»Dünn, flexibel und kostengünstig, das sind unsere Trümpfe!«

Wolfgang Mildner, PolyIC-Geschäftsführer und Vorsitzender der Organic Electronics Associatio, ist zuversichtlich, dass der organischen Elektronik ein erfolgreicher Markteintritt auf breiter Basis gelingt. Hoffnungsträger sind OLEDs, RFID-Anwendungen, die Fotovoltaik und der Bereich Smart Textiles.

Markt&Technik: Welche Auswirkungen hat die Weltwirtschaftskrise auf die noch junge Branche der organischen Elektronik und speziell der Polymer-Elektronik? Überwiegt die Angst der Kunden vor dem Neuen oder setzen sie gerade jetzt auf die Chancen neuer Technologien?

Wolfgang Mildner: Auch an unseren Kunden geht die Krise nicht spurlos vorbei. Natürlich ist es für manche Firmen schwieriger geworden, weitreichende Finanzierungsaussagen für ihre Vorhaben zu treffen. Bisher wurden aber noch keine Projekte abgesagt. Es gibt eine Reihe von geplanten Pilotapplikationen, mit denen Erfahrungen mit der Technologie im Feld gesammelt werden sollen. Durch die Verschiebungen geplanter Roll-outs haben wir die Möglichkeit, unsere Entwicklung weiter voranzutreiben. Gleichzeitig eröffnen sich neue Einsatzmöglichkeiten für unsere Technologie.
So sehen wir inzwischen alternative Applikationen für die von uns hergestellten transparenten, leitfähigen Folien, die wir in Druckprozessen für unsere Funkchips verwenden. Die Folien eignen sich beispielsweise in vielen Applikationen als interessante Alternative für die weit verbreiteten ITO-Folien, das war so vor einem Jahr noch nicht absehbar.

Organische Elektronik war in der Vergangenheit ein Themenfeld, auf dem sich vor allem europäische und amerikanische Unternehmen tummelten. Ist, vielleicht auch vor dem Hintergrund der Krise, festzustellen, dass andere Regionen verstärkt in diese Technologie einsteigen?

Weltweit steigt die Zahl der Firmen, die sich mit organischer Elektronik beschäftigen. Das spiegelt auch die wachsende Mitgliederzahl unserer international ausgerichteten Organic Electronics Association wider. Inzwischen arbeiten mehr als 120 Firmen aus Europa, Nordamerika, Asien und Australien in dieser 2004 gegründeten international führenden Interessenvertretung der organischen und gedruckten Elektronik zusammen. Entgegen dem allgemeinen Trend stellen wir fest, dass gerade in jüngster Zeit einige Firmen erfolgreiche Finanzierungsrunden absolviert haben.

Wir beobachten aber auch, dass inzwischen in Asien und im Speziellen in Korea, auch durch staatliche Förderprogramme, die Anstrengungen deutlich vergrößert wurden, um die technologische Position der dort tätigen Unternehmen auf dem Gebiet der organischen Elektronik deutlich zu verbessern. Auch in Taiwan sind verstärkte Anstrengungen festzustellen, in Japan scheint man sich vor allem auf das Thema OLED zu konzentrieren.

Sie sprachen zuvor von echnologischen Fortschritten. Wichtiger Bestandteil des technologischen Fortschritts ist ja die Prozesstechnik. Wo stehen Sie bei PolyIC da heute?

Wir haben vor kurzem auf der LOPE-C, der weltgrößten und bedeutendsten Konferenz- und Messeveranstaltung im Bereich der organischen Elektronik, als weltweit erstes Unternehmen eine echte Produktionsrolle unseres Rolle-zu-Rolle-Fertigungsprozesses gezeigt. Auf dieser rund 2 km langen, 50 µm dicken Polyesterfolie sind mehrere 100.000 RFID-Tags aufgebracht. Wir erreichen in der Produktion inzwischen Transistorausbeuten von 99 Prozent und arbeiten derzeit mit bis zu 5 km langen Rollen. Nun geht es vor allem darum, diese Produkte in den Markt zu bringen. Ich gehe heute davon aus, dass wir im nächsten Jahr RFID-Tags in mehreren Projekten mittlerer Größenordnung verkaufen werden. Wichtig für diese Technologie ist, zuerst sorgfältig den Einstieg in diesen Markt zu finden und von dort aus dann stufenweise in neue und größere Applikationen vorzustoßen.

RFID ist seit Jahren die Leitapplikation der Branche. OLEDs sind bereits seit rund zehn Jahren am Markt erhältlich. Welche nahe liegenden Anwendungsmöglichkeiten sehen Sie derzeit noch für organische Elektronik?

RFID ist sicherlich nicht nur für uns weiterhin die Leitapplikation. Die drahtlose Datenauslesung hat das Potenzial, zukünftig flächendeckend in vielerlei Anwendungsbereichen eingesetzt zu werden, die nach sehr dünnen und flexiblen Elektronik-Komponenten zu vernachlässigbaren Stückkosten verlangen. Unsere Aktivitäten fokussieren sich dabei auf die Bereitstellung innovativer Low-Cost-Elektronik-Produkte für den Massenmarkt. Denken Sie in diesem Zusammenhang nur an den Einsatz von Funkchips zur Überprüfung der Echtheit von Produkten. Wir bieten hier zum Beispiel ein intelligentes Weinetikett an.

Aber auch der Arzneimittelbereich hat einen großen Bedarf an Echtheitsbestätigungen, etwa durch RFID-Chips. Zeitnah dürfte der Einsatz organischer RFID-Lösungen als Echtheitszertifikat auch im Bereich Ticketing zunehmen. Große Chancen werden derzeit auch der Erzeugung von Licht durch großflächige Leuchtmittel, etwa als Leuchttapete, gegeben. Ich halte auch den Bereich der »Smart Textiles« – intelligente Textilien oder Kleidung - für ein in Zukunft sehr interessantes Anwendungsfeld.