Karrierechance Embedded Systems »Wir betreten jeden Tag Neuland«

Alex Bart studierte Technische Informatik an der Hochschule Ulm. Der praxisorientierte Studiengang setzte u.a. auch einen Schwerpunkt in der Elektrotechnik. Der heute 37-jährige Münchner ist schon seit zehn Jahren bei Rohde & Schwarz, interessierte sich bereits während seiner Hochschulzeit für Forschung & Entwicklung und wollte in einem Beruf arbeiten, in dem Kreativität und Forschergeist gefragt sind. Mit 27 Jahren stieg Bart direkt nach seinem Studium als Entwicklungsingenieur bei Rohde & Schwarz ein und spezialisierte sich auf den Entwurf und die Entwicklung von Algorithmen zur Signalverarbeitung. Heute ist er Ansprechpartner für die Entwicklung von Hardware-Treibern und Signalverarbeitungs-Software. (sc)
Alex Bart studierte Technische Informatik an der Hochschule Ulm. Der praxisorientierte Studiengang setzte u.a. auch einen Schwerpunkt in der Elektrotechnik. Der heute 37-jährige Münchner ist schon seit zehn Jahren bei Rohde & Schwarz, interessierte sich bereits während seiner Hochschulzeit für Forschung & Entwicklung und wollte in einem Beruf arbeiten, in dem Kreativität und Forschergeist gefragt sind. Mit 27 Jahren stieg Bart direkt nach seinem Studium als Entwicklungsingenieur bei Rohde & Schwarz ein und spezialisierte sich auf den Entwurf und die Entwicklung von Algorithmen zur Signalverarbeitung. Heute ist er Ansprechpartner für die Entwicklung von Hardware-Treibern und Signalverarbeitungs-Software. (sc)

Die Entwicklungsarbeit an Embedded Systems verlangt nicht nur eine exzellente Zusammenarbeit zwischen Hard- und Software, sondern insbesondere Kreativität und Forschergeist, sagt Alex Bart, Entwicklungsingenieur für Geräte- und Systemsoftware im Bereich Rundfunk- und Medientechnik bei Rohde & Schwarz.

Markt&Technik: Herr Bart, an welchem Projekt im Bereich Rundfunk- und Medientechnik arbeiten Sie gerade?
Alex Bart: Aktuell beschäftige ich mich mit der Entwicklung von Gerätesoftware und Signalverarbeitungsalgorithmen. Gemeinsam mit meinem Team arbeite ich an der neuesten Sendergeneration R&S®Tx9, die das Produktportfolio von Rohde & Schwarz im Bereich TV- und Hörfunksendern komplettiert. Im Bereich der Gerätesoftware-Entwicklung beschäftige ich mich hauptsächlich mit der Implementierung unserer Software-Treiber für unsere eigens entwickelte Hardware und unterstütze unsere Hardware-Entwickler bei der Inbetriebnahme der Treiber. In meinen Verantwortungsbereich fällt zudem die Unterstützung der Prüfmittelentwicklung für die eingesetzte Hardware. Im Aufgabenbereich der Signalverarbeitungs-Software arbeite ich in erster Linie an der digitalen Signalvorverzerrung. Hier gilt es, die Nichtlinearität der Verstärker, die hinter unserem Gerät angeschlossen sind, durch entsprechende Vorverzerrung auszugleichen. 

Welche technischen Anforderungen stellt der Bereich Sendetechnik?
Die größte Herausforderung für uns Entwickler ist, dass die Sender 24 Stunden täglich, 365 Tage im Jahr laufen müssen – im Idealfall über Jahrzehnte hinweg, ohne ausgeschaltet zu werden. Das stellt höchste Qualitätsanforderungen an die Stabilität von Software und Treibern. Darüber hinaus geht es in der Signalverarbeitung grundsätzlich darum, die Effizienz der Sender zu steigern. Gerade im Hinblick auf den Wirkungsgrad befindet sich Rohde & Schwarz in einer sehr guten Marktposition. Unsere Sendeanlagen setzen hier Maßstäbe, denn wir schaffen es mit unseren Entwicklungsleistungen, die Qualität des Wirkungsgrads ständig weiterzuentwickeln und zu steigern. Ein Beispiel: Vor zehn Jahren musste ein Sender noch 40 kW verbrennen, um 10 kW Nutzleistung zu erzeugen. Unsere neueste Sendegeneration ist bedeutend effizienter: Heute sprechen wir von einem Wirkungsgrad – je nach Standard, Leistung und Konfiguration – von über 40 Prozent, was vor allem durch Einsatz der neuen Transistor-Technologien und Signalverarbeitungsalgorithmen erreicht wird. Das spart natürlich wertvolle Energie.  

