Dialog Semiconductor: Wachstum dank hochkomplexer Mixed-Signal-ICs

Dialog Semiconductor hat sich vom Schlag der BenQ-Insolvenz erholt. Dazu baut das Unternehmen seine hochkomplexen Audio/Power-Management-ICs aus und will in neue Märkte vordringen. CEO Dr. Jalal Bagherli im Interview.

Markt&Technik: Herr Dr. Bagherli, als Sie im Oktober 2005 zum CEO von Dialog Semiconductor berufen wurden, hat Sie kurz darauf die Insolvenz der Mobiltelefonsparte von BenQ hart getroffen, der Umsatz brach um 40 Prozent ein. Mit welchen Maßnahmen haben Sie das Ruder herumgerissen?

Dr. Jalal Bagherli: Dialog war als ein ASIC-Unternehmen gegründet worden, dieses Erbe war auch im Jahr 2005 noch spürbar. Es kam also zuerst einmal darauf an, die Stärken zu identifizieren und die Marktsektoren zu definieren, für die wir künftig ASSPs entwickeln wollten. Die Stärken von Dialog liegen im Mixed Signal-Design, in Hochvolt-I/Os und im Power-Management. Sehr gut sind wir auch darin, Ströme dynamisch mit hoher Präzision anzupassen und Spannungen zu trimmen.

Insbesondere in der Kombination von Audiofunktionen und Powermanagement sehen wir eine Erfolg versprechende Strategie, hier können wir einige Differenzierungsmerkmale bieten. Mit diesem technischen Know-how entwickeln wir Audio-Power-Management- ICs für tragbare Geräte, Low-Power-Display-Systeme für Autos und Mixed-Signal-ICs für die Industrie. Nachdem wir die Entwicklungsfelder und die Zielmärkte identifiziert hatten, haben wir das Unternehmen neu nach Produktgruppen organisiert.

Wie konnten Sie die neue Strategie intern umsetzen?

Ich habe versucht, eine Silicon-Valley-Mentalität in die Firma zu bringen. Die Mitarbeiter haben wir beispielsweise an einem Aktienprogramm beteiligt. Wenn ihnen ein Teil des Unternehmens gehört, bringt das neues Leben in die Firma. Das haben einige zwar am Anfang mit einem gewissen Misstrauen betrachtet, jetzt aber sehen sie die Vorteile. Wir haben auch unseren Aufsichtsrat neu ausgerichtet. So kam Peter Tan, President & Managing Director von Flextronics Asia, hinzu, der uns ein Gefühl dafür gibt, was sich in diesen Märkten tut. Außerdem sind der frühere CTO von Vodafone UK, Chris Burke, und Russ Shaw, Capability and Innovation Director von O2, an Bord.

Das spiegelt unsere Ausrichtung nach den Produktgruppen und Märkten wider: Wireless, Consumer, Automotive. Außerdem sind wir jetzt zu 100 Prozent ohne eigene Fertigung, und wir verlagern auch den Endtest sowie Tape-and-Reel nach Asien. Das Know-how im Bereich Test behalten wir allerdings im Hause, das ist wichtig, um die hohen Qualitätsstandards bieten zu können, die etwa die Automobilindustrie fordert. Von Produktgruppen, die nur geringe Margen abwerfen, wie etwa den CSTN-Treibern, haben wir uns getrennt.

Sie haben keine Mitarbeiter entlassen?

Wir mussten zwar 45 Mitarbeiter in der Produktion und der Logistik entlassen, aber dafür haben wir 45 neue Mitarbeiter im Bereich Marketing, Design und Applications eingestellt. Insgesamt beschäftigen wir derzeit über 240 Mitarbeiter und stellen pro Quartal zehn neue Mitarbeiter ein.