Europäische Kommission modifiziert die Code-of-Conduct-Spezifikation für Set-Top-Boxen

Mr. Green wirft einen Blick auf die von der Europäischen Kommission kürzlich modifizierte Spezifikation für Set-Top-Boxen. Geändert haben sich die von der Regelung betroffenen Produkttypen sowie die Definition für die Leistungsaufnahme.

31. Juli 2009 – Vor einigen Tagen erhielten die Mitglieder der Interessensgruppen von der Europäischen Kommission (EC) die neueste Version des Code of Conduct (CoC) zur Energieeffizienz von Digitalfernsehdienste-Systemen zugesandt. Diese Energieeffizienz-Spezifikation, die ursprünglich im März 2001 verabschiedet wurde und heute in der Version 8 vorliegt, war die erste Spezifikation für die Energieeffizienz von Set-Top-Boxen (STB). Version 8 ist besonders interessant, weil sie sich in mehrfacher Hinsicht erheblich von den früheren Versionen unterscheidet.

Erstens betrifft sie ausschließlich »komplexe« STBs: Boxen für Empfang, Decodierung, Aufzeichnung und interaktive Verarbeitung digitaler TV-Signale, die über »Conditional Access«- (CA) Kanäle verfügbar sind. (Unter »Conditional Access« sind Verschlüsselungs-, Entschlüsselungs- und Autorisierungsverfahren zu verstehen, die verhindern, dass Inhalte von Unbefugten angeschaut werden.) Für einfache Digitalfernseh-Empfängerboxen (Geräte, die frei empfangbare digitale Fernsehsignale in analoge Fernsehsignale umsetzen) gilt diese CoC-Spezifikation nicht mehr.

Zweitens richtet sich diese CoC-Spezifikation an alle Beteiligten, die Einfluss auf den STB-Wirkungsgrad haben (d.h. Produkthersteller, Softwareentwickler und Service-Provider). Sie minimiert die Interaktion des Netzwerks mit der STB über 24 Stunden; dadurch hat die STB die Möglichkeit, in den Standby-Modus mit der niedrigsten Leistungsaufnahme überzugehen. Schon die Version 7 schrieb vor, dass STBs sich bei Benutzer-Inaktivität automatisch abschalten müssen (Auto Power Down, APD). Jetzt müssen sie außerdem spätestens 15 Minuten nach der Überprüfung auf Verfügbarkeit von Programm- und System-Updates in den Standby-Modus übergehen.

Die wichtigste Änderung ist jedoch, dass jetzt nicht mehr die maximal zulässigen Leistungsaufnahmewerte für die verschiedenen Betriebszustände (passiver Standby-Modus, aktiver Standby-Modus usw.) spezifiziert werden, sondern stattdessen der Gesamtenergieverbrauch (Total Energy Consumption, TEC) der Box während eines Jahres unter typischen Einsatzbedingungen. Dies ist eine gute Nachricht, weil diese Spezifikation mit dem entsprechenden Konzept von ENERGY STAR und dem erwarteten Konzept der EuP Ecodesign Directive der EC für komplexe STBs harmoniert.
Bei dem TEC-Messverfahren werden die Leistungsverbräuche der STB im eingeschalteten Zustand, im Standby-Zustand und im APD-Zustand jeweils mit der Anzahl der Stunden multipliziert, die eine STB typischerweise in diesen Zuständen verbringt:

Jährliche TEC (kWh/a) = 0,365 x (TON x PON + TSTANDBY x PSTANDBY + TAPD x PAPD),
wobei TON = 4,5h, TSTANDBY = 15h, und TAPD = 4,5h

Zur Beurteilung der CoC-Konformität wird die TEC der STB dann mit dem Annual-Energy-Allowance-Wert verglichen. Die Werte für Allowable Annual Energy reichen von 40 kWh für eine IP-fähige STB bis zu 60 kWh für eine Kabel- oder Satelliten-STB. Für STBs mit zusätzlichen Leistungsmerkmalen sind bestimmte Mehrverbräuche zulässig. Tabellen mit den Annual-Energy-Allowance-Werten und zulässigen Mehrverbräuchen finden Sie unter:
http://www.powerint.com/en/green-room/version-8-set-top-boxes

Die Version 8 (Tier 1) tritt am 1. Januar 2010 in Kraft. Tier 2 tritt am 1. Januar 2013 in Kraft.

Weitere Informationen über die CoC-Spezifikation zur Energieeffizienz von Digitalfernsehdienste-Systemen

Eine Kopie der neuen Spezifikation können Sie hier herunterladen:

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