Exotische Speicher, winzige Chip-Strukturen

Das 52. International Electron Devices Meeting – vom 11. bis 13. Dezember 2006 in San Francisco – wurde auch diesmal wieder seinem Ruf gerecht, die bedeutendste Elektronikkonferenz der Welt zu sein. Rund 2000 Teilnehmer und mehr als 230 Referate sorgten für entsprechende Aufmerksamkeit.

Das 52. International Electron Devices Meeting – vom 11. bis 13. Dezember 2006 in San Francisco – wurde auch diesmal wieder seinem Ruf gerecht, die bedeutendste Elektronikkonferenz der Welt zu sein. Rund 2000 Teilnehmer und mehr als 230 Referate sorgten für entsprechende Aufmerksamkeit.

Das International Electron Devices Meeting ist die bedeutendste wissenschaftliche Konferenz der Mikroelektronik auf so genanntem „Device Level“, also im Prinzip auf der Transistorebene, den Grundbausteinen moderner Halbleiter- Chips. Der Grundablauf der Tagung ist stets der gleiche: Auf drei Plenumsreferate für alle Zuhörer zu Beginn der Konferenz folgen dann die Einzelreferate, aufgeteilt in 38 „Sessions“ mit sehr fokussierter Ausrichtung. Zur Halbzeit der Konferenz gibt es zwei abendliche Podiumsdiskussionen um besonders heiße und vielfach auch umstrittene Themen: Hier werden allerdings Dokumentation und auch alle elektronischen Aufzeichnungen eingestellt, um eine möglichst offene Diskussionsatmosphäre zu schaffen.

Den diesjährigen Forums-Themen fehlt ein charismatischer Fokus, der in den vergangenen Jahren immer zu finden war. Überhaupt fällt auf, dass die Konferenz nach subjektiver Einschätzung einen mehr konsolidierenden Grundtenor hat: Mainstream-Themen wie die kommende 45-nm-Technologie beherrschen die Szene, die klassischen DRAM-Speicher laufen weiter entlang der Roadmap, bekannte neue Speicherverfahren finden weitere Ergänzungen. Es wirkt wie ein Durchatmen nach zwei eher spektakulären Veranstaltungen mit vielen neuen Basisideen in 2005 und 2004.

Die Forumsreferate: Mehr Übersichten als Technologiespitzen

Im ersten Forumsvortrag berichtet Kensall Wise von der University of Michigan über mobile integrierte Mikrosysteme, die vor einem Durchbruch im Gesundheitswesen stehen. Er zählt auf, was sich da tut: Mikrosysteme zur Wiederherstellung des Hörvermögens (Cochlea-Implantate) wurden bereits mehr als 100 000 Mal eingesetzt, an anderen Systemen wie für die Wiedergewinnung eines partiellen Sehvermögens bei Makula-Degeneration oder für die Behandlung von Epilepsie und Parkinson wird noch gearbeitet.

Der zweite Forumsvortrag von Maarten Vertregt (Philips/NXP, die ausgegliederte ehemalige Philips Semiconductor) beleuchtet Probleme, die in der Nanoelektronik entstehen, wenn CMOS-Bauelemente mit analogen Schnittstellen zusammenarbeiten müssen. Da gleichzeitig hohe Datenraten bewältigt werden sollen, muss für jeden Einzelfall geprüft werden, wie man zu einer optimalen Verteilung der Funktionen zwischen der digitalen und der analogen Welt der Nanobausteine kommt.

C.G. Hwang von Samsung Electronics widmet sich dem Paradigmenwandel im Halbleiterbereich zwischen Industrie, Geschäft und Technologie. Im Nanomaßstab gibt es da ein paar gute und auch ein paar schlechte Nachrichten. Die schlechten Nachrichten zuerst: Beim weiteren „Shrinken“ der Chips stößt man an vielfältige Grenzen vor allem physikalischer Natur. Aber auch die wachsende Komplexität der Chips und die stark ansteigenden Fertigungskosten geben Anlass zur Sorge. Die gute Nachricht: Die Nanotechnologie selbst wird wohl manches der Probleme zu einer Lösung führen, die wir uns heute noch nicht vorstellen können. Die Zukunft der Halbleiterindustrie sieht Wang in der Fusion der Informationstechnologie, der Biotechnologie und der Nanotechnologie zu einer „Fusionstechnologie“.