Wo steckt in Ihren Projekten die Embedded-Entwicklung?
Das Thema sehen wir auf den unterschiedlichsten Ebenen. In meinem Entwicklungsbereich bedeutet embedded, dass wir nicht auf Standardlösungen setzen, sondern mit eigens entwickelter Hardware arbeiten. Alle Komponenten können ohne Kompromisse aufeinander abgestimmt werden. In der Gerätesoftwareentwicklung gibt es eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen Soft- und Hardware-Entwicklern, aber auch mit FPGA-Entwicklern. Das liegt daran, dass die Entwicklung der Software-Treiber sehr eng mit der Hardware verbunden ist, ebenso wie die Signalverarbeitungsalgorithmen mit der FPGA-Entwicklung. Darüber hinaus helfen uns eingebettete Systeme beispielsweise bei der Kostenreduzierung, um weiterhin eine starke Marktposition zu halten. Ein weiteres Embedded-Thema sind die Echtzeitanforderungen, die an die Signalverarbeitung gestellt werden, denn der Einsatz immer leistungsfähigerer Prozessoren führt dazu, dass der Softwareanteil immer mehr zunimmt und die Software in Zukunft immer mehr Aufgaben übernehmen bzw. steuern wird. 

Wie lässt sich aus Ihrer Sicht die Entwicklungsarbeit an Embedded Systems noch effizienter gestalten?
Um die Effizienz in der Embedded-Entwicklung zu steigern ist es aus meiner Sicht notwendig, dass Software-Entwickler heutzutage auch Hardware-Kenntnisse mitbringen – und anders herum. Durch mein Studium der technischen Informatik mit dem Schwerpunkt Elektrotechnik hatte ich beispielsweise gelernt, Schaltpläne zu lesen – eine Fähigkeit, die in der Zusammen- und Entwicklungsarbeit enorm weiterhilft. Auch wird in der Hardware-Entwicklung heutzutage sehr viel mit MATLAB simuliert. Wer sich hier auskennt, hat entscheidende Vorteile. Im Gegensatz dazu hilft es, wenn ein Hardware-Entwickler kleinere Software-Implementierungen selbst vornehmen kann – oder zumindest die Anforderungen der Software-Entwickler versteht und dementsprechend auch seine Komponentenentwicklung ausrichtet. 

Mit welchen Programmiersprachen arbeiten Sie aktuell?
Aktuell entwickeln wir hauptsächlich mit C und C++.  Je nach Teilaufgabe kommen auch andere Programmiersprachen wie Java, JavaScript oder Python hinzu, um eine Schnittstelle zur Benutzeroberfläche zu schaffen. Außerdem sind Kenntnisse in XML und für diverse Bibliotheken wie Boost wichtig.

Was ist das Spannende an Ihrem Projekt?
Das Spannende ist die Entwicklungsarbeit an sich. Immer wenn wir das erste Hardware-Muster bekommen und es mit Software bespielen, sind wir aufs Neue gespannt, wie sich unsere Arbeit auszeichnet, wie die eine Welt in die andere übergreift. Zu den Herausforderungen zählt es sicherlich, Synergien zu anderen Kollegen, Abteilungen oder Geschäftsbereichen wie der Messtechnik herzustellen, um flexible Lösungen – entweder für Fachgebiete oder Rohde & Schwarz-weit – zu implementieren. So kann beispielsweise für unterschiedlichste Geräte dieselbe Hardwarekomponente mit entsprechenden Softwaretreibern genutzt werden. Hier ergibt sich besonders großes Potenzial für Synergieeffekte im Bereich Hardware Abstraction Layer. 

Wie wird sich die Technologie im Bereich Sendertechnik in den kommenden Jahren wandeln, und was bedeutet das für Ihre Arbeit?
Signalverarbeitungsprozessoren werden immer leistungsfähiger und kompakter. Und auch im Bereich der Gerätesoftwareentwicklung sehe ich einen Technologiewandel in Richtung System- und Chipdesign. Hier werden sich künftig immer mehr Integrationsmöglichkeiten ergeben. Die Technologie wird sich sicherlich dahingehend wandeln, dass wir immer mehr in der Software implementieren, um die Hardwarekomplexität zu verringern und die Komponenten universeller einsetzen zu können. Gerade im Boarddesign spreche ich hier vom Einsatz von Multi-Core Prozessoren und SoCs (System on Chip). Diese Themen wird Rohde & Schwarz sicher in naher Zukunft weiter forcieren, um die Qualität für den Kunden immer weiter zu optimieren.  

Die Arbeit an eingebetteten Systemen ist für Berufseinsteiger sehr attraktiv, weil zukunftsorientiert. Welche fachlichen und persönlichen Kompetenzen sollte man für Ihre Arbeit mitbringen?
Neben Teamfähigkeit sollte man auch Kreativität mitbringen und offen für neue Technologien sein. Auch Durchhaltevermögen ist in der Forschung und Entwicklung nicht verkehrt – denn bei unserer Arbeit betreten wir jeden Tag Neuland. Im fachlichen Bereich schadet ein grundlegendes Hardwarewissen nicht. Daneben sind Programmierkenntnisse wie C und C++ wichtig. Um außerdem die Zusammenarbeit mit Hardware- und FPGA-Entwicklern zu erleichtern, sind MATLAB- und Script-Kenntnisse vorteilhaft. Die kann man sich aber auch im Job aneignen. (sc)