Erdbebengefahr Chip-Industrie steht auf wackligen Füßen

Japan, Taiwan oder das Silicon Valley - fast zwei Drittel aller Halbleiter-Fabs stehen in erdbebengefährdeten Gebieten. Das hat eine Studie des Marktforschungsunternehmens IC Insights ergeben. Besonders schwerwiegend wäre demnach ein Erdbeben auf Taiwan.

Die Katastrophe in Japan hat das Bewusstsein der Industrie wieder auf ein Problem gelenkt, dass die meisten verdrängt hatten: ein großer Teil der Halbleiterindustrie befindet sich genau dort, wo schwere Naturkatastrophen wie Erdbeben, tropische Wirbelstürme oder Flutwellen auftreten können.

So befinden sich IC Insights zufolge 90 Prozent der weltweiten »Pure-Play Foundry«-Kapazitäten, also Fabs die ausschließlich für Auftraggeber fertigen, in erdbebengefährdeten Gebieten. Aufgrund ihrer breiten Kundschaft und der Tatsache, dass sie für viele ICs die einzigen Hersteller sind, würde eine Naturkatastrophe an solch einem Foundry-Standort die Wirtschaft besonders hart treffen. Die Folgen könnten somit drastischer sein als derzeit in Japan, wo Fabs mit vergleichweiser geringer Produktbandbreite betroffen sind.

Diese Erkenntnis kam den Marktforschern von IC Insights allerdings schon vor der Katastrophe in Japan, als sie eine Studie für einen Versicherer anfertigten. Die Frage war, was eigentlich passiert, wenn die Stadt Hsinchu auf Taiwan von einem schweren Erdbeben oder einem Taifun getroffen wird und in der Folge die Fabs nicht mehr produzieren könnten. In Hsinchu haben die beiden größten Foundries TSMC und UMC einen Teil ihrer Fabs. Das heißt, dass sich auf einem vergleichsweise kleinen Gebiet, eine gewaltige Fertigungskapazität befindet.

Würden diese Fabs nun aufhören zu produzieren, wäre das ein schwerer Schlag für die weltweite Elektronik-Industrie, die dadurch mindestens 10 Milliarden Dollar Umsatz pro Monat einbüßen würde.

Was bedeutet das nun für die Käufer von ICs? Für die meisten offensichtlich nichts. IC Insights geht aber davon aus, dass die Katastrophe von Japan eine Art Weckruf für die Industrie war, sich besser auf solche Ereignisse vorzubereiten.