Kontron: Mit organischem Wachstum zur Marktführung

Der europäische Embedded-Computer-Primus Kontron hat mit Ulrich Gehrmann einen neuen Vorstandsvorsitzenden. Wir sprachen mit ihm über seine Pläne und Strategien.

Markt&Technik: Sie waren bislang der stellvertretende Vorsitzende und Finanzvorstand von Kontron und wurden von der Wirtschaftspresse als 'sehr konservativ und vorsichtig agierend' beschrieben. Wird Ihnen diese Aussage auch als Vorstandsvorsitzender gerecht?
Ulrich Gehrmann: Die aktuellen Entwicklungen auf den Weltmärkten mit nicht richtig eingeschätzten Risiken zeigen, dass eine Unternehmensführung vorsichtig agieren muss. Wir müssen wachsen und wir wollen auch wachsen. Als Firma werden wir auch Risiken eingehen, denn Unternehmen kommt letztlich von unternehmen und nicht von unterlassen.

Wir haben genügend Risiken in unserem Geschäft und Märkten und diese Risiken müssen wir managen. Dazu sind wir unseren Gesellschaftern und Mitarbeitern gegenüber verpflichtet. Für uns bedeutet das, dass wir die Chancen und Risiken abwägen und so an Entscheidungen heran gehen, damit auch der Profit gewährleistet ist. Ja, es stimmt, ich versuche konservativ - speziell in unserer Darstellung in der Finanzwelt - zu sein.

Sie wissen, wie das insbesondere in dem momentan sehr nervösen Finanzumfeld ist, wenn Sie ihre Ankündigungen nicht oder nur gerade so erreichen, dann haben Sie sofort ein Problem. Ich will, dass das, was wir extern über Kontrons Zukunft sagen, auch erreicht wird - auch in mal schwereren Zeiten - und ich möchte, dass Kontron die Börse nicht negativ überrascht.

Kontron ist als europäischer Marktführer in der Position des Gejagten. Wie kommen Sie damit zurecht?
Wir fühlen uns in der Position schon relativ wohl. Mal offen gesprochen, die haben wir ja angestrebt. Es ist sehr gut, dass man Mitbewerb hat und ein Stück weit gejagt wird. Dadurch bleibt man wach und wird nicht träge. Allein darum schätze ich schon die Situation, dass es Mitbewerb gibt. Wir werden in Europa mit Sicherheit Marktführer bleiben, hier sind wir sehr gut aufgestellt. Aber wir haben auch genug Mitbewerb, der uns fit hält. Ohne Mitbewerb wäre unsere Embedded-Computer-Branche nicht so stark und ich würde mich unwohl fühlen - aber die Nummer eins wollen wir auch bleiben.

Advantech, Emerson und GE Fanuc sind Kontrons größte Wettbewerber - welcher von den Konkurrenten ist Ihnen der liebste?
Schwer zu sagen. Ich glaube, wir werden uns mit diesen drei Firmen immer wieder treffen. Aber es ist sehr vorteilhaft, dass alle großen Wettbewerber wie Kontron Standards vorantreiben - das gibt den Kunden Sicherheit. Wenn Kontron mal nicht so performt, wie der Kunde es will, dann kann er auf einen der drei Mitbewerber ausweichen. Man muss fairer weise sagen, dass alle drei Wettbewerber gute Firmen sind - das spornt uns an. Ich hab jetzt keinen persönlichen Favoriten, ich will nur das Kontron die Nummer 1 wird und an Emerson vorbei zieht.