-μm-Prozessen arbeitet. Wo geht denn die Produktion hin? Werden Sie auch Foundries nutzen? Erwarten Sie Auswirkungen auf Ihre Kunden?

Nein, es gibt keine Effekte für unsere Kunden, wir bauen sozusagen eine große Brücke. Wir transferieren die ganze Technik in unsere Fab in Minnesota, die fünfmal größer ist, und externe Foundries. Die Kunden werden davon nichts merken.