Die Innovation muss am Hauptsitz des Unternehmens stattfinden

Mit den nach dem Erfinder des ersten ICs benannten »Kilby Labs«, geht Texas Instruments einen Weg, den nicht mehr viele Halbleiter-Hersteller gehen: ein eigenes Zentrum für Grundlagenforschung. Wir sprachen mit dem Chef des Zentrums, Ajith Amerasekera.

Herr Amerasekera, was ist neu an den »Kilby Labs«?

Wir wollen eine neue Umgebung schaffen, um Ideen zu entwickeln. Wir wollen hier ganz im Geist von Jack Kilby neue Möglichkeiten von Halbleitern entdecken. Jeder TI-Ingenieur kann etwas vorschlagen. Wenn die Idee funktioniert, nimmt der zuständige Ingenieur sie mit in seinen Geschäftsbereich und entwickelt daraus ein Produkt. So sollen ganz neue Produkte und neue Märkte entstehen.

Ein weiterer Punkt ist, dass wir hier vor Ort ganz gut mit Universitäts- Partnern zusammenarbeiten können.

Warum brauchen Sie dazu ein neues Lab?

Die Arbeit in unseren jetzigen F&E-Zentren ist system- und prozessorientiert. Sie ist nur auf bestimmte Geschäftsbereiche ausgerichtet, auf deren Kunden, auf deren Bedürfnisse, auf deren Produkte. Der Geist der »Kilby Labs« soll etwas längerfristiger sein. Hier sollen Menschen aus der ganzen Welt und aus unterschiedlichen Bereichen zusammenkommen. Sie sollen in kleinen Gruppen neue und wegen mir auch riskante Ideen entwickeln, die uns ganz neue Ansätze bringen könnten.

             Das neue Gebäude der Kilby-Labs in Dallas.

An was werden Sie genau forschen?

Das ist noch relativ offen. Wir wollen uns da keine Fesseln anlegen. Grob gesagt wollen wir in die Bereiche gehen, die unser Leben in den nächsten 5 bis 10 Jahren beeinflussen werden. Diese Bereiche sind Medizinelektronik, »Safety« und »Security«, »Low Power« oder »No Power«, »Energy Harvesting« und »Energieeffizienz«. Das heißt zum Beispiel, wir bauen keine Batterien sondern wir wollen herausfinden, wie man Halbleitertechnologie für deren Verbesserung nutzen kann. Wir machen keine neue Prozess-Technologie oder neue Transistoren. Es geht um das Design.

Hat die Arbeit in den Kilby-Labs bereits begonnen?

Das Labor wird Ende des Jahres eröffnet. Es werden hier einmal ungefähr 100 Leute an 25 bis 30 Projekten arbeiten. Wir bauen das jetzt phasenweise auf. Ende des Jahres soll es ein Drittel sein, der Rest soll dann im nächsten Jahr dazukommen.

Kommen diese Leute von TI oder von der angrenzenden Uni?

So 75 Prozent werden von TI kommen. Der Rest soll von Unis kommen, mit denen wir kooperieren. Oder es sind Leute, die wir direkt für die Projekte holen.

Haben Sie schon konkrete Forschungen begonnen?

Ja, wir haben bereits mit einem Projekt zum Energy-Harvesting begonnen und eines über »Acoustic Wave Transmission« in ICs.

Wie arbeiten Sie mit der Universität in Dallas zusammen?


Wir arbeiten nicht nur mit Dallas sondern mit vielen anderen Unis in den USA, Europa oder Asien. Je nach Projekt kommen die Studenten zu uns oder wir forschen direkt an den Universitäten. Bei TI arbeiten Studenten aus Dallas aber auch aus Deutschland.

Einige Halbleiterfirmen wie NXP oder Infineon kürzen gerade Stellen. Andere bauen Entwicklungsabteilungen in Asien auf: Warum investiert TI in ein Land mit relativ hohen Löhnen wie die USA?

Ich glaube, dass die Innovation dort sein muss, wo auch der Sitz der Firma ist. Wenn man sich zum Beispiel NXP anschaut, werden dort zwar Jobs abgebaut aber der Sitz der Forschung und Entwicklung ist immer noch in Eindhoven. Ich habe dort selbst einmal gearbeitet. Infineon hat auch seine Forschung und Entwicklung in München.

Ich denke, allen Firmen ist klar, dass langfristige Innovationen am Hauptsitz der Firma gehalten werden müssen. So gesehen ist es eigentlich klar, dass TI ein neues Lab an seinem Stammsitz in Dallas errichtet.