»Distributoren und Internet sind für uns keine sinnvollen Vertriebskanäle«

Statt alle Märkte bedienen zu wollen, konzentriert sich Mips auf 32-bit-Hochleistungsprozessoren. CEO John Bourgoin über den Preisverfall im Prozessor-Markt, neue Geschäftsmodelle und die steigenden Entwicklungskosten.

Herr Bourgoin, wie schätzen Sie die augenblickliche Lage der Halbleiterindustrie ein?

Nun, Freudensprünge kann zur Zeit wohl kaum einer machen. Aber wir machen ja rund ein Drittel unseres Umsatzes mit Royalty- Gebühren unserer 40 bis 50 Lizenznehmer, d.h. mit Geld, das wir für jedes verkaufte Produkt unserer Kunden erhalten. Hier sind wir sehr zufrieden. Anders sieht es derzeit im Lizenzgeschäft aus. Die Wachstumsprognose von 8 bis 9 Prozent für 2008 halte ich für sehr ambitioniert, da das erste Halbjahr sehr schwach zu werden scheint, auch wenn das zweite Halbjahr laut Analysten besser werden könnte. Sowohl im analogen als auch im Mikroprozessor- Geschäft sind die Kunden z.Zt. sehr vorsichtig.     

Im Jahr 2007 konnte Mips erstmals über 80 Mio. Dollar umsetzen, aber die Verkaufspreise pro Chip sinken weiter. Was erwarten Sie für 2008?

Die Verkaufspreise sinken immer, egal, welches Produkt Sie nehmen. Es kommen aber auch neue Produkte auf den Markt, und die haben dann höhere Preise, da immer mehr Funktionen in einem SoC integriert werden. Wir haben zwei Arten von Verträgen bezüglich unserer Royalty- Gebühren: Es gibt die, die einen bestimmten Prozentsatz des Verkaufspreises des Endproduktes ausmachen, hier haben wir bei sinkenden Preisen natürlich auch weniger Einnahmen.

Es gibt aber auch Verträge mit festen Gebühren, z.B. 15 oder 20 Cent pro verkauftes Produkt, hier hängen unsere Einnahmen also nur von der Anzahl verkaufter Produkte ab, nicht von ihrem Preis. Mips hat als Lieferant von High-End-IP das Glück, dass ein Großteil unserer IP in neuen Produkten Verwendung findet, die einen hohen Verkaufspreis erzielen können, so dass auch unsere Einnahmen steigen.

Eine weitere Strategie ist das Wachstum in Low-Cost-Märkten. Nehmen Sie unsere Vereinbarung mit Microchip. Die sind bei den MCUs weltweit die Nr. 1 und verkaufen riesige Volumina zu relativ geringen Preisen. Zwar sind unsere Royalties pro verkaufter MCU relativ gesehen gering, durch die hohen Stückzahlen wachsen sie aber in Summe deutlich.

Apropos Microchip: Werden wir zukünftig mehr Chipidea-IP in Microchip-Produkten sehen?

(Bourgoin lacht): Ich hoffe sehr, aber das ist natürlich eine Entscheidung von Microchip. Ich kann Ihnen aber versichern, dass viele unserer Kunden jetzt auch an Analog-IP aus dem Hause
Mips interessiert sind.

Verglichen mit 2007 sind Ihre »Cost of Contract«, also projektbezogenen Kosten, geradezu explodiert, speziell in Ihrer Analog-Gruppe. Wie kommt das?

Nach der Integration von Chipidea mussten wir die bestehende IP auf neue Technologien portieren, das ist eine Menge Konfigurationsarbeit. Aktuell macht diese Arbeit, die wir natürlich nicht vom Kunden bezahlt bekommen, rund 50 Prozent der Gesamttätigkeit unserer Analog-Gruppe aus.   

Wie teilen sich Ihre Einnahmen heute auf Ihre Produkte auf? Ihre Kunden fragen ja nach immer höherer Rechenleistung – bedeutet das das Ende für Ihre 4K- und 24K-Cores?

Sie werden lachen: Obwohl die Nachfrage nach dem 34K und 74K wächst und wir gerade den Multithreading- Core 1004K herausgebracht haben, ist das Herz unseres Geschäftes immer noch der 24K. Wann sich das ändert, kann ich Ihnen nicht sagen, aber zumindest sind wir gut auf eine veränderte Nachfrage in Richtung höherer Leistung vorbereitet.

Es gibt einen klaren Trend in der Industrie, die Kunden von 8 auf 32 bit zu migrieren und 16 bit auszulassen. Mips ist ja sehr stark im 32-bit-Markt – sehen Sie eher die Chance, mehr Geschäft zu generieren, oder haben Sie Angst, Marktanteile aufgrund verstärkter Aktivitäten Ihrer Wettbewerber zu verlieren?

Wir sehen die Entwicklung sehr positiv, unser Abkommen mit Microchip ist der erste Beweis dafür. ARM und Mips sind stark im 32-bit- Markt, entscheidend sind die großen bestehenden Ecosysteme um die Architekturen von ARM und Mips mit unzähligen Drittfirmen, die Debugger, Entwicklungswerkzeuge etc. entwickelt haben. Wir rechnen daher damit, dass Kunden, die von 8 auf 32 bit migrieren, sich für eines dieser beiden Ecosysteme entscheiden werden.

Was halten Sie von Investitionen durch »Heuschrecken« in der Halbleiterindustrie? Sehen Sie das auch als mögliches Modell für Mips?

Wir schauen immer nach allen Alternativen. Investoren können unter bestimmten Voraussetzungen nützlich sein, wenn ein Unternehmen auf eine Weise verändert werden muss, die inkompatibel zu einer börsennotierten Firma ist. Wenn Sie z.B. eine Restrukturierung vornehmen und sich auf neue Märkte konzentrieren wollen, bedeutet das, dass Sie zwei bis sechs Quartale mit niedrigen Umsätzen rechnen müssen. Das gefällt den Aktionären einer börsennotierten Firma natürlich gar nicht, die wollen eine Dividende sehen. Wir haben diesbezüglich keine Pläne und sehen auch keinen Grund zur Restrukturierung.