Gute Vernetzung statt niedrige Lohnkosten

Vor reichlich zwei Jahren hat die luxemburgische IEE S.A. ein kleines Entwicklerteam von ZMD in Dresden übernommen. Die gute Vernetzung im Silicon Saxony kam dem Team dabei zugute.

»Wir hätten noch Kapazitäten frei«, meint Wolfgang Mierau von der Dresdner IEE Vision Sensing GmbH, nunmehr Tochter der IEE S.A. Er sagt das im Konjunktiv, weil sich sein Produkt gerade an der kritischen Stelle befindet, wo es den Übergang vom Labor auf den Markt schaffen soll. Wenn die Sache ein Erfolg wird, dann hätte Wolfgang Mierau noch ein paar freie Räume für neue Mitarbeiter.

Das Produkt, um das es geht, ist ein 3D-Bildsensor, der zum Beispiel die genaue Position einer Person auf dem Beifahrersitz eines Autos erkennen kann. Mit Hilfe solcher Daten könnten Airbags noch präziser funktionieren. Bisher werden dafür in die Sitze eingearbeitete Sensormatten verwendet. Durch Gewicht und Bewegung können diese Sensoren zwar erkennen, ob es sich um einen Erwachsenen oder ein Kind handelt, aber sie können nicht erkennen, wo sich zum Beispiel deren Kopf gerade befindet.

So gut das klingt – einen Selbstlauf in den Automobilmarkt hat das Produkt nicht, auch, weil es z.B. noch nicht per Gesetz verlangt wird. Allerdings gibt es für diese innovativen 3D-Sensoren in preiswerter CMOS-Technologie viele weitere Einsatzmöglichkeiten, wie etwa zur Gefahrenabwendung oder als Komfortfunktion in der Überwachung von Türbereichen oder wenn es darum geht, die Schwenkbereiche von Industrierobotern sicherer zu machen. Weiterhin entwickelt IEE, basierend auf dem 3D-Sensor, Applikationen für öffentliche und kommerzielle Gebäude, wo Personenströme gelenkt, vereinzelt und erfasst werden müssen.



Wolfgang Mierau ist optimistisch. Er und seine 8 Mitarbeiter haben ein paar Jahre Entwicklungsarbeit in den Sensor gesteckt. Zwischenzeitlich wechselten sie den Arbeitgeber, denn im Januar 2006 übernahm die luxemburgische IEE S.A. das Team vom Dresdner Halbleiterhersteller ZMD. Für beide Seiten war das sinnvoll, da Bildsensoren nicht zum Kerngeschäft von ZMD gehörten und IEE S.A. nach Erfolg versprechenden neuen Produkten zur Ergänzung seiner Automotive-Sensor-Palette suchte. Da kam die kleine Entwickler-Gruppe, mit der IEE S.A. schon als langjährig in Entwicklungsprojekten eng zusammen arbeitete, gerade recht.

Für den Sensor verwenden die Dresdner Entwickler ein sogenanntes »Modulated Light Intensity-Verfahren«. Bei diesem Verfahren, für das IEE S.A. vom Schweizerischen CSEM (Swiss Center for Electronics and Microtechnology) eine Lizenz erworben hat, wird Infrarotlicht verwendet. Die Reflektionen des ausgesendeten Lichtes werden empfangen, somit die Laufzeit des Lichtes ausgewertet und man erhält in einem Bild die Distanzwerte der Gegenstände vor dem Sensor – man kann also räumlich »sehen«! Diese Bilder werden zu einem Controller weitergeleitet, der aus diesen 3D-Bildern dann entsprechend der jeweiligen Anwendung Entscheidungen ableitet – zum Beispiel das Öffnen oder Schließen von Türen, das Stoppen von Roboterbewegungen usw. Weiterhin entwickelt IEE Applikation basierend auf dem Sensor für öffentliche und kommerzielle Gebäude wo Personenströme gelenkt, vereinzelt und erfasst werden müssen.

Wenn der Sensor in die Serienfertigung gehen wird, dann könnte die gute Infrastruktur des Silicon Saxony zum Tragen kommen. So würde die Fertigung bei X-Fab in Dresden erfolgen, die Tester stehen noch beim alten Arbeitgeber ZMD und ihr Gehäuse könnten die Chips dann schließlich bei MPD bekommen - ebenfalls in Dresden.

Wolfgang Mierau ist sich bewusst, was diese Fertigungskette auf kleinstem Raum für sein Team bedeutet: »Ein Schaltkreisdesign kann man heute überall machen, aber wir sind hier gut vernetzt.« Nicht zuletzt ist er selbst in das Netzwerk eingebunden. Er lehrte von 1987 bis 1992 an der TU Dresden. Die dabei entstandenen Kontakte halfen ihm später, als er bei ZMD das Team für die Entwicklung der Bildsensoren zusammenstellte – im wesentlichen Absolventen der Hochschulen  der Region.