CEO-Round-Table: Ohne Klimaschutz läuft nichts mehr

»The contribution of the Semiconductor Industry to Climate Protection« lautete das Motto der CEO Panel Discussion. Die Vertreter der Halbleiterindustrie waren sich darüber einig, dass sie das allermeiste dazu beitragen können.

Die Finanzkrise bewegt die Gemüter, aber deshalb sollte niemand in der Halbleiterindustrie in Pessimismus verfallen. Im Gegenteil: »Erfolgreiche Firmen investieren im Downturn, um im Aufschwung so richtig zu profitieren«, sagt Rich Beyer, CEO von Fresscale. Und Bedarf, Energie zu sparen und die Umwelt zu schützen, gibt es genug. »Es ist unglaublich, wie ineffizient etwa die Antriebssysteme in der Industrie heute noch sind«, meint Beyer. »Es gibt einen riesengroßen Bedarf, die Systeme energieeffizienter zu machen«, erklärt auch Peter Bauer von Infineon.

Gerade das stimmt Brian Halla von National Semiconductor »sehr, sehr optimistisch. Die Halbleiterindustrie wird jetzt die wirklichen Probleme lösen und nicht dafür sorgen, einfach mehr Filme auf You-Tube bereit zu stellen.« Wenn der neue Präsident Obahma tatsächlich wie angekündigt 150 Mrd. Dollar in erneuerbare Energien stecken wolle, dann sei es die Halbleiterindustrie, die die erneuerbaren Energien erst Realität werden lasse. »Das wird eine neue industrielle Revolution auslösen, wir können gleichzeitig die Energiekosten reduzieren und unseren Planeten schützen«, freut sich Rich Beyer. Das biete großartige Möglichkeiten für IC- und Systemhersteller.

40 Prozent der gesamten weltweit erzeugten Energie ist Elektrizität. »Wenn wir die Halbleitertechnik richtig einsetzen würden, könnten wir 25 Prozent der Energie sparen, das ist erstaunlich«, erklärt Bauer. »In elektrischen Antrieben ließen sich sogar 40 Prozent einsparen.« Derzeit fließt ein großer Anteil der elektrischen  Energie – 19 Prozent – in die Erzeugung von Licht. »LEDs alleine können diesen  Anteil um 30 Prozent reduzieren, mit intelligenten Ansteuerungen kämmen wir sogar auf 50 Prozent. In CO2-Emissionen umgerechnet entspricht das einer Waldfläche, die zweimal so groß ist wie Deutschland ist«, sagt Dr. Rüdiger Müller, CEO von Osram. Die Automobilindustrie hat das Potenzial bereits erkant, deshalb wandern so viele LEDs in die Autos.

Autos könnten in Zukunft überhaupt viel effizienter werden. Das fängt bei Gewichtseinsparungen an – Kabelsysteme und Mechanik ließen sich laut Rich Beyer weitgehend ersetzen – und geht bis zu intelligenteren elektronischen Steuerungen. Allein wenn alle Verbraucher im Auto einfach abgeschaltet würden, wenn sie nicht gebraucht werden, könnte das über die Lebenszeit des Autos 3,5 t CO2 einsparen, wie Peter Bauer erklärt. Mechanik durch Elektronik zu ersetzen, reduziert den Benzinverbrauch weiter.

»Öl kann nicht die Antwort für die Zukunft sein«, stimmt Brian Halla zu. Er ist stolz, alleine im neuen elektrisch angetriebenen Tesla 25 Power-Management-ICs aus dem eigenen Hause gefunden zu haben. Die Herausforderung bestünde heute darin, möglichst in kurzer Zeit die Batterien zu laden. Sein Unternehmen arbeitet bereits an Systemen auf Basis von Super-Caps. Überhaupt sei das Batterie-Management heute noch reichlich primitiv. Auch hier lautet die frohe Botschaft: Es gibt noch viel Potenzial für Verbesserungen. Und um die Energie zu erzeugen, die die Autos fahren lassen, setzt Halla auf Solarenergie. Auch hier seien die Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung noch längst nicht ausgeschöpft.

Und die Kostenseite? Widerspricht nicht die Forderung nach energieeffizienten Systemen dem enormen Preisdruck, den die Konsumenten ausüben? »Wer Mechanik durch Elektronik ersetzt, bekommt auf einen Schlag beides: Niedrigere Kosten und höhere Effizienz«, antwortet Beyer darauf. Auch das sei ein Grund, warum mehr und mehr LEDs ins Auto wandern, denn die Konsumenten schauen vermehrt auf Cost of Ownership über die Lebenszeit. Das kann Dr. Rüdiger Müller nur bestätigen: »In Zukunft fallen die Preise für alle LED-Anwendungen. Wir erhöhen die Wafer-Größen und werden die Kosten so reduzieren, wie es aus der IC-Welt bekannt ist. In drei bis fünf Jahren wird es gegenüber konventionellen Leuchtmitteln für LEDs keine Preisnachteile mehr geben.«