Zurück in die Zukunft

John Derrick ist COO von MIPS Technologies. In diesem Gastbeitrag reist er in das Jahr 2028 und beschreibt die Entwicklungen, die Elektronik und Embedded-Systeme in den »letzten« 20 Jahren genommen haben.

Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich im Jahr 2028 und blicken auf die Entwicklungen der letzten 20 Jahre zurück. Was hat sich alles getan?

Das Interessante an Prophezeiungen ist, dass sie meist falsch sind. Wären die Ideen der Science-Fiction-Autoren und Futuristen aus der Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts eingetreten, würden wir jetzt den Mond besiedeln, mit Autos zur Arbeit fliegen, »Hauskernkraftwerke« nutzen und mit einem Jetpack zum Supermarkt düsen. Die Vorhersagen zu Energiequellen, Mobilität und Geschwindigkeit sind nicht nur fast ausnahmslos falsch, sondern komplett daneben.

Sie zweifeln? Denken Sie nur an die Beschreibung der Welt und Technologie in frühen Folgen von Star Trek oder Space Odyssey 2001. Wissen Sie noch noch, wie einer der Protagonisten auf der Raumstation einen Telefonanruf aus der Telefonzelle heraus erledigte? In dieser Version der Zukunft haben wir es geschafft, mühelos durch den Weltraum zu fliegen, aber zum Mobiltelefon hat es nicht gereicht. Ich war noch nie im Weltall, geschweige auf dem Mond, und auch in den nächsten Jahren werden wir nicht mit Überschallgeschwindigkeit in den Urlaub fliegen.

Die Prophezeiungen darüber, unsere Unzulänglichkeiten zu überwinden, haben sich als haltlos herausgestellt. Allerdings gibt es einige wenige Vorhersagen über unser Wissen über die Welt, die sich tatsächlich erfüllt haben und sogar übertroffen wurden.

Während wir hier im Jahr 2028 gespannt darauf warten, einen Blick auf den Asteroid 35396 zu erhaschen, wenn er die Erde passiert, blicken wir auf einige Veränderungen der letzten 20 Jahre zurück, die den Zugang, die Vernetzung und die Nutzbarmachung von Informationen erheblich verbesserten. Keine Sorge, den Asteroid verpasse ich nicht – mein Teleskop alarmiert mich rechtzeitig. Ich hoffe nur, dass er nicht einschlägt.

Vor zwanzig Jahren, im Jahr 2008, befanden wir uns in der Mitte einer Informationsexplosion. Wir saßen vor unseren Computern und nur ein Mausklick trennte uns von einem riesigen Berg an Informationen zu jedem denkbaren Thema. Heute ist das komplette gesammelte Wissen der Welt auf Abruf verfügbar: Historische Dokumente, etwa Kopien der Manuskripte von Franziskanern aus dem 13. Jahrhundert; persönliche medizinische Daten einschließlich sämtlicher Röntgenaufnahmen, die man jemals von sich machen ließ; der Inhalt jedes einzelnen Buchs der New York Public Library; sogar Aufnahmen von der Welt um uns herum - für die wenigen Glücklichen, die mit einer 360-Grad-Videotechnik ausgestattet sind. Geändert hat sich, dass ich mir nicht mehr über meine Finger Zugang verschaffe, sondern ein paar Worte reichen, um ziemlich alles herauszufinden. Die Informationen bearbeite ich dann auf dem flexiblen Display, das im Kragen meiner Regenjacke eingearbeitet ist. 

Die deutlichsten Fortschritte der vergangenen zwanzig Jahre spielten sich an der Schnittstelle zwischen Mensch und Endgerät ab. Nicht nur, dass wir keine Tastaturen mehr nutzen müssen (und keiner vermisst QWERTZ!). Unsere heutigen Schnittstellen sind weitaus intuitiver und effizienter. Mit einem Minimum an Bewegung (etwa mit der Stimme oder durch Zeigen) kann man Herr über einen großen Grad an Komplexität werden. Diese Schnittstellen zwischen der digitalen und der physischen Welt machen Embedded-Technologien so wertvoll.

Oh, entschuldigen Sie mich für einen Moment. Mein medizinisches Überwachungsgerät meldet mir einen niedrigen Blutzuckerspiegel. Ich esse nur rasch eine Kleinigkeit. Mein Kühlschrank kontrolliert nämlich nicht nur seinen Inhalt und kommuniziert mit dem Lebensmittelgeschäft, sondern überwacht auch, was ich esse – so ist sicher gestellt, dass ich meine 2369 Kalorien-Diät einhalte. Die exakte Berechnung meiner Ernährungsbedürfnisse unter Berücksichtigung der Temperaturschwankungen, denen ich im Tagesverlauf ausgesetzt war, ist eine ziemliche Meisterleistung.