Altera:»Wir dürfen nicht in die ASIC-Falle geraten«

»Wir wollen zu einem der führenden Anbieter von ASICs und PLDs aufsteigen«, sagt John Daane, CEO von Altera. Anders als Xilinx setzt Altera für weiteres Wachstum nicht auf eine Vielzahl applikationsspezifischer Plattformen.

Markt&Technik: Je kleiner die Strukturgrößen werden, um so teurer die Entwicklung neuer ICs. Ist eine Grenze abzusehen, ab der es wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll ist, PLDs in der jeweils neusten möglichen Prozesstechnik zu fertigen?

John Daane: Herkömmliche ASICs in den neusten Prozesstechniken zu entwickeln, ist bereits an Grenzen gestoßen. In den meisten Fällen reichen die potenziellen Stückzahlen nicht aus, um die teuren Entwicklungen zu rechtfertigen. Deshalb sind die ASICDesign- Starts so stark zurückgegangen, insbesondere in den neusten Prozesstechnologien. Es gibt wenig neue Designs mit Strukturgrößen von unter 130 nm.

Und wenn die Entwicklungskosten immer höher werden, müssen die Anbieter von ASICs und ASSPs größere Marktanteile erzielen, um den Aufwand zu rechtfertigen. Wenn eine 90-nm- Entwicklung 30 Millionen Dollar kostet und die R&D-Ausgaben 20 Prozent vom Umsatz ausmachen und der Marktanteil für das Produkt bei 10 Prozent liegt, dann bedeutet das einen Zielmarkt in der Größenordnung von 1,5 Milliarden Dollar für ein ASIC/ASSP-Design.

So viele große Märkte gibt es nicht. In einigen Bereichen sieht man die Auswirkungen: Die Zahl der Hersteller nimmt ab. Die Konsolidierung findet um die Produktkategorien statt, und ich glaube, dass es pro Hauptproduktkategorie nur zwei oder drei wichtige Firmen geben wird. Die programmierbare Logik dagegen deckt ihrer Definition nach viele mögliche Anwendungen ab. Weil hinter unseren Entwicklungen also sehr hohe Stückzahlen stehen, können wir es uns leisten, mit Hilfe der jeweils neusten Prozesstechniken zu fertigen.

Dass FPGAs jetzt mit Hilfe der fortschrittlichsten Prozesse gefertigt werden, führt zu einer Umkehr der früheren Situation: Die FPGA-Dies sind gegenüber ASICDies trotz der Programmierbarkeit kleiner und damit billiger. Und die Leistungsfähigkeit der FPGA-basierten Systeme übersteigt in vielen Fällen die von ASICs-basierten Systemen, weil für die neuesten Speicher-Interfaces eben die kleinsten Strukturen die Voraussetzung sind. Wer bei 0,13 μm bleibt, kann davon nicht profitieren.

In der FPGA-Welt ist aber auch eine Spezialisierung zu erkennen. Xilinx beispielsweise bietet die Virtex-5-Plattform in verschiedenen Ausführungen an, die jeweils auf ein bestimmtes Marktsegment fokussiert sind...

Es ist eine heikle Gratwanderung, wie viele FPGA-Untertypen man entwickeln will. Wenn wir zu viele verschiedene Typen anbieten, dann machen wir pro Typ zu wenig Umsatz, um die Entwicklung zu rechtfertigen. Man gerät in die Gefahr, in die ASIC-Falle zu tappen. Altera ist heute die PLD-Firma mit dem höchsten Umsatz pro Chip. Das soll so bleiben, und deshalb unterscheiden wir uns in diesem Punkt von Xilinx. Unsere R&D-Ausgaben sind um 40 Prozent niedriger als die von Xilinx. Trotzdem haben wir über die letzten drei Prozessgenerationen einen Marktanteil von rund 50 Prozent erreicht, auf der 40-nm-Ebene werden wir auf einen Anteil von deutlich über 50 Prozent kommen.

Hard-IP hat gegenüber der Umsetzung über Soft-IP den Vorteil der höheren Leistungsfähigkeit und der niedrigeren Leistungsaufnahme. Deshalb wünschen sich viele Kunden Hard-IP...

Die Kunden wünschen sich natürlich sehr viele Hard-IPs, aber das wäre aus den oben genannten Gründen für uns ökonomisch nicht sinnvoll. Ich kann nicht bestätigen, dass die Performance darunter leiden würde, Soft-IPs einzusetzen.

Sie sagten, dass die ASICs auf dem absteigenden Ast sind. Altera bietet aber mit HardCopy auch ASIC-nahe ICs an. Wie passt das zusammen?

Das Geschäft mit den HardCopy-ICs entwickelt sich gut, die Wachstumsrate liegt bei rund 12 Prozent pro Jahr. Praktisch alle Unternehmen entwickeln die Prototypen neuer ICs auf Basis von FPGAs. Dann können sie direkt auf unsere HardCopy-ICs übergehen, was ihnen Zeit spart, die sie besser in die Entwicklung neuer Produkte als in die etwas mühsamere Umwandlung der FPGAs in ASICs stecken.

Derzeit tragen die HardCopy-ICs 4 bis 5 Prozent zum Umsatz bei, in drei Jahren werden es rund 10 Prozent sein. Unser Ziel besteht darin, zu den führenden Anbietern von kundenspezifischen Logikprodukten, also ASICs und PLDs, aufzusteigen. Auf diesem Weg sind wir ein gutes Stück vorangekommen: 2002 lagen wir laut Gartner unter den Anbietern kundenspezifischer Logik auf dem 10. Platz, bis 2007 haben wir Firmen wie Fujitsu, NEC, Agere und LSI hinter uns gelassen und sind auf Rang 6 vorgerückt. Vor uns liegen jetzt TI, IBM, Toshiba, ST und Xilinx.