»Die Analogtechnik wird auch in Zukunft eine entscheidende Rolle spielen«

Für Dennis Monticelli, CTO von National Semiconductor, steht die Zukunft der Analogtechnik außer Frage. Zu den wichtigsten Absatzmärkten, nicht nur für Analogtechnikspezialisten, wird nach seiner Einschätzung die Bereiche Gesundheit und Konsumer-Elektronik zählen.

Markt&Technik: Auch im Bereich analoger Bauelemente gilt bis heute: Die größten Bedarfstreiber sind nach wie vor die Tele- und Datenkommunikation, die Konsumer-Elektronik und der Automotive-Markt. Rechnen Sie für die Zukunft mit dem Entstehen neuer Megatrends?
Dennis Monticelli: Wir gehen davon aus, dass der Bedarf an analogen Bauteilen in Zukunft vor allem von fünf Markttreibern bestimmt werden dürfte: Energie, Gesundheit, Sicherheit&Überwachung, Video und tragbare Elektronikgeräte.

Im Gesundheitsbereich stellen sich derzeit eine Reihe von Elektronikkonzernen durch Akquisitionen neu auf. Wird er sich, ähnlich dem Automotive-Markt, zu einem der Megamärkte der Zukunft entwickeln?
Der Gesundheitsbereich hat aus unserer Sicht wirklich das Potenzial, sich zu einem der interessantesten Wachstumsmärkte der Zukunft zu entwickeln, und dafür gibt es vor allem zwei Gründe: Die Generation solventer Babyboomer, die sich nun dem Rentenalter nähert, und die Tatsache, dass die bekannten Miniaturisierungstrends der Elektronikbranche heute die Realisierung ganz neuer diagnostischer Geräte abseits der gekannten medizinelektronischen Großgeräte erlaubt.

Sie nannten zu Beginn noch den Konsumer-Bereich. Sehen Sie in der digitalen Revolution im Consumer-Elektronik-Bereich eine treibende Kraft für das zukünftige Wachstum im Bereich analoger Bauelemente?
Das Beispiel YouTube hat gezeigt, dass allein CMOS-Kameras in Händen von Konsumenten für einen immensen Content-Strom sorgen können. Wenn Sie sich die Nutzung von On-Demand-Diensten betrachten, so steigen diese kontinuierlich. Um hier dem Anwender ein hervorragendes Video-Erlebnis zu sichern, bedarf es sehr schneller, ultra-linearer Tonverstärker und Treiber, sowie Multi-Gbps Analog-Digital-Wandler mit hoher Linearität.

Das gleiche gilt für Hochgeschwindigkeits-Serial-Links die weniger als 100 fs Jitter garantieren. Lassen Sie es mich anders ausdrücken, um auf einem 30-Zoll-Display eine gute Videodarstellung zu realisieren, bedarf es 8.8 Gbps bei 60 fps. Für Analogspezialisten, die über entsprechende SiGe- und BiCMOS-Erfahrung verfügen, bieten sich damit sehr interessante Zukunftsperspektiven.

Leistungsfähige Analogtechnik wird nach Ihrer Einschätzung weiterhin eines der Schlüsselelemente bei der Realisierung zukünftiger Human-Interfaces für Geräte und Maschinen sein. Sehen Sie neben dem schon klassischen Mangel an hochqualifizierten Entwicklern in Zukunft noch weitere Probleme auf die Hersteller analoger Bauteile zukommen?
Es ist sicherlich so, dass sich sowohl in Europa als auch in den USA die Ausgangsmotivation bezüglich eines Ingenieurstudiums geändert hat. Meine Generation ist geprägt von der technischen Aufbruchsstimmung der 1960er Jahre, ich möchte hier nur an das Apollo-Programm erinnern. Dieser Aspekt ist heute in den Hintergrund getreten. Auch wenn junge Menschen heute von all den Dingen umgeben sind, die wir uns zu Anfang unserer Entwicklertätigkeit nicht vorstellen konnten, ist es heute sicherlich schwieriger, junge Menschen für ein entsprechendes Studium zu begeistern.

Als mindestens genau so großes Probleme sehe ich aber auch die Tatsache an, dass sich der Staat immer mehr aus der Grundlagenforschung zurückzieht. Das wird langfristig Konsequenzen für unseren technischen Fortschritt haben, denn private Organisationen oder Unternehmen sind mit der Finanzierung der Grundlagenforschung in dem Rahmen, wie das bisher von staatlicher Seite vorangetrieben wurde, schlicht überfordert.

Das gesamte Interview lesen sie in der aktuellen Markt&Technik, Augabe 48 vom 30.11.07