Fertigung in der Distribution - Abseits vom Mainstream

Die Distribution hat ihr Dienstleistungsportfolio in viele Stoßrichtungen erweitert. Zu den Klassikern zählen Value-Add-Services in den Bereichen Logistik und technischer Support. Aber auch im Sektor Fertigung und Produktveredelung haben einige Firmen Dienstleistungsangebote geschaffen, die Kunden gerne in Anspruch nehmen.

Die Distribution hat ihr Dienstleistungsportfolio in viele Stoßrichtungen erweitert. Zu den Klassikern zählen Value-Add-Services in den Bereichen Logistik und technischer Support. Aber auch im Sektor Fertigung und Produktveredelung haben einige Firmen Dienstleistungsangebote geschaffen, die Kunden gerne in Anspruch nehmen.

»Die rasant gestiegene Komplexität der Bausteine und Systeme hat inzwischen selbst bei vielen großen Unternehmen zu einem Paradigmenwechsel geführt«, ist Manfred Schwarztrauber überzeugt, MSC Firmengründer und Geschäftsführender Gesellschafter. »Immer mehr Firmen wollen sich nicht mit peripheren Problemen herumschlagen, sondern sich wieder auf ihre Kernkompetenzen, auf ihre Endgeräte und Applikationen konzentrieren. Letztlich stehen dahinter wirtschaftliche Abwägungen: Einen Partner zu haben, der einem im Bedarfsfall von der Entwicklung über die Bauteilebeschaffung bis hin zur Just-in-Time-Lieferung ans Fertigungsband alles abnimmt, ist für Kunden unter dem Strich meist weitaus günstiger als jede andere Lösung.

Vor diesem Hintergrund ist auch die Entwicklung eigener, hoch integrierter Embedded-Board-Level-Produkte der MSC zu sehen. Ziel dieser Entwicklungen ist es, den Anwendern in Zeiten immer komplexerer Systemumgebungen durch entsprechende Modul-Plattformen den einfachen und schnellen Zugang zu neuen innovativen Technologien zu erleichtern. Einmalig dürften auch MSCs Aktivitäten im Bereich der Speichermodule sein, kurz MSC MG genannt. Dieser Bereich ist seit rund zwei Jahrzehenten zertifizierter Partner namhafter Speicher-IC-Hersteller. Kunden der MSC MG, die die Speichermodule fertigt und entwickelt, sind vorrangig OEMs und Speicherhersteller, aber auch der Retailmarkt zählt zu den Abnehmern.

Egal ob Fertigung, Veredelung, Konfektionierung – der Bedarf auf Kundenseite ist vorhanden. Die Vielfalt der Bedürfnisse lässt den Distributoren viel Spielraum, die in diesem Fall ein Stück weit mehr zum Elektronikdienstleister werden. Unabhängig davon, ob es sich um die Fertigung kleiner Serien im Auftrag der Kunden dreht, ob der Sprung auf die Modulebene durch die Entwicklung und Fertigung kompletter Subsysteme erfolgt – entscheidend ist der Kundenwunsch. Immer häufiger werden Teile der Entwicklung, der Verarbeitung oder Fertigung aus dem Haus gegeben und das nicht nur aus Time-to-Market-  sondern auch aus Kostengründen. In welcher Form der Distributor dem Kunden auf dem Weg zu seinem Endprodukt letztlich behilflich ist, kann viele Facetten haben.

»Auch wenn unsere ersten Schritte im Bereich der Lohnveredelung anfangs belächelt wurden, der Erfolg gibt uns Recht«, schildert Werner Pfeifer, Geschäftsleitung Beck. 1996 wurden diese Aktivitäten in Form der Beck Kabel & Gehäuse Technik (BKG) in eine eigenständige Firma ausgelagert. Mittlerweile konzentriert man sich mit der Kabelkonfektionierung, der Batteriekonfektionierung und der Gehäuse-Veredelung auf drei Standbeine. »Dieses Angebot stößt bei Kunden auf sehr große Resonanz«, schildert Pfeifer. Mittlerweile werden beispielsweise 70 bis 80 Prozent aller Gehäuse, die Beck Electronic verkauft, von der BKG veredelt. »Unsere Kunden müssten diese weiteren Bearbeitungsschritte entweder selbst vornehmen oder außer Haus geben und sind erfreut, dass wir ihnen diesen Service unter einem Dach bieten können«, so Pfeifer weiter.

Auch in puncto Synergien und Kundentreue habe man in den letzten Jahren sehr viele positive Erfahrungen aus der Kombination von Handel und Dienstleistung sammeln können. »Entscheidend für den Erfolg war aber sicherlich, dass wir diese Aktivitäten in einer Organisation zusammengefasst haben, die über eine eigenes Produktmarketing und Vertriebsstrukturen verfügt«, so Pfeifer.

Auch der Distributionsbereich (Beck Electronic) bietet Möglichkeit mehr Wertschöpfung zu generieren. Mit den »Beck Compact Modulen« bietet der Distributor anschlussfertige TFT-Displayeinheiten an, die kundenseitig ohne viel Aufwand in deren System integriert werden können. »Diese Systemlösung wurde für Kunden entwickelt, die statt einer Eigenentwicklung eine kostengünstige Standardlösung einsetzen wollen«, schildert Pfeifer.

Einen gänzlich anderen Akzent setzt die SE Spezial Electronic. Der Bückeburger Distributor übernahm vor vier Jahren mit der rtg electronics einen Dienstleister mit Schwerpunkt Leiterplattenbestückung und Baugruppenfertigung. »Viele Kunden schätzen die Vorteile, die ihnen ein EMS-Dienstleister in Kombination mit der Muttergesellschaft SE bieten kann«, schildert Klaus Barenthin. »Durch diese Anbindung hat rtg die Möglichkeit, Bauelemente und Komponenten besonders schnell und günstig zu beschaffen«. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich der Umsatz der SE seit der Übernahme nahezu verdoppelt hat.

Rund 54 Mitarbeiter beschäftigt die rtg electronics mittlerweile. Ausgerüstet mit zwei SMT-Fertigungsstraßen und jeweils einer Wellenlötanlage für RoHS-konforme und nicht RoHS-konforme Produkte konnte die rtg seit ihrem Umzug in neue Räumlichkeiten eine deutliche Steigerung bei Stückzahl und Umsatz erreichen. Einen weiteren Schub brachte ein 2006 mit Hilfe der Muttergesellschaft umgesetztes Investitionsprogramm, das vor allem auf Fertigung und Logistik zielte. So verfügt die THT-Fertigung heute über eine Roboter-Lötanlage für komplizierte Lötungen und eine Siplace-Anlage sorgt dafür, dass Bauteile ab Größe 02/01 mit höchster Präzision und Geschwindigkeit gesetzt werden. Darüber hinaus unterstützt die rtg ihre Kunden mit Entwicklungsleistungen nach Lastenheft, Prototypenbau, Montagen, sowie HV-Funktions- und ICT-Tests.