Erste electronicIndia ein voller Erfolg

»Eine Elektronik-Messe mit deutschem Organisations- und Service-Know-how hat in Indien offenbar gefehlt« – Manfred Wutzlhofer, Geschäftsführer der Messe München International im Interview mit Markt&Technik.

Markt&Technik: Warum haben Sie sich entschieden, die electronicIndia ohne indischen Partner zu organisieren?

Manfred Wutzlhofer: Der Hauptgrund bestand darin, dass wir die gesamte Organisation selber bestimmen wollten. In der Kooperation waren wir für die ausländischen Aussteller zuständig. Viele Aussteller, die wir gewinnen konnten, haben kurz darauf eigene Niederlassungen in Indien gegründet und zählten dann als inländische Firmen, für die unser Partner zuständig war. Das war auf Dauer nicht befriedigend. Außerdem wollten wir sicherstellen, ein durchgängiges Konzept zu etablieren, das den Service und die Organisation bietet, die unsere Aussteller und Besucher von den electronica-Messen in München und Asien gewohnt sind.

In Deutschland sprechen die meisten Leute von China als dem großen Zukunftsmarkt. Sie kennen China ebenso gut wie Indien, wie unterscheiden sich aus Ihrer Sicht beide Märkte?

In China geht vieles schneller als in Indien, wo die bürokratischen Mühlen oft etwas langsam mahlen. Das hat aber auch wieder seine positiven Seiten: Indien ist eben eine föderal organisierte Demokratie, und bei großen Infrastrukturprojekten müssen sich die Behörden auf kommunaler Ebene, auf Ebene der Bundesländer und auf Ebene der Zentralregierung einigen. Aber das kennen wir ja aus unserer Heimat auch.

Wenn ich sage, dass es in Indien etwas langsamer geht – die Gründung der Messe München International India hat eineinhalb Jahre gedauert – so heißt das aber auch, dass hier alles etwas nachhaltiger ist. Und die Investitionen sind in einem demokratisch legitimierten Umfeld abgesichert. Weitere Vorteile sehe ich in Indien darin, dass Englisch Umgangsprache ist, dass schon ein relativ entwickelter Markt besteht und dass es viele gut ausgebildete Fachkräfte gibt.

Die Infrastruktur stellt allerdings ein ernst zu nehmendes Problem dar.

Das stimmt. Die in weiten Landesteilen nicht vorhandene Infrastruktur stellt ein sehr großes Hindernis für die Entwicklung dar. In Indien an einem Standort zentral zu fertigen und die Waren dann an Kunden zu verteilen, die über dem Subkontinent verstreut angesiedelt sind, ist fast nicht möglich. Der Transport dauert sehr lange, teilweise wird sogar der Treibstoff knapp. Und neben jedem Kunden eine eigene Fertigung hochzuziehen, ist eben auch nicht immer sinnvoll. Das ist in China anders, da entscheidet die Zentralregierung sehr schnell. Dann entsteht zuerst die Infrastruktur, danach siedeln sich die Unternehmen an.

In Indien ist das häufig umgekehrt, die Infrastruktur hinkt aus den oben genannten Gründen hinterher. Das Problem haben die Regierungsstellen durchaus erkannt. Auf einer Tagung der Deutsch-Indischen Regierungskommission im letzten Jahr stand das Thema ganz oben auf der Tagesordnung. Aber es fehlt eben an allen Ecken und Enden. Selbst wenn jetzt relativ viel gebaut wird, schlagen die Ergebnisse nicht gleich durch. Ich habe aber schon den Eindruck, dass sich die Situation allmählich verbessert. Das zeigen nicht zuletzt das neue Messegelände und der neue Flughafen in Bangalore deutlich. Wer in Indien Geschäfte machen will, muss sich eben darauf einstellen, dass er mit der gegebenen Infrastruktur erst einmal leben muss.