IPCs: No-name-Anbieter haben jetzt eine Chance

Spectra Computersysteme ist unlängst in ein neues Firmengebäude gezogen und setzt mittel- und langfristig auf Wachstum. Nach Ansicht von Harald Lang, Geschäftsführer des Unternehmens, können »No-name«-IPC-Anbieter in der jetzigen Situation gewinnen.

Markt&Technik: Spectra ist seit kurzem in seinem neuen Gebäude und dem neuen Standort Reutlingen. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Harald Lang: Unser Umsatz im Produktbereich IPC-Komplettsysteme hat sich in den letzten Jahren aufgrund der hohen Akzeptanz unseres Angebots im Markt sehr stark weiterentwickelt. Wesentlich dazu beigetragen haben, neben den klassischen 19-Zoll-Industrie-PC-Systemen, preiswerte Panel-PC-Systeme und kundenspezifische Eigenentwicklungen für Aufgaben in der Automatisierungstechnik und für Anwendungen im Bereich Digital Signage. Die am Standort Leinfelden-Echterdingen verfügbare Produktions- und Lagerfläche wurde viel zu klein. Dadurch wurde die Effizienz der Produktion erheblich beeinträchtigt – die Produktionsprozesse gestalteten sich zu kompliziert und damit zu teuer.

Um wie viel hat Spectra in der Fläche zugelegt?

Die Lager-/Produktionsfläche wurde um das Zweieinhalbfache auf 1800 m² vergrößert und ist bei Bedarf durch einfache bauliche Maßnahmen nochmals um circa 800 m² zu steigern.

Haben Sie darüber hinaus Pläne für eine weitere Expansion?

Wir haben bereits eine Erweiterungsfläche für eine zusätzliche Halle mit 1800 m² Fläche von der Stadt Reutlingen reservieren lassen. Nach heutigem Stand der Dinge ist in vier bis fünf Jahren mit einer entsprechenden Baumaßnahme zu rechnen.

Welche Umsatz- und Ertragsentwicklung erwarten Sie für dieses Jahr?

Viele unserer Kunden, insbesondere jene aus dem Bereich Maschinen- und Fahrzeugbau, hat die Wirtschaftskrise voll erwischt. Obwohl wir nicht von einer bestimmten Branche abhängen, müssen wir dennoch derzeit einen Umsatzrückgang im zweistelligen Bereich hinnehmen. Eine Voraussage gestaltet sich momentan sehr schwierig. Wenn wir mit einem Umsatzminus von unter 10 Prozent in diesem Jahr wegkommen, betrachten wir das Ziel als erreicht.

Haben Sie eine besondere Strategie für dieses Jahr?

Wir versuchen uns derzeit bewusst marketingmäßig auf Märkte zu konzentrieren, die nicht so sehr von der Krise erfasst werden – es gibt davon durchaus welche. Gleichzeitig haben Firmen wie wir, die sogenannte »No-name«- Produkte verkaufen, jetzt eher die Chance, gegen die großen Marken zu punkten. Manch ein Kunde kauft in Zeiten des knappen Geldes eher ein preiswerteres, aber dennoch qualitativ hochwertiges, No-name-Produkt anstelle eines teuren Markenprodukts. Das zeigen eindeutig auch die Erfahrungen aus vorherigen Krisen. Unser Slogan diesbezüglich heißt: »Jetzt umsteigen – wann denn sonst?«

Welche Pläne haben Sie im Personalbereich?

Grundsätzlich ist natürlich derzeit Vorsicht bezüglich Personalinvestitionen angesagt. Andererseits ist derzeit, und wir sehen das an zahlreichen Initiativbewerbungen, die uns in diesen Tagen zugehen, sehr viel hochkarätiges Personal im Vertriebs- und Ingenieurbereich auf dem Markt. Das war vor Jahresfrist noch ganz anders. Wir halten daher die Augen offen und verstärken gegebenenfalls unser Vertriebsteam.

Der deutsche Mittelstand ruft nicht nach Rettungsschirmen, sondern nach Bürokratieabbau. Gab es Probleme mit dem neuen Firmengebäude bzw. der Standortverlagerung?

Alles lief absolut problemlos. Insbesondere die beteiligten Gemeinden Reutlingen und Kirchentellinsfurt haben uns sehr unterstützt. Wie hätte es auch sonst gelingen können, nach nur drei Monaten Planungszeit und sechs Monaten Bauzeit in unsere neuen Räumlichkeiten einzuziehen?