AMD: Mit oder ohne Fab?

In den Medien tauchen immer wieder Meldungen über eine Auslagerung der Fertigung von AMD auf. Angesichts der hohen Verluste klingt das sinnvoll, ist aber nicht so einfach. Eine Presseschau der Gerüchteküche.

Die letzte Meldung über AMDs Zukunft stammt von Ende Juli. Die bis dahin noch nicht weiter in Erscheinung getretene Zeitung »Austin American Statesman« zitierte den neuen AMD-Chef Dirk Meyer. Demnach stünde AMD nur noch ein paar Monate davor, die Fertigung in ein selbstständiges Unternehmen auszulagern, an dem auch andere Anteilseigner beteiligt sind.

Diese Nachricht griff auch das IT-Magazin »The Inquirer« auf. Ein paar Tage später veröffentlichte es eine Meldung mit einer Art Gegendarstellung von AMD. Demnach sei Meyer falsch verstanden worden. Tatsächlich habe er nicht über eine Auslagerung gesprochen, sondern darüber, dass sich die Fertigung verändern würde. Wie das genau aussehen soll, wurde allerdings nicht gesagt.

Am 11. August berichtete die »BusinessWeek« über AMDs Pläne und zitierte ein Schreiben des Unternehmens. Darin hieß es, dass AMD derzeit mehrere Möglichkeiten prüfe, wie eine optimale Mischung von externen und internen Operationen erreicht werden könne. Da AMD bisher kaum über eine externe Fertigung verfügt, interpretierte »BusinessWeek« die Formulierung »optimale Mischung« als Beweis für eine Ausgliederung eines Teils der Fertigung. Diese könne dann die singapurische Foundry Chartered Semiconductor übernehmen, die derzeit Produktionsspitzen von AMD abfängt.

AMD kommentiert keine Gerüchte

Offiziell gibt es von AMD wenig zu hören. Gerüchte werden nicht kommentiert, heißt es. Einziger offizieller Anhaltspunkt ist die »asset smart«-Theorie, die der damalige CEO Hector Ruiz bei der Veröffentlichung der Zahlen für das erste Quartal 2008 ankündigte. Damit sollen Kosten gespart werden. Was sich allerdings dahinter verbirgt, weiß bisher offensichtlich niemand.

Gerüchte über den Verkauf der Fabs gibt es schon lange. Immerhin wäre das ein logischer Schritt für AMD, die enormen Verluste der letzten anderthalb Jahre zu senken. »BusinessWeek« verweist dabei auf Nvidia, Broadcom oder Qualcomm, denen der Schritt zu »fabless«-Unternehmen gut bekommen sei. Allerdings würde AMD dann auch die Kontrolle über die Chip-Herstellung verlieren, was immer ein großer Vorteil war.

So ist etwa die Weiterentwicklung der Chips in der Dresdner Fab eng an die Produktion gekoppelt. Durch das ständige Forschen und Verbessern während der Produktion können die dortigen Ingenieure die Leistung der Transistoren um ca. 18 Prozent pro Jahr steigern, ohne die Strukturgröße zu ändern. Mit einer Foundry wäre eine solche Entwicklungsarbeit in der Produktion nicht mehr möglich.

So gesehen wäre eine Teilung von AMD in die Bereiche Design und Fertigung wohl am sinnvollsten. Zu diesem Schluss kommt auch »BusinessWeek«. Eine weitere Möglichkeit wäre es, die Fabs zu verkaufen und sie bei Bedarf auszuleihen.

Wer soll die Fab kaufen?

Sollten die Fabs verkauft werden, müsste sich allerdings auch ein Interessent dafür finden. Im November letzten Jahres soll es Gespräche über den Verkauf der älteren Fab 30 in Dresden an die taiwanesische Foundry TSMC gegeben haben. TSMC fertigt bereits AMDs Grafikchips. Quelle des Gerüchts war ein Bericht der amerikanischen Investmentbank Jefferies & Co. Demnach hätten deutsche Offizielle dieses Gerücht bestätigt. Die Behörden müssten wohl aufgrund der Förderungen, die AMD für den Bau der Fabs bekommen hat, dem Verkauf zustimmen.

Unklar ist auch die Zukunft der neuen Fab4x, die im amerikanischen Bundesstaat New York entstehen soll. Nach Berichten von »The Business Review« soll sich noch im März der damalige CEO Hector Ruiz positiv zum Neubau geäußert haben. AMD muss sich bis Mitte 2009 entscheiden, ob die Fab gebaut wird oder nicht.