»Wir erobern neue Märkte«

Das vergangene Jahr konnte die DSM Computer wieder erfolgreich abschließen: Das gesunde Wachstum resultierte aus Embedded-PC-Systemen, zu denen auch die »BookSize«-PCs und die neue »PicoBox«-Familie zählen. Wir sprachen mit Christian Lang, Leiter Marketing von DSM Computer, über die sich rasch wandelnden Anforderungen des Marktes.

Markt&Technik: DSM Computer hat sich vom reinen Hersteller von 19-Zoll-Systemen zum Spezialisten für Embedded-PC-Lösungen gewandelt – was war die Motivation?

Christian Lang: Obwohl der 19-Zoll-Industrie-PC-Markt für uns nach wie vor sehr wichtig ist und wir heute noch einen hohen Umsatz mit diesen Produkten erzielen, erwarten wir für die nächsten Jahre hohe Wachstumsraten bei Embedded-Systemen. Wir verstehen unter einem Embedded-System eine genau auf die jeweilige Anwendung optimierte industrielle PC-Lösung, die immer Bestandteil einer mehr oder weniger komplexen Kundenapplikation ist. Das kann entweder eine reine Board-Lösung sein oder eine komplette Systemlösung einschließlich Gehäuse, Netzteil und weiterer PC-Komponenten, die alle erforderlichen Tests und Zulassungen durchlaufen haben. Genau auf diese kompletten Systemlösungen hat sich die DSM spezialisiert.

Ihrer Definition folgend, wäre praktisch jedes Embedded-System eine kundenspezifische Lösung. Wie können Sie diese anwendungsspezifischen IPCs in einer kurzen Designzeit kostengünstig entwickeln und fertigen?

Um auf Kundenanfragen schnell zu reagieren, realisieren wir kundenspezifische Embedded-Systeme auf Basis unserer breiten Palette an Standardprodukten, wie zum Beispiel unsere NanoServer-Familie und die BookSize-PCs. Die Voraussetzung dafür ist, dass die Systeme und Gehäuse im eigenen Haus entwickelt werden. Wir unterscheiden dazu die Bereiche »Standard«, »Modified« und »Customized«. Standardsysteme sind Produkte aus unserem Bluebook-Katalog, die in verschiedenen Konfigurationen erhältlich sind und sich in puncto Prozessor, Speicherausbau und Massenspeicher unterscheiden.

Modified-Lösungen sind auf die jeweilige Anwendung angepasste Standardprodukte. Beispiele dafür sind die Integration eines neuen CPU-Boards oder einer speziellen Erweiterungskarte, eine Schnittstellenanpassung oder eine minimale Änderung des Gehäuses. Unter »Customized« verstehen wir ein komplett neues, applikationsoptimiertes PC-System mit speziell entwickeltem Gehäuse, individueller Anordnung der Komponenten und eventuell sogar einer kundenspezifischen Board-Lösung. Dabei stützen wir uns natürlich auch immer auf bestehende Standards wie Mini-ITX oder COM Express, um eine Produktpflege auch über die nächste CPU-Generation hinaus wirtschaftlich zu erlauben.

Welcher der genannten Bereiche ist für Sie am wichtigsten?

Die Nachfrage nach Standardsystemen ist relativ stabil, ein schnelles Wachstum sehen wir für »Modified«- und vor allem für »Customized«-Produkte. Gerade bei den Box-PCs, die keinem von einem Konsortium definierten Formfaktor entsprechen, ist es nahezu unmöglich, ein Standardprodukt anzubieten, das einen Großteil der vom Kunden vorgegebenen Anforderungen abdeckt. Je kleiner die IPCs werden, umso schwieriger ist es, Erweiterungsmöglichkeiten zu realisieren und alle benötigten Schnittstellen nach außen zu führen.

Wo kommen die Box-PCs zum Einsatz?

Diese extrem kompakten Rechner kommen nicht nur in den klassischen Industrie-PC-Märkten wie Anlagenbau und Automatisierungstechnik, Messtechnik oder Bildverarbeitung zum Einsatz, sondern in neuen Anwendungen wie Energietechnik, Transport und Logistik, Security und in der Gebäudetechnik bis hin zu POS/POI-Lösungen wie E-Kiosk oder Digital Signage. Wir prognostizieren einen rasant steigenden Bedarf an Box-PCs.

Wie sieht es mit der Leistungsfähigkeit der Box-PCs aus?

Für viele industrielle Applikationen ist die Performance der heute angebotenen Box-PCs vollkommen ausreichend. Der Rechner übernimmt in vielen Anwendungen als »distributed intelligence« eine dedizierte Aufgabe und hängt meist an einem komplexen Netzwerk. Die Box-PCs unterscheiden sich in puncto Rechenleistung, Schnittstellen, Gehäuseabmessung, Erweiterbarkeit und Kühlung. Aus diesem Grund bieten wir verschiedene Basissysteme mit variierenden Features für die unterschiedlichen Zielmärkte an. Der Markt wird heute natürlich durch die besonders stromsparenden Technologien getrieben, wie der Intel Atom-Prozessorfamilie und den Intel-Chipsätzen, z.B. 82945GSE, mit einer Gesamtverlustleistung in der Größenordnung von etwa 7 bis 8 W. Neben der CPU-Leistung sind für die Systemarchitektur eines Box-PCs die Erweiterungsmöglichkeiten entscheidend – die meisten Box-PC-Anwendungen kommen allerdings mit nur einem oder zwei Netzwerkanschlüssen, USB und einer Monitorschnittstelle aus.