Advantech und das Internet of Things Software soll Hardware-Geschäft ankurbeln

Bild 1. „Niemand kann das Internet of Things allein realisieren“, sagt Miller Chang, Advantechs Vice President für die Embedded Core Group.
„Niemand kann das Internet of Things allein realisieren“, sagt Miller Chang, Advantechs Vice President für die Embedded Core Group.

Hardware-Hersteller Advantech liefert auch Software: Mit »Wireless IoT Solutions Embedded« – kurz: WISE – will ­Advantech das Geschäft ankurbeln. Die Software soll die Hardware fit für Cloud und IoT machen.

„Niemand kann das Internet of Things allein realisieren“ – sagt Miller Chang, Advantechs Vice President für die Embedded Core Group. Und damit meint er, dass das Internet of Things viele Techniken, Kompetenzen und Produktbereiche zusammenführt. „Firmen wie IBM, GE oder Siemens haben noch einen relativ großen Teil des erforderlichen Know-how im Haus, aber die Industrie besteht ja aus vielen kleinen und mittelgroßen Betrieben, bei denen sich da große Lücken auftun, wenn sie eine IoT-Lösung auf die Beine stellen sollen“, sagt Miller Chang. Gerade dieser Mittelstand ist es, den Advantech mit der Strategie im Blick hat und für den Chang die Lücken zumindest verkleinern will. Das bisherige Geschäftsmodell vieler Systemintegratoren besteht darin, die Hardware einzukaufen und darauf eine eigene Software zu installieren, die auf die Anwendung bzw. den Kunden zugeschnitten ist. Daran ändert sich auch im Cloud-Zeitalter prinzipiell nichts, nur werden die Anforderungen an die Software wesentlich höher, weil die Systeme vernetzt sind, die Kommunikation vielfältiger wird und die Sicherheitsanforderungen steigen. Deshalb werden die Systemintegratoren nach Einschätzung von Advantech nicht nur Hardware, sondern in Zukunft auch vermehrt auf zugekaufte Software angewiesen sein. Dabei geht es vor allem um die sogenannte Middleware, also diejenige Software, die Grundfunktionen bereitstellt, die ein Gerät braucht, durch die sich ein Hersteller aber nicht differenzieren kann.

WISE-Agent – die Schaltzentrale des Gerätes

Diese Middleware bietet Advantech in Form von sogenannten WebAccess-Paketen an, die verschiedene Funktionen enthalten: Sammeln und Vorverarbeiten von Sensordaten, Systemverwaltung und Fernsteuerung, Netzwerk-Management, Übermitteln von Video-Datenströmen usw. Alle Funktionen, die mit der Advantech-Hardware in Zusammenhang stehen, stützen sich dabei auf das hauseigene SUSI-API (Secure & Unified Smart Interface) (Bild 2).

Diese Programmierschnittstelle hat Advantech schon vor Jahren geschaffen, um die (Fern-)Verwaltung seiner Systeme zu vereinfachen. SUSI stellt eine Brücke zu wichtigen Hardware-Steuerelementen eines Embedded-Computers her: Über die Programmierschnittstelle kann auf den Watchdog, die CPU-Parameter (Taktfrequenz/Throttling), den Tastaturcontroller, die Bildschirmsteuerung (Hinterleuchtung, Helligkeit, Kontrast) und GPIO- und I2C-Peripherie zugegriffen werden. Obendrein sorgt SUSI auch für die Verschlüsselung. Zu diesem schon länger bestehenden Fundament kommt nun der WebAccess hinzu. Um auch hier eine Hardware-neutrale Instanz zu schaffen, gibt es einen sog. „WISE-Agent“. Diese Software läuft typischerweise auf einem Gateway und repräsentiert ein Gerät oder ein Subnetz wie z.B. ein Sensornetz oder eine Ansammlung von SPSen oder Steuergeräten. Der WISE-Agent kommuniziert mit seinen Tochtergeräten per MQTT. MQTT ist ein M2M-Protokoll mit wenig Overhead. Auf der anderen Seite – zur Cloud bzw. zum Internet hin – präsentiert der WISE-Agent ein RESTful API. Das bedeutet, dass der Agent über die üblichen HTTP-Befehle (get, post, put usw.) angesprochen wird. Funktionen werden über Parameter gesteuert, die an die URL angehängt sind. „Die Implementierung eines Cloud-Dienstes wird damit so einfach wie das Progammieren einer Webseite,“ sagt Michael Chiu, der Leiter der IoT-Software-Abteilung bei Advantech.

Mit Software-Partnern

Gemäß der oben zitierten Meinung von Vice President Miller Chang „Niemand kann das Internet of Things allein realisieren“ beansprucht auch Advantech nicht für sich, alles alleine zu machen. Für Cloud-Dienstleistungen, die über Treiber und Protokolle und APIs hinausgehen, hat Advantech ein Partner-Netzwerk geknüpft. Hier kommen Sicher­heitsfunktionen von McAfee ins Spiel, Datensicherung mit Tools von Acronis und die Azure-Cloud von Micro­soft. Azure ist in der WISE-Software bereits vorintegriert und sorgt zunächst für den Speicherplatz in der Cloud, im Weiteren aber auch für die Datenanalyse. Auf der Basis von maschinellem Lernen soll es Software-Module geben, die Markttrends analysieren und prognostizieren können, um Dienste oder Produkte zu optimieren. Wenn große Mengen von Sensoren viele Daten produzieren, können diese mit Hilfe von Big-Data-Analysen aufbereitet werden. Auf einer Einführungsveranstaltung für die WISE-Plattform in München sagte VP Miller Chang, es sei wichtig, zuerst die eigenen Mitarbeiter vom Internet of Things zu überzeugen, damit diese dann auch die Kunden überzeugen können. Um hier etwas nachzuhelfen, bot sein Kollege Michael Chiu den eingeladenen Kunden ein Einsteigerpaket an: Software und Services für zwei Jahre im Wert von 20.000 Euro plus beliebige Hardware im Wert von bis zu 5000 Euro plus Microsoft-Azure-Leistungen für 3000 Euro – alles zusammen für 20.000 statt 28.000 Euro. Auch wenn der Auftritt ein wenig an die Marktschreier auf einem Fischmarkt erinnert – einen ernsten Hintergrund erwähnte Miller Chang anschließend im Gespräch: „Wir rechnen nicht damit, dass wir in den ersten zwei Jahren mit der Software zusätzlichen Umsatz manchen. Unsere Planung sieht aber so aus, dass wir durch den zahlenmäßig größeren Bedarf an Geräten unsere Hardware-Verkäufe steigern werden