Gut gebucht

Technische Weiterbildung ist gefragt Spezialisierte Weiterbildungsanbieter in der Elektronik haben gut lachen: An ihnen geht der allgemeine Trend zum Preisdumping, an dem Anbieter von IT-Schulungen am meisten leiden müssen, fast spurlos vorüber. Gefragt ist Qualität.

Seit fünf Jahren stagniert der heterogene deutsche Weiterbildungsmarkt, mit zuletzt aufwärts steigender Tendenz. Unternehmen geben wieder mehr Geld für Weiterbildung aus. Das ist die gute Nachricht für Trainingsanbieter. Die schlechte: Die Kurse werden immer kurzfristiger und streng am konkreten Qualifizierungsbedarf gebucht, bevorzugt werden dabei kürzere Inhouse-Seminare. Top-Kriterium: Qualität mit Erfolgsgarantie. Die Budgets werden restriktiver vergeben. Für »Kann man ja mal versuchen, schaden kann es nichts« gibt es kaum mehr Budget.

Jürgen Graf von ManagerSeminare, Autor von »Weiterbildungsszene Deutschland«, einem der wenigen Langzeitpanels zu diesem Bereich: »Die Situation für die Anbieter hat sich entspannt!« Allerdings werden die gestiegenen Umsätze stellenweise durch Dumping-Preise erkauft. Was die Kunden freut, tut den Weiterbildungsanbietern richtig weh: Insbesondere Standardseminare unterliegen einem starken Preisverfall. Jeder dritte Weiterbildungsanbieter musste im Vergleich zum Vorjahr seine Honorarsätze senken. Viele Trainer beklagen einen ruinösen Wettbewerb, bis zu 80 Prozent aller Akquise-Gespräche sollen inzwischen über den Preis laufen. Jeder dritte Anbieter  musste laut Studie seine Preise senken, gerade mal 13 Prozent gaben an, Preiserhöhungen durchgesetzt zu haben.

Dr. Rainer Beudert, INAT: »Vertiefungskurse zum Thema Industrial Ethernet laufen derzeit besonders gut.«

Klassische Seminare in auswärtigen Hotels für zwei Tage – früher eine Standard-Buchung – verlieren an Bedeutung. Stattdessen werden spezifische Inhouse-Schulungen von möglichst kurzer Dauer bevorzugt. Drei von vier Maßnahmen finden jetzt beim Kunden statt, besagt die Studie von ManagerSeminare. Klassische Weiterbildungsthemen früherer Jahre wie Zeitmanagement, Präsentation oder IT-Schulungen verlieren stark. Hier sehen die Unternehmen zunehmend den einzelnen Mitarbeiter in der Pflicht, sich die notwendigen Grundlagenkompetenzen selbst anzueignen. Verhältnismäßig gut laufen Verkaufstrainings, wahrscheinlich deswegen, weil sich der Erfolg oder Misserfolg relativ einfach an gestiegenen oder gesunkenen Umsätzen abmessen lässt. Siegfried Kreuzer, Geschäftsführer von KP2, will sich aber von herkömmlichen Anbietern unterschieden wissen: »Die richtige Kommunikation in die Teilnehmergruppe, die gewissenhafte Vorbereitung und vor allem Nachbereitung der Workshops ist für uns essenziell. Ad-hoc-Trainings finden bei uns nicht statt. Jemand, der ein reines Verkaufstraining sucht, wird bei uns ebenfalls nicht fündig und wird sicherlich dafür ein anderes Budget einplanen als für einen Veränderungsprozess, so wie wir ihn bieten. Die Seminare oder Workshops sehen wir lediglich als Kick-off.« Dort vermittele KP2 die Basis für den anschließenden gezielten Veränderungsprozess. »Wir arbeiten an den Organisationen, nicht an einzelnen Personen.«

Ebenfalls gut dran sind Anbieter, die sich auf spezifische Fachthemen konzentrieren. »Es ist zwar schon mal vorgekommen, dass wir aus reinen Preisgründen einen einzelnen Auftrag verloren haben; diese Kunden kehren oftmals zu uns zurück, weil sie wegen mangelhafter Qualität enttäuscht wurden«, sagt zum Beispiel Jens Stapelfeldt, Business Manager Central Europe beim Spezialisten für SoC und FPGAProgrammierung Doulos. Doulos’ Renner sind derzeit Trainings zu VHDL und Verification.

