»Wir werden die kommenden, stürmischen Zeiten souverän meistern«

Prof. Dr.-Ing. Matthias Sturm, Vorsitzender des Programmkomitees der embedded world Conference und Vorsitzender des Fachbeirats, im Gespräch über das ernorme Wachstum der embedded world, die Höhepunkte der diesjährigen Konferenz und die größten Herausforderungen für Entwickler.

Herr Prof. Dr. Sturm, welche Bedeutung hat die embedded world?

Mit ihrem konsequenten inhaltlichen Fokus hat die embedded world in den vergangenen Jahren eine beispiellose Entwicklung durchlaufen und sich als weltgrößte Kombinationsveranstaltung aus Messe und Fachkongress der Embedded Community etabliert. Mindestens genau so wichtig ist, dass die Entwickler diese Veranstaltung trotz des enormen Wachstums als die ihre betrachten. Ohne Übertreibung kann man sagen, dass der familiäre Charakter der »Embedded«, wie sie von den meisten Besuchern genannt wird, ein ganz wesentlicher Erfolgsfaktor ist. Messebesucher wie Konferenzteilnehmer freuen sich Jahr für Jahr auf ein Wiedersehen, auf neue Produkte auf der Messe und innovative, wegweisende Vorträge in der Konferenz.

Bemerkenswert ist, dass der überwiegende Teil der Aussteller ein sehr gutes Fazit zieht, was die Qualität der Besucher und Gespräche anbetrifft. Da die Diskussionen auch an den Messeständen oft tief technischer Natur sind, entsenden die Aussteller als Standbetreuer zunehmend Ingenieure ihrer Entwicklungsabteilungen auf die embedded world. Hier liegt, so glaube ich, der größte Unterschied zu vergleichbaren Messen im internationalen Umfeld. Die Besucher der embedded world wollen keine Show im Sinne von Unterhaltung, sie suchen den direkten Kontakt zu ihrem Entwicklungskollegen, sie suchen technische Informationen aus erster Hand und einen engen Kontakt zu ihrem Anbieter.

Die embedded world findet dieses Jahr in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld statt. Kann die Branche dem Trend trotzen?

Analysiert man die embedded Branche, so stellt man fest, dass sie, wie kaum eine andere, sehr breite Applikationsfelder abdeckt. Hinzu kommt, dass der überwiegende Teil der Unternehmen dem Mittelstand zuzuordnen ist. Und dies bedeutet vor allem Flexibilität und Dynamik, was das Umschwenken auf neue Märkte betrifft, also auch Vertrauen untereinander. All dies sind Aspekte, die der Finanzbranche nicht zu attestieren sind.

Hinzu kommt der Umstand, dass die embedded Community durch die ständige Weiterentwicklung und die Einführung neuer Technologien und Produkte eine enorme Innovationskraft besitzt. Neue, wachsende Zukunftsmärkte, wie der Bereich Bio- und Medizintechnik, sind gut in der Lage, die Probleme im Bereich Automotiv zu kompensieren oder gar zu überflügeln. Und wenn die ersten Anzeichen einer gewandelten Energiepolitik in den USA tatsächlich Realität werden, eröffnet sich für die Entwickler und Anbieter von embedded Systemen ein weiteres, großes Betätigungsfeld.

Sicher ist seitens des Managements ein Umdenken notwendig, weg von überzogenen Bank- und Aktionärsinteressen und hin zu Kundenzufriedenheit und Qualität. Eine Rückbesinnung auf die tatsächlichen Ziele unserer Branche, durch technischen Fortschritt das Leben der Menschen zu erleichtern und Träume wahr werden zu lassen, ist notwendig. Wir, die embedded Community, können das leisten und wir werden die kommenden, stürmischen Zeiten souverän meistern.