Pico-ITX: 2,5-Zoll-Formfaktor für Embedded Devices

Kontron stellt zur Embedded World sein erstes Pico-ITX-Board vor. Über die Zielmärkte für diesen neuen Formfaktor und die Auswirkung auf die bestehende Produktpalette sprachen wir mit Norbert Hauser, Vice President Marketing von Kontron.

Zur Embedded World wird Kontron neben dem Support von VPX (die Weiterentwicklung des VME-Standards für die serielle Backplane-Kommunikation) auch den Support von Pico-ITX bekannt geben. So ist das erste Pico-ITX-Board von Kontron mit Intels Atom-Z5xx-Prozessor und dem System Controller Hub US15W bestückt. Norbert Hauser, Vice President Marketing bei Kontron stellte sich unseren Fragen zum neuen Formfaktor.

Markt&Technik: Was bietet Pico-ITX, was Kontron trotz seines breiten Produktportfolios bislang noch nicht hatte?

Norbert Hauser: Im Wesentlichen eine Beschleunigung der Entwicklung von Small Form Factor Devices mit Standard-PC-Schnittstellen sowie ein Off-the-Shelf-Produkt, das weder einer individuellen Entwicklung bedarf noch aus mehreren Baugruppen zu kombinieren ist. Das konnten wir bisher für das besonders kleine 2,5-Zoll-Abmaß, das lediglich 10 x 7,2 cm misst, nicht bieten. Der nächst größere Off-the-Shelf-Formfaktor ist bei uns 3,5 Zoll, der aber mit 14,6 x 10,2 cm doppelt so groß ist. Und SFF-Designs mit Computer-on-Modules, die man zwar auch sehr klein bauen kann, benötigen immer ein zumeist individuelles Carrier-Board.

Machen Sie sich denn dadurch nicht im eigenen Modulgeschäft Konkurrenz?

Nicht wirklich. Ich kann zwar mit nanoEXTexpress ähnlich kompakte Lösungen entwickeln wie mit Pico-ITX, beide Lösungsansätze decken jedoch einen anderen Bedarf ab. So ist es beispielsweise mit Modulen möglich, die benötigten externen Schnittstellen über ein kundenspezifisches Carrier-Board individuell zu platzieren und direkt an das Gehäuse auszuführen. Kabel werden hierfür nicht benötigt. Die Entwicklung und Produktion eines solchen Carrier-Boards lohnt sich erst ab einer gewissen Stückzahl.

Das Pico-ITX-Board braucht diesen Entwicklungsaufwand nicht, wenn die bestehenden Schnittstellen passen. Somit haben beide Lösungen unterschiedliche Anwendungsfelder. Und wenn es um noch größere Stückzahlen geht, dann bieten wir unseren Kunden auch individuelle Semi- und Full-Custom-Single-Board-Lösungen an. Damit bieten wir für jede Anforderung und Stückzahl im Bereich der SFF-Designs einen Lösungsweg.

Pico-ITX wurde bereits im Januar 2007 von VIA vorgestellt. Warum kommen Sie erst jetzt damit auf den Markt?

Zum einen wird Pico-ITX erst seit 2008 unabhängig durch die SFF-SIG unterstützt, zum anderen ist Pico-ITX insbesondere für Intel-Atom-Prozessoren und den hoch integrierten Intel System Controller Hub interessant. Für den auf Langzeitverfügbarkeit ausgelegten Markt der Embedded-Computertechnologie kommt der Support von Kontron folglich genau zur richtigen Zeit.

Mit Pico-ITX lässt sich das gesamte Potenzial von den neuen Intel Atom Prozessoren aber nicht ganz ausschöpfen. Wie viel Connectivity passt dennoch auf ein solch kleines Board?

Wir haben versucht, eine ideale Balance zwischen Embedded-Konnektoren und gehäusefähigen Anschlüssen zu finden. Zum einen werden Gigabit-Ethernet, zweimal USB 2.0 und DVI extern ausgeführt, da man diese Interfaces in den meisten Applikationen braucht. Der Rest wird über Embedded- Konnektoren ausgeführt. Und was da möglich ist, ist schon beachtlich. Obwohl der Formfaktor von der Fläche nicht größer ist als das Anschlussfeld eines ATX-konformen Motherboards (160 x 45 mm) bietet das neue Embedded- Motherboard Platz für ein DDR2-SoDIMM-Modul, zwei weitere USB-2.0-Schnittstellen, bis zu zweimal SATA II, einmal PATA44 sowie einen Sockel für MicroSD-Karten und ein Jili30-LVDS-Interface. Auch ein Backlight-Inverter kann angeschlossen und gesteuert werden. Audio-Devices lassen sich über Line In, Line Out, MIC In und SPDIF out an den integrierten HDA-Controller anschließen. Kundenspezifische Erweiterungen sind beispielsweise über einen SDIO-Pin-Header (Secure Digital Input/Output) oder Digital IO (4 Bit) möglich.