Auch Dirk Müller, Geschäftsführer bei FlowCAD, fürchtet die Preistreiberei nicht: »In unserem Produktbereich gibt es nur geringen Wettbewerb von einigen Dienstleistern, die selbst so genannte ’Hands-on-Workshops‘ anbieten. Die sehen wir nicht als Konkurrenz, da deren Kurse bei weitem nicht das gleiche Wissen vermitteln wie unsere Kurse.«

Peter Neu, Leiter Seminare beim VDE, einer der größten und breitesten Anbieter fachlicher Weiterbildung (Energietechnik, Informationstechnik, Medizintechnik, Mikroelektronik/-technik, Automation, Organisation und Management und Normen und Sicherheit), gibt zu, dass ihn der Preisdruck stellenweise trifft: »Sicherlich haben auch wir mit diesem Phänomen zu tun.« Man setze aber auf Qualität, »die eben nur zu einem bestimmten Preis erzielt werden kann«. Man biete qualitativ hochwertige, zukunfts- orientierte Weiterbildungskonzepte an, mehr als 500 Veranstaltungen pro Jahr. »Unsere Fachkunde- Seminare im Bereich Normen und Sicherheit, RFID, RoHS und Functional Safety gehören derzeit zu den gefragtesten, neben solchen für Organisation und Management. « Spitzenreiter sei das Projektmanagement-Seminar mit Praxisansatz durch integriertes Planspiel.

Dirk Müller, FlowCAD: »In unserem Produktbereich gibt es nur geringen Wettbewerb.«

Der Anbieter INAT hat sich auf Spezialschulungen rund um das Thema Industrial Ethernet sowie SPS-Kommunikation spezialisiert. Vertiefungskurse zum Thema Industrial Ethernet laufen derzeit besonders gut. Netzwerk-Consultant Dr. Reiner Beudert hat keine Probleme, seine Preise zu halten. Er ist bei INAT verantwortlich für Schulung und Dienstleistung. »Preisdumping findet derzeit nicht statt, und wir kamen damit auch nur selten in Berührung.«

Allerdings ist auch hier im Fachbereich der Trend zu immer kurzfristiger ausgerichteter Weiterbildung zu spüren. Doulos sieht es daher als Trumpf, festangestellte Trainer zu haben: »Das erweist sich gerade hier als Vorteil.« Doulos sei in der »Evaluierungsphase« sehr engagiert, bzw. fester Bestandteil von diversen EDA-Events wie DATE und DAC. Zudem pflege man eine enge Zusammenarbeitmit Tool-Anbietern und Gremien.

FlowCAD hat ebenfalls nur feste Trainer und arbeitet nicht mit freien, »da wir unsere Mitarbeiter selbst intensiv schulen und eine hohe Qualität im Training voraussetzen«. Die Mitarbeiter würden präventiv geschult und im Vorfeld weitergebildet, bevor sie an die Hotline oder ins Training kämen, auch wenn kurzfristig gebucht wird, ist FlowCAD also fit. Bei INAT ist die Arbeit mit externen Partnern geplant, »weil ab einem bestimmten Umfang das Knowhow nicht mehr nur von den eigenen Kräften erbracht werden kann«, sagt Dr. Beudert.

E-Learning oder Blended Learnings scheint überall im Kommen. »In den Bereichen Energietechnik und Informationstechnik bieten wir beides an. Auch in den Bereichen des Internetstudiums haben wir in Kooperation mit der TU Chemnitz oder der TU Ilmenau gute Erfahrungen gemacht«, sagt Peter Neu vom VDE. Auch Dirk Müller von FlowCAD sieht den Trend positiv: »Es gibt viele Kurse, die auch über das Internet im Selbststudium möglich sind. Dabei werden Übungen von einem Trainer online überwacht und Fragen beantwortet.« Allerdings dauere ein Selbststudium wesentlich länger. »Ohne Zeitdruck macht so etwas Sinn, wenn der Mitarbeiter die nötige Disziplin aufbringt, den Kurs zu vollenden.«

Doulos bietet Selbstlern-CDROMs, die man teilweise auch von der Webpage (www.doulos.com/knowhow) herunterladen kann. Allerdings sei im EDA-Bereich schon aufgrund der kurzen Halbwertszeiten E-Learning nur begrenzt realisierbar. »Meiner Ansicht nach werden wir auch in Zukunft nicht ohne eine geschickte Kombination aus gut aufgearbeitetem Know-how in einem Training mit einem erfahrenen Trainer und dem Flow-up-Support wie wir ihn bieten herumkommen«, glaubt Jens Stapelfeldt. Auch INAT denkt über E-Learning-Alternativen nach. »Das würde gerade in der Schulungsvor- und –nachbereitung Sinn machen. Damit könnte der Kunde die Präsenzzeit minimieren. E-Learning ist für einführende Themen sinnvoll, weil es die Schulung zum einen effektiver und zum anderen häufig preisgünstiger macht«, so Dr. Beudert. Bei spezifischen Fachthemen dürfte E-Learning seiner Meinung nach aber schnell an seine Grenzen geraten.