Fairchild setzt auf grüne Technik: Halbleiter fürs Energiesparen

Bei Fairchild Semiconductor vollzieht sich seit zwei Jahren ein Strategiewandel: Anstatt sich auf Standardkomponenten zu konzentrieren, möchte das Unternehmen mit komplexen Power-Management- und Analog-ICs einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, Energie zu sparen und umweltfreundliche Geräte zu entwickeln.

Markt & Technik: Fairchild verfolgt seit zwei Jahren die Strategie, in Power-Management- und Analogprodukte zu investieren, um seine Margen- und Wachstumsziele zu erreichen. Werden also Standardprodukte eine immer kleinere Rolle spielen oder will  Fairchild sich – ähnlich wie von anderen Produktgruppen in letzter Zeit – ganz von ihnen trennen?  
Mark Thompson: Um unsere Ziele zu erreichen, haben wir bestimmte Bereiche verkauft, die wir nicht als Schlüsselelemente betrachten, beispielsweise haben wir den HF-Bereich an Analogic und die LED- und LED-Display-Linien an Everlight verkauft. Insgesamt haben wir einen Umsatz von 50 Mio. Dollar pro Jahr abgegeben, konnten aber unsere Margen verbessern.

Gleichzeitig haben wir in diesem Jahr System General in Taiwan gekauft, um uns in unseren Wachstumsmärkten zu stärken. Die Standardprodukte spielen weiter eine wichtige Rolle und ermöglichen es dem Kunden auch in Zukunft, seine Hardware zu bauen. Und sie sind ein guter Cash-Generator – auch die älteren Produkte – wenn man die Produktionstechnik und die Logistik beherrscht. Wir wollen deshalb die Standardprodukte auf einen Anteil von 20 Prozent am Umsatz bringen.

Wo setzt Fairchild die Schwerpunkte im Analog/Power-Management-Markt?
Erstens auf den Bereich der DC/DC-Regler für ultraportable Geräte, also vor allem Mobiltelefone. Der TAM für diese Regler liegt bei 2,7 Mrd. Dollar, das jährliche Wachstum bei 15,9 Prozent. Zweitens auf den Bereich der MOSFET-Treiber und der nichtisolierten PWMs für Industrie, Computing und die Telekommunikation. Der TAM der ersten Produkte liegt bei 885 Mio. Dollar, das CAGR bei 14,1 Prozent.

Der TAM der zweiten Produktgruppe erreicht 1,66 Mrd. Dollar, das CAGR liegt bei 16 Prozent. Drittens konzentrieren wir und auf die Off-Line-Power-Conversion, die einen TAM von 1,6 Mrd. Dollar umfasst. In diesem Sektor bieten wir AC/DC-Regler, Power-Factor-Correction und isolierte PWMs. Hier fühlen wir uns unter Wettbewerbern wie ST und Power Integrations als Marktführer, insbesondere nach der Übernahme von System General in Taiwan, die sehr stark im Bereich der Controller ist, während wir uns auf den Bereich der Regler konzentrieren. Außerdem verstärken wir mit System General unsere Position im schnell wachsenden asiatischen Markt.

Das Power-Management stellt Fairchild nach außen ganz unter das Motto des Umweltschutzes und Energiesparens. Wollen sie die Welt retten, die Al Gore so sehr in Gefahr sieht?
Es gibt einige unbestreitbare Zahlen und ziemlich wahrscheinliche Projektionen. So soll der Weltenergieverbrauch von 2004 bis 2030 um 57 Prozent wachsen. Soviele neue Kraftwerke kann man weder in den USA noch in China bauen, den beiden Ländern, die die meiste Energie verbrauchen. Ob Haushalte, Desktop-Computer oder Datacenter – in all diesen Bereichen hat die Energieaufnahme stark zugenommen.

Aber wenn wir genau hinschauen, erkennen wir, dass wir dabei einen ungeheuren Energiebetrag verschleudern. Das ist geradezu schockierend. Der Übergang von Glühbirnen zu LED-Beleuchtungen könnte bis zu 75 Prozent sparen, neue Motortypen könnten gegenüber den heute noch weithin üblichen Motoren bis zu 40 Prozent Energie einsparen.

Allein Induktionsmotoren durch Permanentmagnetmotoren zu ersetzen, führt zu einer Erhöhung des Wirkungsgrades um 5 Prozent, und die Standby-Power in Haushalten zu reduzieren, brächte 5 bis 10 Prozent. Wenn man das mit den Anteilen am Gesamtenergieverbrauch in den USA vergleicht – Motion 51 Prozent, Lighting 19 Prozent, Heating und Cooling 16 Prozent und IT 14 Prozent - erkennt man die enormen Beträge, die sich einsparen ließen.

Nur noch ein Beispiel: Der Wirkungsgrad eines Autos liegt bei nur 18 Prozent, da ist noch viel Verbesserungsspielraum vorhanden. Das schöne ist: die Einsparungen lassen sich fast ausschließlich über elektronisches Power-Management realisieren, die Technik ist heute schon da und wir werden sie ständig weiter entwickeln.

Das gesamte Interview lesen sie in der Ausgabe 45 der Markt&Technik vom 9.11.07