Frequenzgeber: Nach der Talfahrt ist Erholung in Sicht

Laut einer jüngst veröffentlichten Studie von Databeans muss der Markt für Frequenz-Produkte in diesem Jahr mit einem Minus von 13 Prozent rechnen. Die gute Nachricht: Ab 2010 soll sich wieder ein gesundes zweistelliges Wachstum einstellen.

Der Markt für Frequenzgeber wird in diesem Jahr weltweit ein Volumen von 4,1 Mrd. Dollar erzielen«, sagt Matt Scherer, Analyst bei Databeans. 2008 erwirtschaftete die Frequenz-Branche noch 4,7 Mrd. Dollar. Die Stückzahlen fielen von 27,3 auf 23,4 Mrd. Markttreiber sind derzeit Computersysteme, Consumer-Elektronik und Telekommunikations-Ausrüstung.

Für die Zukunft prognostiziert Databeans den Frequenz-Produkten wieder gute Aussichten: »Wir rechnen über die nächsten fünf Jahre mit einem durchschnittlichen Wachstum von 13 Prozent pro Jahr und gehen 2014 von einem Marktvolumen von 7,4 Mrd. Dollar aus«, so Scherer.

Unverändert dominieren die klassischen Quarz-Produkte den Frequenz-Markt. »Dabei haben sich die Produktionsmethoden seit 75 Jahren nicht verändert. Viele Quarz-Pioniere arbeiten mit Produktionslinien, die vor mehr als sieben Jahrzehnten entwickelt wurden«, gibt Scherer zu bedenken. Die Produktion ist dementsprechend aufwendig und daher teuer. Nicht zuletzt deshalb räumt Scherer – zumindest in einigen Bereichen – aufstrebenden neuen Frequenz-Technologien auf Silizium-Basis wie CMOS, PLL, und MEMS viel versprechende Marktchancen ein.

Nach Meinung von Scherer sind diese IC-basierten Lösungen günstiger und robuster als Quarz-Produkte. Außerdem lassen sich Zusatzfunktionen in den Chip integrieren. Allerdings haben die Silizium-Produkte auch gravierende Nachteile: In punkto Genauigkeit und Stabilität kommen sie noch nicht an den Quarz heran. Auch die Leistungseffizienz ist niedriger als bei Quarz-basierten Frequenzgebern.

Daher bleibt der Einsatz von Silizium-Frequenzprodukten vorläufig auf solche Bereiche beschränkt, in denen diese Nachteile nicht zum Tragen kommen bzw. keine Auswirkungen haben. Das sind beispielsweise »Mainstream-Anwendungen« der Computer- und Consumer-Elektronik, also Applikationen, die nicht zwingend höchste Präzision und Zuverlässigkeit erfordern. »Märkte wie Militärtechnik, Luftfahrt und der Industriemarkt setzen dagegen weiterhin auf Quarz-Frequenzgeber. Dort spielt weniger der Preis eine Rolle, als vielmehr unbedingte Zuverlässigkeit der Elektronik«, erklärt Scherer.

Stimmen aus der Frequenz-Branche:

Stefan Hartmann, Department Manager QD, Epson Toyocom:

»Wir sehen die Zukunft für Quarz-basierende Frequenzgeber insgesamt sehr positiv, da verschiedene Markttrends auf eine erhöhte Nachfrage nach diesen Produkten hinweisen: Während über 50 Prozent der Weltbevölkerung über Mobiltelefone verfügen, sind derzeit nur wenige Prozent der Maschinen, Geräte und Industrieanlagen mit Kommunikationsmöglichkeiten ausgestattet. Dieser Nachholbedarf wird durch ein zunehmendes Angebot an Kommunikationsmodulen für diverse drahtlose Übertragungsstandards wie Bluetooth, ZigBee oder Mobiltelefonie bedient.

Schon seit jeher finden immer neue Funktionen Einzug in Mobiltelefone, was zu einer kontinuierlich steigenden Nachfrage nach immer kleineren Bauformen führt. Da sich die Miniaturisierung negativ auf die Eigenschaften von Timing-Produkten auswirkt, haben wir uns dieser Herausforderung gestellt und einen QMEMS-Prozess entwickelt, der die Bauteile-Eigenschaften selbst bei einer Verkleinerung der Bauform verbessert.

Legislative Vorschriften in einigen Ländern forcieren überdies die Nachfrage nach Mobiltelefonfunktionen in Kraftfahrzeugen (eCall) oder GPS-Navigation in Mobiltelefonen und damit nach komplexeren und höherwertigeren Timing-Produkten wie TCXOs. Im Bereich der KHz-Quarze sehen wir besonders dem Trend hin zu e-Metering sehr positiv entgegen. Aufgrund der häufig geforderten Genauigkeit der Zeitmessung verschiedener Systeme, ist hier eine Tendenz hin zu temperaturkompensierten Real-Time-Clocks (RTCs) zu erkennen. Neben konventionellen Strom-, Wasser-, Gas-, Messuhren ist der Einsatz dieser RTCs auch im Bereich Solarzellen-Controller denkbar.«