Kommentar Barcelona verleibt sich Intel ein

Gerard Pique präsentiert die neue Innenwerbung für Intel. Deborah Conrad, Intels Chief Marketing Officer, ist entzückt.
Gerard Pique präsentiert die Innenwerbung auf dem neuen Barca-Trikot. Deborah Conrad, Intels Chief Marketing Officer, ist entzückt.

Intel wird neuer Trikotsponsor des FC Barcelona. Allerdings wird die Werbung nicht außen auf dem Dress zu sehen sein. Das wäre ja langweilig. Damit der Zuschauer die Partnerschaft bemerkt, muss es schon zappeln im Netz des Gegners.

Dass Halbleiterhersteller öffentlich bei großen Sportvereinen einsteigen ist ohnehin schon selten. Was Intel jetzt zusammen mit dem FC Barcelona verkündete, habe ich noch nie gesehen. Den Slogan »Intel inside« haben die Marketingverantwortlichen einfach mal wörtlich genommen – und die ausgehandelte Trikotwerbung kurzerhand auf der Innenseite des Jerseys platziert.

»Noch nie zuvor war an dieser Stelle ein Logo auf dem Trikot des Clubs platziert«, heißt es in der Pressemitteilung zur Bekanntgabe des Sponsorings. Dem findigen Beobachter drängt sich da die Frage auf: Was soll das in der Praxis bringen?

Denn damit das Publikum auf die Kooperation mit dem Chip-Giganten aufmerksam wird, müssen einige Zufälle zusammenfallen. Zunächst muss die »Blaugrana« ein Tor schießen. Und zwar am besten ein schönes, damit der Schütze auch entsprechend ausschweifend jubeln kann. Und ein Führungstor muss es sein, denn Zeitnot darf nicht aufkommen. Nun muss er nur noch eine Vorliebe für den Trikotstülper haben und frontal auf eine Kamera zulaufen – und schon wird das Intel-Logo sichtbar. Natürlich sollten Messi und Co. in so einem Fall nicht rennen oder das Trikot unnötig mit den Händen hin- und herzerren. Aber Disziplin ist ja bekanntlich eine Stärke der katalanischen Kicker.

Diese Tugend werden sie auch brauchen. Eine kurzfristig eingeleitete Google-Bildersuche zum Thema »Torjubel Barcelona « zeigt, wie Barca bisher seine Treffer zelebriert. Fazit: Es kommt noch viel Arbeit an der Taktik-Tafel auf die Mannen zu. Das einzige Bild, auf dem der Trikotlupfer zu sehen ist, verweist auf einen zwei Jahre alten Artikel des Kicker. Darin geht es um eine Geldstrafe, die der Weltfußballer für die Grußbotschaft auf seinem Unterhemd kassierte. Zu viele Tore sollten die Spanier also nicht erzielen, sonst droht der finanzielle Kollaps. Aber immerhin wird die gesamte Mannschaft von Intel für den Mehraufwand entschädigt – es gab für jeden Spieler ein 2-in-1-Tablet, natürlich »Intel inside«.

Die Partnerschaft zwischen den beiden technisch versierten Unternehmen geht aber noch weiter. Das Stadion soll neue Technologie bekommen (wahrscheinlich neueste Super-Super-Super-Zeitlupenkameras, die es schaffen, das Logo bildfüllend und ruckelfrei einzufangen). Außerdem wird die berühmte La Masia Fußball-Akademie technisch modernisiert. An diese Schule müssen wahrscheinlich auch die Profis bald zurück – um den perfekten Intel-Torjubel fehlerfrei einzustudieren. Und bei Barcas »Tore i7« (ersetzt auf der Anzeigetafel das altmodische 7:0) ertönt dann noch der passenden Werbe-Jingle aus den Stadionlautsprechern.