»Die Geburt der YouTube-Generation«

Mit dem Slogan »Enabling the YouTube-Generation« will ARC International multimediale Inhalte beliebigen Typs jederzeit und überall nutzbar machen. Elektronik-Redakteur Frank Riemenschneider traf CEO Carl P. Schlachte in ARCs Headquarter in San Jose.

Herr Schlachte, wie schätzen Sie die augenblickliche Lage in der Halbleiterindustrie ein?

Nach wie vor steht die Halbleiterindustrie im Mittelpunkt der elektronischen Geräte, sie treibt den Fortschritt voran, wenn es um die weltweite Vernetzung von Menschen geht. Wir nennen das die »Geburt der YouTube-Generation«, die das Leben nicht nur von Teenagern, sondern auch von uns Erwachsenen maßgeblich beeinflusst. Die Herausforderung der Halbleiterindustrie besteht darin, sowohl den funktionell vom Kunden wahrgenommenen als auch den wirtschaftlichen Wert der Produkte zu erhöhen. Während die Anzahl der verkauften Chips nicht zuletzt durch Produkte wie iPod und tragbare Computer steigt, befindet sich der durchschnittliche Verkaufspreis weiter auf einer Talfahrt. Nicht nur, dass sowohl kleine als auch große Unternehmen in diesem Umfeld Probleme bekommen, sogar Venture-Capital-Firmen verlieren deswegen zunehmend das Interesse an der Halbleiterindustrie: Im vierten Quartal 2007 wurden nur 6 Prozent aller VCInvestments in den USA in der Halbleiterindustrie getätigt.   

Im Jahr 2007 konnte ARC erstmals mehr als 28 Mio. Dollar umsetzen; Sie sind aber nach wie vor in der Verlustzone. Was erwarten Sie im Jahr 2008 in den von Ihnen zuvor erwähnten Zeiten fallender Preise?

Der Ansatz von ARC ist im Vergleich zu anderen »Star-IP«-Firmen komplett anders: Wir verfolgen eine »vertikale Integration« unserer Lösungen, d.h., wir liefern den SoC-Designern Hardware, Software und Entwicklungs-Tools. Die meisten unserer Wettbewerber konzentrieren sich nur auf die CPU, was den wachsenden Herausforderungen bezüglich Integration und Verifikation der heutigen SoC-Industrie nicht mehr gerecht wird. Die Folge können wir schon heute erkennen: Nicht nur unser Umsatz wächst, wie Sie richtig bemerkt haben, sondern auch unsere Verkaufspreise steigen. 2007 wurden mehr als 300 Mio. ARC-basierende Chips ausgeliefert, was uns auf Platz 2 der Star-IPAnbieter klettern ließ – übrigens mit der höchsten Fünfjahres-Wachstumsrate aller Anbieter.

Gleichwohl könnten Sie mehr Einnahmen aus Lizenzgebühren vertragen …

2007 sind unsere Einnahmen aus Lizenzgebühren um 50 Prozent gewachsen, das ist einer der höchsten Werte in der Branche. Insofern können wir uns nicht beklagen.

Dennoch: In den letzten zehn Monaten ist Ihr Aktienkurs um mehr als 50 Prozent gefallen. Wann kann man dort eine Trendwende erwarten?
Verglichen mit den letzten Jahren hat sich ARC in eine völlig andere Firma verwandelt. Aus dem Core-Geschäft wurden vorvalidierte Plattformen, die die Herausforderungen von multimedialen Geräten bezüglich der Datenverarbeitung lösen. Im Jahr 2003 waren wir komplett weg vom Fenster, nun nehmen wir – wie schon erwähnt – Platz 2 unter den Star-IPFirmen ein. Dennoch können wir uns leider nicht vom allgemeinen negativen Börsentrend unserer Industrie abkoppeln.

Was halten Sie von Investionen durch »Heuschrecken« in der Halbleiterindustrie? Sehen Sie das auch als mögliches Modell für ARC?
Es scheint gerade in Mode zu sein, sich Geld von »Heuschrecken« zu besorgen; ich denke aber, es handelt sich um eine temporäre Erscheinung in unserer Branche. Unser Ziel ist es, unsere bestehenden Investoren durch die wirtschaftliche Zielerreichung zufriedenzustellen.