Freescale: Schluss mit dem Handy-Geschäft

Vor knapp zwei Jahren hat sich das Mobilfunk-Geschäft von Freescale Semiconductor vom einstigen Muster- zum Sorgenkind gewandelt und seitdem regelmäßig die Ergebnisse verhagelt. Jetzt soll Schluss damit sein, erklärt Rich Beyer, CEO und Chairman.

Markt&Technik: Vor ein paar Wochen hatten Sie gesagt, dass geklärt wird, ob und wie das Unternehmen im Cellular-Segment erfolgreich sein kann. Das ließ zumindest die Option offen, dass Freescale den Bereich selbst weiterführt. Jetzt kommt nur noch eine irgendwie geartete Trennung in Frage. Warum?

Rich Beyer: Wir haben sehr gründlich alle Möglichkeiten eruiert und diese Entscheidung nicht leichtfällig getroffen. Denn einerseits ist die Mobiltelefonie seit langem eng mit Freescale verknüpft, und andererseits stellen wir auch heute noch einen wichtigen Player in diesem Markt dar. Wir sind aber dennoch zu dem Entschluss gekommen, dass wir im Alleingang keine Chance haben. Es hat sich einfach gezeigt, dass ein Unternehmen in diesem Markt nur dann erfolgreich sein kann, wenn es über einen deutlich großen Marktanteil verfügt. Wir müssten also enorme Investitionen leisten, um diesen Bereich entsprechend zu vergrößern, und haben uns entschieden, das Geld lieber in die Bereiche zu stecken, in denen wir bereits über eine Führungsrolle verfügen.

Was heißt das für die Kunden?

Wir haben bereits umfangreiche Vorkehrungen getroffen, damit die Versorgung unserer Kunden aufrechterhalten bleibt.

Eine Trennung soll also herbeigeführt werden. Bevorzugen Sie einen Verkauf oder einen Partner für ein Joint Venture?

Wenn Sie so fragen: Wir würden diesen Bereich lieber verkaufen.

Aber so viele potenzielle Käufer gibt es nicht. Ein paar Monate früher hätte ST gepasst, aber die haben den NXP-Anteil übernommen. Aber auch Partner für ein Joint Venture dürften nicht so einfach zu finden sein…

Es gibt die eine oder andere Möglichkeit für uns, es finden auch Gespräche statt. Wenn aber keine dieser Möglichkeiten greift, werden wir uns trotzdem aus diesem Marktsegment verabschieden. Das hieße dann, dass wir einen Teil der darin tätigen Mitarbeiter übernehmen und sie in unsere anderen Produktbereiche überführen werden, aber sicherlich nicht alle.

Sie sind seit gut einem halben Jahr bei Freescale, kein leichter Einstieg, oder?

Doch, ich bin wirklich froh darüber, als CEO bei Freescale zu arbeiten. Es ist ein gutes Unternehmen, das über ausgezeichnete Technologien, über Führungspositionen in einigen reizvollen Märkten und über großartige technische Marketing-Fähigkeiten verfügt und außerdem im Laufe seiner Geschichte schon viele Innovationen auf den Markt gebracht hat. Wir als ein Management-Team müssen jetzt dieses Unternehmen von einem guten in ein großartiges Unternehmen verwandeln.

Worin besteht der Unterschied zwischen einem guten und einem großartigen Unternehmen?

In den letzten Jahren war das Wachstum unbeständig. Wir haben in den Märkten, in denen wir sein wollen, Marktanteile verloren, und wir haben einige Marktchancen nicht so aggressiv genutzt, wie wir gekonnt hätten. Unser Ziel ist es, ein stetiges Wachstum zu erreichen. Wir müssen unsere Marktanteile vergrößern, wir müssen unsere Gewinnsituation stetig verbessern, und wir müssen es schaffen, dass unsere Kunden erkennen, dass wir bessere Produkte mit einer höheren Qualität liefern.