Qseven: »Optimale Plattform für mobile Systeme«

Mitte Juli verabschiedete das »Qseven«-Konsortium die Version 1.0 der Qseven-Embedded-Modul-Spezifikation. Wir sprachen mit Wolfgang Eisenbarth von der MSC Vertriebs GmbH über MSCs Engagement im Qseven-Konsortium und die Vorteile des kleinen Formfaktors.

Markt&Technik: Was verbirgt sich hinter »Qseven«?

Wolfgang Eisenbarth: Mit der Qseven-Spezifikation können Hersteller von Embedded-Computing- Modulen sofort mit der Entwicklung von CPU-Baugruppen im Formfaktor 70 mm x 70 mm beginnen. Der uneingeschränkt verfügbare Standard kann unter www.Qseven-standard.org eingesehen werden. Mittlerweile haben sich insgesamt 15 Embedded-Computing-Hersteller und -Anbieter der Qseven- Initiative angeschlossen, die Vereinigung lädt alle interessierten Unternehmen zum Beitritt ein. Kunden haben natürlich ebenfalls parallel dazu die Möglichkeit, Motherboards zu entwickeln.

MSC hat von Anfang an bei der Spezifizierung der Qseven-Plattform mitgearbeitet. Warum hat sich MSC so engagiert?

Mit Qseven erweitert MSC sein Produktportfolio nach unten, um einen auf die Features der neuen Prozessor- bzw. SoC-Technologien angepassten, kompakten Modulformfaktor zu realisieren. Ich denke da zum Beispiel an die hoch integrierten und Strom sparenden Intel-Atom-Prozessorfamilien Z5xx und N2xx, aber auch an andere Hersteller, die ähnliche Prozessoren auf ihrer Roadmap haben. Unsere Kunden wünschen sich eine immer höhere Integrationstiefe, verbunden mit einem günstigen Preis.

Diese Anforderung des Marktes muss das Systemkonzept dahinter natürlich reflektieren. COM Express ist ein bewährtes, in Richtung höhere Performance wachsendes Systemkonzept, das sich aber nicht in gleicher Weise nach unten ausdehnen lässt. Der Spagat wird dann einfach zu groß. Als COM Express entwickelt wurde, waren vor allem auch noch viele parallele und analoge Schnittstellen ein Thema. Heute brauchen wir Standards, die auf die neuen Technologien optimiert sind.

Welche Schnittstellen sind auf der Qseven-Plattform realisiert?

Bei dem kompakten Formfaktor ist in der Regel die Vielfalt an Anschlussmöglichkeiten, wie sie COM Express realisiert, nicht gefordert. Die Chipsätze oder SoCs selbst konzentrieren sich auf weniger Schnittstellen, serielle Busse und niedrige Versorgungsspannungen. Deshalb bietet Qseven eine kleinere Anzahl von Schnittstellen und setzt konsequent auf neue, digitale Interface-Technologien wie PCI Express und SATA. Beispielsweise können Sie auf einem Qseven-Modul kein analoges VGA-Signal finden, sondern nur reine digitale Display-Schnittstellen.

Zur Anbindung externer Geräte sind Industriestandardschnittstellen wie USB 2.0 Ports, ein 1000BaseT-Ethernet-Interface, SDIO, ein Video-Input-Port, High Definition Audio, I2C-Bus und LPC vorhanden. Ein integrierter Grafik-Controller bietet mit 2 x 24- Bit LVDS, SDVO, DisplayPort und HDMI anspruchsvolle Grafikeigenschaften, die teilweise neu dazu gekommen sind. Darüber hinaus wird der neue VESA-Display- ID-Standard zur automatischen Erkennung des angeschlossenen Flat Panel Displays unterstützt.

Welche zusätzlichen technischen Vorteile bietet Qseven?

Ein weiteres Plus ist natürlich die leichte Integrierbarkeit des Moduls auf dem Motherboard. Damit meine ich seine einfache Befestigungstechnik mit einer geringen Anzahl an Bohrungen und demzufolge wenig Arbeitsaufwand für die Installation. Darüber hinaus wurde bei der Qseven-Plattform die mechanische Kontaktverbindung nochmals verbessert. Teil der Qseven-Initiative ist eine Nutzung der Steckertechnologie von bewährten MXM-Grafikmodulen, die bereits in großen Volumen in Laptops eingesetzt werden.

Das etablierte Steckverbinderformat ist besonders auf hohe Übertragungsgeschwindigkeiten ausgelegt und wird nur auf dem Baseboard bestückt. Dadurch können die Kosten gegenüber COM-Express- Steckerpaaren weiter gesenkt und PCI-Express-Baugruppen in neuester Technologie voll automatisiert produziert werden. Für uns als Hersteller ist sehr wichtig, dass sich die Baugruppen mit einem geringen Produktionsaufwand in einer vollautomatischen Fertigungs- und Testlinie herstellen lassen, was natürlich einen großen Einfluss auf die Preisgestaltung hat. Dadurch sind wir mit unseren Produkten ’Made in Germany’ führend am Markt.