Die DRAM-Industrie unter Investitionszwang

»Geld, Geld und nochmals Geld«, das sind die Sorgen der DRAM-Branche, die seit zwei Jahren eine rasante Talfahrt erlebt. Für den nächsten Technologiesprung – insbesondere in Bezug auf die DDR3-Technologie – sind jedoch hohe Investitionen erforderlich.

»Die DRAM-Hersteller verlieren weiterhin Geld. Die Situation hat sich bis heute nicht wesentlich verbessert«, sagt Nam Kim, Chief Analyst für Speicher- ICs von iSuppli. Dass mit dem Ausscheiden von Qimonda der gesamten DRAM-Industrie kaum geholfen ist, haben die Branchenkenner vorhergesagt. Sie waren sich einig: Mindestens noch ein weiterer großer Anbieter müsse vom Markt verschwinden, damit sich dieser erholen kann.

»Nach unserer Einschätzungen hat die weltweite DRAM-Industrie in den vergangenen zwei Jahren mehr als 20 Mrd. Dollar in den Sand gesetzt«, sagt Robert Herth, Prokurist und Sales & Marketing Director der IT Group von MSC. Einige Länder sehen die Rettung von DRAM-Unternehmen als eine nationale Frage: Immer wieder wird bezuschusst und subventioniert. Der größte Schuldenberg dürfte sich nach Meinung der Branchenexperten in Taiwan aufgetürmt haben. Als »verlängerte Werkbank für die Chip-Erfinder« haben die Unternehmen dort vor allem auf Ausstoß und Stückzahlen gesetzt und nicht auf Technologie.

Für den nächsten Technologiesprung sind allerdings hohe Investitionen erforderlich. Eine entscheidende Frage wird lauten: Welcher Hersteller verfügt heute überhaupt noch über die finanziellen Mittel, um in die nächst kleinere Prozessgeneration zu investieren? Der Branchenprimus Samsung, der sich in einer vergleichsweise guten Position befindet, treibt derzeit verstärkt den Übergang von der DDR2- zur DDR3-Technologie voran. Laut Robert Herth von MSC ist das ein cleverer Schachzug: »Die Nachfrage ist groß; DDR3-Speicher verknappen sich bereits.«

Mit seiner Fertigung hat Samsung die Wettbewerber abgehängt. Die Konkurrenten hinken um mindestens eine Prozessgeneration hinterher. »Die Investitionen, um eine DDR3-Fertigung mit Strukturen in einer Größenordnung von 50 nm zu etablieren, sind hoch, weil eine Voraussetzung die teure Nass-Lithographie ist«, erläutert Peter Westerdorf, Senior Manager Sales & Marketing von Elpida. Nach Einschätzung von iSuppli hat heute die DDR3-Technologie einen Anteil am DRAM-Markt von rund 15 Prozent (gemessen in Bit).

Nam Kim: »Die Stückzahlen werden jetzt rasant ansteigen. Der ›Cross Over‹ von DDR2 zu DDR3 ist Ende des Jahres, spätestens Anfang 2010 erreicht.« Aber nicht jeder der angeschlagenen Hersteller wird über die Mittel und den Mut verfügen, um jetzt viel Geld in die nächste Fertigungsgeneration zu stecken. Schließlich weiß die Branche nicht, wie lange die Durststrecke noch sein wird. Finanzielle Polster könnten ein Überleben sichern.

Das Beispiel Qimonda hat der Branche gezeigt, wie schnell die Lichter ausgehen. Zum anderen sind neue Technologien jedoch erforderlich, um die Bitkosten weiter zu senken und wettbewerbsfähig zu bleiben. Einige Einkäufer befürchten daher, dass Samsung zum nächsten »Intel« der Elektronikindustrie aufsteigen könnte.

Nam Kim von iSuppli will diese Sorgen zerstreuen: »Speicher sind keine Prozessoren! Die DRAM-Industrie hat sich immer wieder gewandelt. Viele Unternehmen sind aus dem Markt ausgeschieden, andere Firmen haben die Lücken geschlossen. Von den zehn größten DRAM-Herstellern im Jahr 1990 hat einzig Samsung als eigenständiges Unternehmen überlebt. Und trotzdem haben wir heute ein großes Überangebot an Speicher-ICs am Markt!«

Auch Peter Westerdorf von Elpida ist davon überzeugt, dass sich die Branche nicht von Samsung abhängen lassen, sondern sich lediglich neu formieren wird. Denn auch die Einkäufer haben großes Interesse daran, dass sie DRAMs in Zukunft aus unterschiedlichen und wettbewerbsfähigen Quellen beziehen können.