Wohin Intel mit den neuen Atom-Prozessoren will

Intel hatte auf der embedded world neue Atom-Prozessoren vorgestellt. Neben neuen Anwendungen in der Industrie wird auch der Markt für mobile, internetfähige Geräte anvisiert.

Rund 5 Milliarden »embedded« Internet-Geräte arbeiten heute bereits, im Jahr 2000 waren es eine Milliarde und bis 2015 soll ihre Zahl auf 15 Mrd. hochschnellen. Davon will Intel mit dem Atom-Prozessor profitieren. Auf der embedded world hat Intel Atom-Prozessoren vorgestellt, die im Unterschied zu den bisherigen Versionen über den erweiterten Temperaturbereich von -40 bis 85 °C arbeiten und in Gehäusen mit größerem Ball-Abstand sitzen. Damit zielt Intel auf die Anforderungen vieler Embedded-Anwendungen ab, bei denen es darauf ankommt, die Prozessoren kostengünstig auf Leiterplatten mit weniger Lagen als bisher zu montieren.

Die kleinsten Prozessoren sind in zwei Gehäusen erhältlich (13 x 14 und 22 x 22 mm), sie nehmen unter 2,5 W auf und werden mit 1,1, 1,33 und 1,6 GHz getaktet. Die System-Controller sind in 22 x 22 und 37,5 x 37,5 mm großen Gehäusen erhältlich, enthalten 2D- und 3D-Grafik, Video, High-Definition-Audio und SDIO. Damit will Intel in neue Märkte vordringen. So setzt das Energieunternehmen EuroTech Inc. den Atom zur Überwachung des Stromnetzes ein. Arch Rock verwendet ihn, um die Güterwaggons und Lokomotiven zu verfolgen.

Eine ganz neue Geräteklasse ist das »Media-Phone«: Damit kann man telefonieren wie mit einem herkömmlichen Telefon. Allerdings ist es ständig eingeschaltet, mit dem Internet verbunden und enthält einen Bildschirm. Es gibt Versionen für das Büro, für die Wohnung und ein Handgerät, das schnurlos über den DECT-Standard arbeitet und die meisten Ähnlichkeiten mit dem herkömmlichen Telefon hat. In der Küche kann die Hausfrau sich beispielsweise Rezepte aus dem Internet herunterladen oder Musik hören. Laut In-Stat sollen bis 2013 bereits 48 Mio. dieser Geräte verkauft werden.

Ein weiterer Markt, auf den Intel abzielt, ist Automotive Infotainment. Inzwischen unterstützt die Automotive-Plattform von Microsoft den Atom-Prozessor, Intel ist dem Automotive Partner Programm von Microsoft beigetreten. Firmen wie Harman International, SBS, CoQOS, Telemetria und Congatec haben bereits auf dem Atom basierende Designs entwickelt.
 
Eine große Chance sieht Intel in der Genivi-Allianz, die offene Standards für In-Vehicle-Infotainmant schaffen möchte. Gerade weil die Krise die Automobilhersteller dazu zwingt, auf die Kosten zu achten, werden sich Standards umso schneller durchsetzen. Eigene Systeme zu entwickeln, könnten sie sich einfach nicht mehr leisten. Das sollte die Nachfrage nach den Atom-Prozessoren zusätzlich beflügeln.