Ciao Google YaCyPi macht den Raspberry Pi zur Suchmaschine

Mit YaCyPi wird der Raspberry Pi zur privaten Suchmaschine
Mit YaCyPi wird der Raspberry Pi zur privaten Suchmaschine

Eine SD-Karte für spionagefreie Internetrecherche: Mit YaCyPi, einer Plug-and-Play Lösung für den Raspberry Pi, kann man an einer unabhängigen Suchmaschine teilnehmen. Bis es soweit ist, fehlen allerdings noch 700 Dollar.

Jede Suchanfrage bei einer der großen Suchmaschinen trägt dazu bei, dass Unternehmen wie Google oder Microsoft im Hintergrund detaillierte Personenprofile anlegen können. Dass diese Daten in falsche Hände gelangen können, haben die Enthüllungen des vergangenen Jahres bewiesen. Außerdem fungieren die Internetgiganten als Filter, denn sobald eine Seite von deren Index entfernt wird, ist sie quasi unsichtbar im Web. Weil die Suchmaschine aber vielen als „Tor zum Internet“ dient, fällt es schwer, an ihnen vorbeizukommen.

Die kleine amerikanische Sicherheitsfirma Obsidian Security Services aus Baltimore hat dieser Abhängigkeit nun den Kampf angesagt. Die Linux-Freunde, die hauptberuflich Boutiquen vor Einbrüchen und Computer vor Hackern schützen, basteln an einer Erweiterung für den Raspberry Pi, mit der sich im Handumdrehen die unabhängige Suchmaschine YaCy einrichten lässt. Die Vision: Einfach die YaCyPi-SD-Karte in den Single-Board-Computer einlegen, diesen mit dem WLAN-Netzwerk verbinden und dessen IP-Adresse aufrufen. Schon ist man Teil der freien Suchmaschine.

Die Entwicklungsarbeit liegt vor allem darin, YaCy und das Betriebssystem so anzupassen, dass das System auf dem kleinen Minicomputer läuft: „Mit diesem Projekt reizen wir das oberste Limit der Leistungsfähigkeit des Raspberry Pi aus«, schreiben die Tüftler. Finanziert wird ihre Arbeit über eine Kickstarter-Kampagne, die in 14 Tagen schon 8.000 der angesetzten 10.000 Dollar einspielen konnte. Aktuell fehlen noch knapp 700 Dolar, die aber in den verbleibenden 29 Tagen sicher zusammenkommen werden.

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YaCy - So funktioniert die unabhängige Suchmaschine

Die Bildergalerie erklärt, wie die Open-Source-Suche YaCy und die Raspberry Pi Erweiterung YaCyPi arbeiten und welche Möglichkeiten sie bieten.

Open-Source-Suchmaschine: YaCy

Auf der SD-Karte wird das Betriebssystem Puppy Linux installiert sein, über welches eine angepasste Software der dezentralen Suchmaschine YaCy ausgeführt wird. YaCy ist ein Peer-to-Peer-Netzwerk, bei dem alle Nutzer gemeinsam zum Wachstum der gelisteten Inhalte beitragen. Aktuell sind ca. 1.4 Billionen Dokumente indiziert. Der Vorteil gegenüber kommerziellen Suchanbietern ist, dass weder Suchanfragen ausgewertet noch Webseiten zensiert werden. Außerdem gibt es keine Werbung und keine zentrale Priorisierung bestimmter Inhalte in den Ergebnislisten.

Der Preis der Sicherheit

Natürlich hat eine kleine Open-Source-Bewegung wie YaCy nicht annähernd die finanziellen Mittel von Google & Co. Das Open-Source-Netzwerk befindet sich noch im Aufbau, wie der Blick auf die Nutzungszahlen zeigt: Eigenen Angaben zufolge verzeichnet man täglich etwa 130.000 Suchanfragen. Marktführer Google beantwortet pro Tag mindestens 100 Millionen – allein in Deutschland. Selbst die YaCyPi-Entwickler geben daher zu bedenken, dass das Tool derzeit noch kein Ersatz für die Großen der Branche sein kann. Man muss mit einer behäbigeren Suche und weniger Ergebnissen rechnen. Je mehr Nutzer sich allerdings dem freien YaCy-Netzwerk anschließen, desto besser werden die Suchergebnisse und desto schneller werden sie geliefert.

Der Weg in die Suchfreiheit

Mit YaCyPi kommt eine schnelle und unkomplizierte Lösung, um der Sammelwut der großen Internetkonzerne zu begegnen. Wer die Komforteinbußen in Kauf nimmt und anonym im Netz suchen möchte, kann die YaCyPi-Sd-Karte ab 18,50 Euro vorbestellen. Das Komplettpaket inklusive Himbeercomputer kostet 74 Euro. Das Geld dient aber lediglich dazu, die Entwicklungskosten abzudecken: »Wir werden keinen Gewinn machen, und das wollen wir auch gar nicht«, schreiben die Entwickler auf der Kickstarter-Seite. Das passt zu der Ankündigung, nach Ablauf der Kampagne den Quellcode zu veröffentlichen. Die Auslieferung der YaCyPi-Systeme beginnt voraussichtlich Ende April.