AMD: Zur Scheidung fehlt nur noch das Ja

Die Ausgliederung von AMDs Fertigung in Dresden an die Foundry Company hatte sich noch verzögert. Am 10. Februar stimmen die Aktionäre nun darüber ab. Einige Vertragsinhalte haben sich jedoch geändert, neue Details wurden bekannt.

Es ist angerichtet: Das Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS) des US-Finanzministeriums hatte die Auslagerung der AMD-Fertigung in die Foundry Company Anfang Januar genehmigt. Die arabische Beteiligungsfirma Advanced Technology Investment Co. (ATIC) wird daran eine finanzielle Mehrheit von etwa 65,8 Prozent halten. Der Staat New York hat die vereinbarten Subventionen freigegeben, allerdings sind es statt der ursprünglichen 1,2 Mrd. Dollar »nur« noch 960 Mio. Dollar. 500 Mio. Dollar sind davon für den Aufbau der Fab 4X bestimmt, 150 Mio. Dollar für F&E und 310 Mio. Dollar für »regionale Zuschüsse«.

Was jetzt nur noch fehlt, ist die Zustimmung der AMD-Aktionäre am 10. Februar in Austin, Texas.



Die Verzögerung - ursprünglich wollte die Foundry Company am Jahresbeginn 2009 ihren Betrieb aufnehmen - kam auch dadurch zustande, dass die Verträge mehrfach überarbeitet werden mussten. So ist eine Zahlung von 314 Mio. Dollar von der Investmentgesellschaft Mubadala aus dem Emirat Abu Dhabi nicht mehr festgeschrieben. Sie hatte sich am Aktienwert von AMD im Oktober orientiert, der seitdem um 50 Prozent gefallen ist. Der Preis für die Erhöhung des AMD-Anteils von 8,1 auf 19,3 Prozent durch Mubadala wird sich vielmehr an den jetzigen durchschnittlichen Aktienpreisen orientieren.

Zudem wurden die Bewertungen für die AMD-Fabs mittlerweile erheblich niedriger angesetzt, so dass der ursprünglich geplante AMD-Anteil von 44 Prozent an der Foundry Company auf 34 Prozent reduziert wurde. Auf der Internet-Seite der US-Börsenaufsicht konnte man zudem lesen, dass der Hauptsitz der Foundry Company – vermutlich aus steuerlichen Gründen - auf den Kaiman-Inseln liegen wird. Die noch zu gründende US-Tochter AMD Fab Technologies US, Inc. wird die Fab 4X betreiben.

Die Foundry-Company wird für AMD genau definierte Wafer-Kapazitäten für CPUs und auch GPUs sowie Chipsets bereitstellen müssen. Für GPUs muss zudem eine 32-nm-Prozsstechnik installiert werden. Schon auf dem Analystentag am 13. November 2008 hatte der designierte CEO Doug Grose angekündigt, dass die Foundry Company zuküftig auch GPUs und Chipsets für AMD fertigen werde. Bislang wurden diese ausschließlich bei den taiwanesischen Foundries TSMC und UMC hergestellt.

Für »Low-Power«-Anwendungen wird ab 2010 ein High-K/Metal-Gate-Prozess bereitgestellt, den Konkurrent Intel bereits auf der IEDM-Konferenz im Dezember 2008 vorgestellt hat und im zweiten Halbjahr 2009 in Produktion bringen wird.

Durch das im Januar 2001 zwischen Intel und AMD geschlossene wechselseitige Lizenz-Abkommen (Auszüge siehe PDF) muss die Foundry Company eine Tochterfirma von AMD bleiben, da sie ansonsten die durch Intel-Patente abgedeckte Technologie nicht nutzen darf. Eine »Tochterfirma« wird in Abschnitt 1.22. des Vertrages genau definiert: AMD muss mindestens 50 Prozent der Stimmrechte an der Tochterfirma halten, die ihrerseits nicht mehr als 70 Prozent ihres Gewinns an Dritte abführen darf. So entsteht die abstruse Situation, dass ATIC eine Zweidrittelmehrheit der Foundry Company besitzt und »offiziell« maximal 50 Prozent der Stimmrechte haben darf.