PICMG ruft CompactPCI Plus ins Leben

Ein Subkomitee der PICMG soll den existierenden CompactPCI-Standard durch serielle Busse erweitern. Der neue Standard CompactPCI Plus soll für die kompakten 3-HE- sowie für große 6-HE-Systeme gelten. Er richtet sich an Industrie, Luftfahrt, Verkehrswesen und Medizintechnik. Auch für existierende Telecom-Anwendungen auf CompactPCI-Basis wäre er nützlich.

CompactPCI Plus soll nach Ansicht der neuen Arbeitsgruppe nicht dieselben Marktsegemente abdecken, wie der konkurrierende Systemstandard MicroTCA.

Der aktuelle CompactPCI-Standard führt keine seriellen Busse wie PCI-Express, Serial-ATA, Ethernet oder USB über die Backplane. CompactPCI Express mit Unterstützung für das serielle PCI-Express ist nicht wirklich kompatibel, weil es ohne Bridge-Slot keine Rückwärtskompatibilität zu CompactPCI gewährleistet. Außerdem hat CompactPCI Express keine rückwärtigen I/O-Anschlüsse (rear I/O).

Nach Ansicht der Arbeitsgruppe haben switched fabrics auf der Backplane nichts zu suchen und sollen deshalb im Standard auch nicht definiert werden. Stattdessen soll CompactPCI Plus nach wie vor eine passive Backplane bekommen, mit einem neuen Typ von Peripherie-Slot, der PCI-Express, S-ATA/SAS, USB und Ethernet über die Busrückwand führt. Solche Peripheriesteckplätze könnten für PCI-Express-Erweiterungskarten, RAID-Festplattenadapter, Ethernet-Switches oder USB-Wireless-Karten genutzt werden. Alle seriellen Busse sollen in einer Sterntopologie mit dem Systemslot verbunden sein.

Für die seriellen Busse muss der Systemslot in einem 3-HE-Gehäuse um einen zusätzlichen Steckverbinder rechts von den existierenden Steckern erweitert werden, was zu einer Zwei-Slot-Lösung führt. Links vom Systemslot befänden sich die Legacy-CompactPCI-Karten, rechts davon die neuen Peripheriekarten. Sollten später Systeme gebaut werden, bei denen Parallel-PCI entfallen kann, könnte der Systemslot wieder auf einen Steckplatz reduziert werden.

Der zusätzliche Steckverbinder soll folgende serielle Busse enthalten: mindestens 8 Serial-ATA/SAS-Kanäle, 8 PCI-Express-Interfaces, davon einer mit 16 Lanes, der Rest mit 4 Lanes,
16 USB-Anschlüsse und 8 Ethernet-Kanäle.

Insgesamt wären damit acht CompactPCI-Plus-Peripheriesteckplätze möglich. Der Steckverbinder muss demnach diferenzielle High-speed-Signale mit mindestens 10 Mbit/s führen, damit auch die seriellen Busse der nächsten Generation (Serial-ATA 3.0, PCI-Express 2.0, USB 3.0) unterstützt werden. Für die Stromversorgung sollen 8 Ampere bei 12 V zur Verfügung stehen. Die Mechanik soll kompatibel zu den bestehenden CompactPCI-Formaten mit 3 HE, 6HE und 4TE (Rastermaß für die Breite der Frontblende) sein.