»Die Amerikaner sind beim Thema Energiesparen richtig schlecht«

Actel setzt im Wettbewerb mit den Marktführern Xilinx und Altera ganz auf das Thema Energiesparen. CEO John East äußert sich zur Energiepolitik, Actels Zukunftsstrategie und erklärt warum er »Headhunting« hasst.

Herr East, welche wirtschaftlichen Ziele hat Actel 2008?

In den Zeiten der Bankenkrise und einer Rezession ist es schwer, konkrete Ziele zu benennen. Im Jahr 2007 war Actel im Bereich der programmierbaren Logik die einzige Firma, die gewachsen ist, alle Wettbewerber haben verloren. Daher haben wir für 2008 nur das Ziel ausgegeben, erneut stärker als unsere Wettbewerber zu wachsen.

Derzeit wird in der Halbleiterindustrie sehr viel über »Heuschrecken« diskutiert. Ist Actel ein Kandidat für eine Übernahme?

Grundsätzlich ist jede Firma ein potentieller Kandidat, sicher kann sich wohl heutzutage keiner mehr fühlen. Wenn sie kommen und ein Angebot auf den Tisch legen, müssen wir uns natürlich damit beschäftigen, aber aktuell habe ich davor keine Angst. Auch sind größere Firmen wie Freescale und NXP für Investoren wesentlich interessanter als kleine Firmen.

Planen Sie Zukäufe?

East: Wenn ich welche planen würde, würde ich es Ihnen nicht sagen. Ich bekomme ständig Anrufe, aber die meisten Angebote würden für uns keinen Sinn machen. Grundsätzlich stehe ich Zukäufen aber immer offen gegenüber, wenn sie uns in einer konkreten Fragestellung schnell weiterhelfen – und natürlich muss der Preis stimmen, wir sind ja eine kleine Firma. (lacht)

Wer kann es sich heute eigentlich noch leisten, eine Roadmap á la Moore’s Law zu verfolgen? Sehen Sie das Risiko, dass Firmen technologisch nicht mehr mithalten können, weil es einfach zu teuer wird?

Sie haben Recht. Während früher noch jeder von einer neuen Prozessgeneration profitiert hat, ist das schon lange nicht mehr der Fall. Im Bereich der programmierbaren Logik denke ich jedoch, dass es noch weiter in Richtung 45 nm geht bzw. gehen muss, da die Kunden immer komplexere FPGAs haben wollen. Bevor wir allerdings eine neue Prozessgeneration einführen, prüfen wir bei Actel sehr genau, welche Auswirkungen das auf den Energieverbrauch hat, und erst wenn wir das im Griff haben, findet der Wechsel auch tatsächlich statt.

Ganz offensichtlich ist das Ende von Moore’s Law in Verbindung mit Silizumdioxid absehbar. Sind Sie schon bei High-K angekommen? Ist dieses Material nicht zu weich und schwierig herzustellen?

Als kleines Unternehmen treiben wir sicher nicht die Entwicklung in der Prozesstechnik voran, wir kaufen bei UMC oder Infineon. Wenn diese entsprechende Entwicklungen vornehmen, werden wir uns damit beschäftigen. Ich glaube sehr an die High-K-Technologie, aber auch, dass die Einführung der High-K-Prozesstechnik bis zur Serienreife lange, lange dauern wird und Sie deswegen in den nächsten Jahren nicht lesen werden, dass Actel High-K-Chips verkauft.

Actel ist Marktführer bei Antifuse- Bausteinen. Wie arbeiten diese und in welchen Anwendungen kommen sie zum Einsatz?

Wir vermarkten die Antifuse- Bausteine nicht mehr sehr stark, da unsere Kunden mittlerweile die reprogrammierbaren Flash-Bausteine bevorzugen. Die Technik arbeitet so, dass bei Antifuses die Isolationsschicht zwischen zwei Kontakten durch das Anlegen einer hohen Programmierspannung irreversibel durchgebrannt wird und damit eine niederohmige Verbindung mit geringer Kapazität entsteht. Die Anwendungen finden sich vor allem in der Weltraumtechnik auf Grund der Höhenstrahlung, gegen die vor allen Dingen SRAM-Zellen empfindlich sind. Selbst wenn Flash-Zellen im Vergleich dazu viel sicherer sind, sind Datenverluste nicht ausgeschlossen. Daher finden Sie unsere Antifuse- Bausteine in jedem Satellit, in jeder Rakete und in jedem Fahrzeug, das auf dem Mond bzw. dem Mars herumfährt. Die NASA sollte mal eine Actel- Flagge auf dem Mars hissen! (lacht)  

Der FPGA-Markt wird von den Goliaths Xilinx und Altera dominiert. Wie will der David Actel gegen diese geballte Marktdominanz langfristig überleben?

Wir gehen in eine ganz andere Richtung als unsere Wettbewerber. Wir laufen ihnen also nicht hinterher und versuchen nicht, ihre Entwicklungen zu kopieren. Die SRAM-basierenden FPGAs unserer Konkurrenz sind z.B. sehr gut für Kommunikations- Datenpfade geeignet, unsere Flash-Technologie dagegen ist ideal für Energiespar-Anwendungen – und es gibt täglich mehr und mehr Energiespar-Anwendungen.

Könnten Sie mir dafür einige Beispiele geben?

Als ich vor vier Jahren China besuchte, designten unsere acht Kunden allesamt batteriebetriebene Anwendungen. Diese waren zu dieser Zeit in den USA quasi noch unsichtbar. Mittlerweile hat sich das auch hier dramatisch verändert. Im Medizinbereich, in der Industrie und speziell im Consumer-Bereich haben wir großen Erfolg. Denken Sie nur an TV auf dem Handy, PDAs usw. Überall geht es nur noch darum, Energie einzusparen.

Sie nehmen für sich – wie ich finde, sehr ambitioniert – in Anspruch, dass Ihre Energiespar-FPGAs helfen, die Umwelt zu retten. Welche anderen Maßnahmen sind aus Ihrer Sicht noch notwendig, z.B. in der Energiepolitik, und vor allen Dingen, wie kann man Menschen motivieren, weniger Energie zu verschwenden?

Das ist eine sehr gute Frage. Wenn ich ehrlich bin, ich weiß es nicht. Sicher ist nur, dass wir speziell in den USA unbedingt Energie einsparen müssen. Die Japaner machen es uns ja vor, wie es gehen kann. Wir in den USA lesen jeden Tag in der Zeitung, dass uns die Treibhausgase langfristig umbringen werden, aber dann lassen wir den Fernseher laufen, das Licht an, und die Klimaanlage bleibt auch Tag und Nacht eingeschaltet. Die Amerikaner sind richtig schlecht beim Thema Energiesparen. Was können die Politiker tun, um dieses Verhalten zu ändern? Ich weiß es wirklich nicht.