Gleichbehandlungsgesetz: Die Industrie wartet ab

Erstaunlich gleichmütig nimmt die Industrie das Mitte August in Kraft getretene Allgemeine Gleichstellungsgesetz zur Kenntnis. Nur wenige Unternehmen haben ihre Mitarbeiter bereits schulen lassen, in Stellenanzeigen lassen sich immer noch gesetzeswidrige Formulierungen finden. Erste Klagen wegen Diskriminierung laufen ein.

Pape Consulting hat 200 Unternehmen aus Automotive, Elektronik, IT und High-Tech zum Stand ihrer Umsetzung der Vorschriften zum Allgemeinen Gleichstellungsgesetz befragt. »Das Gesetz wird nicht richtig ernst genommen«, fasst Vorstand Christian Pape die Ergebnisse seiner Umfrage zusammen. Von »gelebtem AGG-Alltag« könne noch längst keine Rede sein. »Bei den Personalern ist das Thema präsent, nicht aber im Management und schon gar nicht bei den Vorgesetzten und Mitarbeitern. Schulungen hat es bisher nur selten gegeben«, berichtet der Personalberater. »Es fällt auf, dass die meisten Unternehmen zwar informiert sind, aber zwei Drittel noch nicht die notwendigen Aktionen implementiert haben.« Dabei sei das Gesetz schon seit 18. August in Kraft. Am wenigsten Bewusstsein herrsche im Mittelstand, hier werde das AGG schon fast ignoriert. Pape: »Man nimmt nicht wahr, dass das Gesetz schon in Kraft ist und Strafen und Missbrauch drohen.« Inzwischen gibt es auch schon den ersten Klage-Fall. Die deutsche Niederlassung eines Halbleiterherstellers hatte einen nicht-deutschen Bewerber abgelehnt, dieser prozessiert nun wegen Diskriminierung. Sogar das oberste Management ist inzwischen mit dem Fall befasst. Anwälte spezialisieren sich zunehmend auf das AGG. Man darf gespannt sein, wann weitere Fälle publik werden und ob sie – sollten tatsächlich Entschädigungszahlungen fällig werden – zahlreiche Nachahmer finden. Abgelehnte Bewerber müssen sich auf Standard-Absagen einstellen: »Im Zweifel dürfen wir ihm oder ihr nicht sagen, warum unser Klient jemand anderen bevorzugte. Absagen werden nun standardisiert, so bringen sie den Bewerber aber nicht unbedingt weiter. Und man findet immer einen fachlichen Grund, um jemanden auszuschließen!«, sagt Sascha Brinker von Pardus Consulting.

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