Consumer-MEMS emanzipieren sich

Auch wenn das Wachstum der Cosumer-MEMS 2009 nur 9 Prozent betragen wird, ab 2010 sorgen neue Applikationen im Consumer- und Handy-Bereich wieder für zweistellige Wachstumsraten.

Der Anteil der Consumer-Lösungen am MEMS-Markt liegt inzwischen bei 23 Prozent. In den nächsten Jahren dürfte er wertmäßig auf über ein Drittel steigen.

Nach Einschätzung von Jérémie Bouchaud, Principal Analyst MEMS bei iSuppli, werden in diesem Jahr 23 Prozent des weltweiten MEMS-Umsatzes auf Consumer-Lösungen entfallen. Im letzten Jahr waren es noch 19 Prozent. In diesem Jahr werden rund 1,7 Mrd. MEMS in Consumer-Geräte und Mobiltelefone Eingang finden.

Doch auch die MEMS müssen dem Einbruch des Consumer-Marktes Tribut zollen: Nach einem Umsatzwachstum von 13 Prozent im Vorjahr werden sich die Hersteller in diesem Jahr nur über ein Plus von 9 Prozent freuen können. Doch schon für 2010 sieht Bouchaud wieder ein zweistelliges Wachstum voraus. Über den Zeitraum von 2008 bis 2013 haben die Analysten von iSuppli ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 16,5 Prozent ermittelt.

Wie attraktiv der Wachstumsmarkt Consumer-MEMS speziell in den letzten drei Jahren geworden ist, zeigt eine aktuelle Studie des französischen Marktforschungsinstituts Yole Dévelopment. »Unsere Analyse zeigt, dass in den letzten drei Jahren im MEMS-Bereich mehr als 35 strategische Investments getätigt wurden«, fasst Géraldine Andrieux Gustin, Partner bei Yole Finance, die Ergebnisse der Untersuchung zusammen. Insgesamt, so Gustin, haben VCs seit 2006 über 800 Mio. Dollar in die MEMS-Branche investiert.

Aber auch im Boom-Markt MEMS gibt es klare Auf- und Absteiger. Eine wahre Success-Story hat STMicroelectronics in den letzten Jahren hingelegt. Ausgehend von einem MEMS-Umsatz von 27 Mio. Dollar im Jahr 2007, katapultierte sich ST im Vorjahr auf ein Umsatzvolumen von etwa 220 Mio. Dollar, Tendenz weiter steigend. STMicroelectronics erntet damit die Früchte jahrelanger Vorbereitungsarbeit.

Consumer-MEMS auf einer 8-Zoll-Fertigungslinie

So war ST das erste Unternehmen, das Consumer-MEMS ab 2006 auf einer 8-Zoll-Fertigungslinie produzierte. Inzwischen werden weltweit bereits 36 Prozent aller Consumer-MEMS auf 8-Zoll-Linien gefertigt. Zu den absoluten Überfliegern am Markt zählt auch das US-Unternehmen InvenSense.

Das Unternehmen kündigte als erstes einen monolithisch gefertigten zweiachsigen Gyroskop-Sensor an, der für 2 Dollar auf den Markt gebracht werden sollte. Das Unternehmen hielt Wort, begann mit der Lieferung Mitte 2007 und konnte sich 2008 mit einem Umsatz von 45 Mio. Dollar einen signifikanten Marktanteil sichern. Für 2009 dürfte das Unternehmen die 100-Mio.-Dollar-Umsatzschwelle anstreben.

Ähnlich dynamisch hat sich in den drei Jahren seit seiner Gründung auch Bosch Sensortec entwickelt. 2006 gegründet, steigerte das Unternehmen von 2007 auf 2008 seinen Umsatz um 220 Prozent auf rund 22 Mio. Dollar. Bosch Sensortec hat den ersten dreiachsigen Beschleunigungssensor 2005 und digitale Drucksensoren 2006 auf den Markt gebracht. Nach verhaltendem Verkaufsbeginn explodierten die Umsätze dann in der zweiten Jahreshälfte 2008, als die Beschleunigungssensoren in einigen Samsung Handys, dem Omnia von LG und bei einigen japanischen Handy-Herstellern zum Einsatz kamen.

Zu den Verlierern der letzten Jahre im Consumer-MEMS-Bereich zählen laut den Analysten von iSuppli Texas Instruments, Murata und Hokuriku. So ist es TI bislang nicht gelungen, eine erfolgreiche Strategie gegen den Rückgang seines DLP-Geschäfts (Digital-Light-Processing-Chips) zu entwickeln. Jüngster Versuch, den Rückgang einzudämmen, sind die Bemühungen um DLP-basierte Pico-Projektoren, die als Stand-Alone-Lösung oder integriert in Handys zum Einsatz kommen sollen.

Murata unter Druck

Murata seinerseits ist auf dem Markt der Gyroscope-MEMS durch Wettbewerber wie InvenSense oder eine neue Generation von Quarz-Gyroskopen von Epson Toyocom unter Druck geraten. Ähnliches gilt im Fall Hokuriku. Als führender Anbieter von Beschleunigungssensoren für Consumer-Anwendungen war das Unternehmen in Japan lange Zeit der einzige Lieferant dieser MEMS für die PS3-Controller von Sony. Inzwischen wurde das Unternehmen schrittweise von Kionix verdrängt.

War das Jahr 2008 das Jahr des verstärkten Einzugs von Beschleunigungssensoren in Consumer-Anwendungen (Anteil 2007: 3 Prozent, 2008: 10 Prozent), könnte 2009 zu einem Jahr für MEMS-Mikrophone oder 3-achsige Drehratensensoren werden. So hat InvenSense für dieses Jahr die ersten dreiachsigen Gyroskope für Spielekonsolen angekündigt, ST wird nach Einschätzung von iSuppli entsprechende Produkte 2010 auf den Markt bringen.

Für ein entsprechendes Marktmomentum könnte die Ankündigung von Nintendo sorgen, noch im Juni dieses Jahres ein mit 3-achsigen Gyroskopen ausgestattetes Zubehörteil für die Wii auf den Markt zu bringen. Bouchaud geht davon aus, »dass die Kombination aus 3-achsigen Beschleunigungs- und 3-achsigen Drehratensensoren schon bald Standard in der neuen Generation der Spielkonsolen sein wird«. Der iSuppli-Analyst weist darauf hin, das bereits »9-achsige«-Lösungen, bestehend aus Beschleunigungs-, Drehraten und Magnetometer, in der Entwicklung sind und 2010 auf den Markt kommen sollen.

Noch für 2009 rechnet Bouchaud mit dem Markteintritt von Pico-Projektoren als Standalone-Lösung. Die Entscheidung wird dort wohl zwischen TI und Microvision fallen. Der Analyst erwartet für dieses Jahr auch noch das erste Handy mit integriertem Pico-Projektor (DLP-basiert) von Samsung.

Mit einem größeren Markt für diese MEMS-Lösungen ist nach Einschätzung der Marktforscher von iSuppli aber wohl erst ab 2012/13 zu rechnen. Interessante Wachstumschancen für die Zukunft sieht Bouchaud auch für MEMS-Aktuatoren für Autofokus-Zooms in Kameratelefonen. Erste MEMS sind hier seit Mitte 2008 in verschiedenen Handy-Modellen von Motorola im Einsatz.