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Wachstumsmarkt: Die Wearables kommen

Intel und Freescale haben jetzt mit neuen Referenzplattformen ihren Startschuss für ein neues Marktsegment gegeben: »Wearables« sind in Alltagsgegenstände eingebettete Systeme, die den Anwender umgeben, zumeist am Körper getragen werden und noch kleiner sind als Mobiltelefone.

Intels Edison-Plattform Bildquelle: © Intel
Intel hat für seine Edison-Plattform das Format einer SD-Karte gewählt.

Nach Prognosen von Juniper Research wird der Umsatz mit »Smart Wearables« im Jahr 2018 rund 19 Mrd. Dollar betragen, während 2013 »nur« 1,4 Mrd. Dollar umgesetzt wurden. Darüber hinaus geht das Institut davon aus, dass im Jahr 2018 bis zu 130 Mio. »Smart Wearables« verkauft werden, zehnmal mehr als noch 2013.

Eine einheitliche Definition von »Wearables« gibt es momentan nicht, da die Anbieter der Basistechnologien nicht die Kreativität ihrer Kunden einschränken wollen. Rajeev Kumar, weltweit für Marketing und Business Development verantwortlicher Direktor der Mikrocontroller-Sparte von Freescale [1], wagt dennoch einen Definitionsvorstoß: »Wearables repräsentieren einen der äußersten Sensorknoten im Internet of Things und sind gleichermaßen extrem viel versprechend für Gerätehersteller, Service Provider und Kunden.« Mögliche Anwendungsgebiete finden sich in Sport- und Aktivitäts-Trackern, intelligenten Brillen und Uhren und in tragbarer Medizin- und Gesundheitstechnik.

Freescales WaRP-Board Bildquelle: © Freescale
Freescales WaRP-Board setzt sich aus mehreren Prozessoren und Sensoren zusammen.

Deutlich konkreter sind die Aktivitäten von Freescale und Intel [2], die nun jeweils eigene Entwicklungsplattformen und -strategien vorgestellt haben. Intels Ansatz für diese nächste Entwicklung in der Computing-Welt ist es, Referenz-Designs für Geräte und Plattformen zu erstellen, die Kunden sofort für die Entwicklung von Wearable-Produkten nutzen können. Intel-CEO Brian Krzanich stellte persönlich mehrere Wearable-Referenzgeräte vor, darunter einen intelligenten Ohrhörer mit Biometrie- und Fitness-Funktionen, ein intelligentes Headset, das mit bestehenden Personal-Assistent-Technologien für Sprachsteuerung kompatibel ist und eine intuitivere Nutzung erlaubt, sowie eine intelligente drahtlose Ladeschale.

Krzanich verkündete zudem die Zusammenarbeit mit dem Luxus-Einzelhändler Barneys New York, dem Berufsverband der US-amerikanischen Modedesigner (Council of Fashion Designers of America) und Opening Ceremony, um intelligente, am Körper tragbare Technologie besser zu erforschen, zu vermarkten und den Dialog zwischen der Mode- und der Technologie-Industrie zu verbessern. Zudem startete er die »Make it Wearable Challenge«, um Kreativität und Innovationen bei Wearable-Technologie zu beschleunigen. Der Wettbewerb ruft dazu auf, sich Gedanken über Kriterien zu machen, die die Verbreitung von Wearables und omnipräsentem Computing beeinflussen. Dazu gehören sinnvolle Einsatzmöglichkeiten, Ästhetik, Akkulaufzeit, Sicherheit und Datenschutz.

Neben der Entwicklung von Referenzgeräten für Wearable-Technologie wird Intel auch eine Reihe von kostengünstigen Einstiegsplattformen anbieten. Sie erleichtern es Einzelpersonen und kleinen Unternehmen, mit dem Internet verbundene Wearables oder andere Geräte mit kleinem Formfaktor zu erstellen. Passend dazu kündigte Krzanich »Edison« an, einen neuen Computer auf Basis von Intels »Quark«-Architektur im Format einer SD-Karte mit integrierter Wireless-Funktionen, der mehrere Betriebssysteme unterstützt, unter anderem auch Linux. Intel Edison soll ab Sommer 2014 erhältlich sein.

Auch Freescale will mit seiner »Wearables Reference Platform« (WaRP) die Entwicklung vereinfachen und beschleunigen, indem sie viele der technologischen Herausforderungen des Wearables-Marktes adressiert: Vernetzung, Nutzerfreundlichkeit, Batterielebensdauer und -ladung sowie Miniaturisierung. Entwickler sollen sich so besser auf die Realisierung differenzierender Faktoren konzentrieren können. Das Herzstück der Plattform, die Android als Betriebssystem unterstützt, bildet ein i.MX-6-Cortex-A9-Applikationsprozessor. Halbleiter, Software und Hardware sind produktionsreif entwickelt. Die hinsichtlich der Materialkosten optimierte Hybridarchitektur beinhaltet darüber hinaus den Xtrinsic MMA9553 von Freescale als sofort einsatzbereites Pedometer, den elektronischen Kompass FXOS8700 sowie einen ARM-Cortex-M0+-Kinetis-KL16-Mikrocontroller.

WaRP ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen Freescale, Kynetics und Revolution Robotics: Kynetics liefert das Know-how rund um die Software der Plattform, während Revolution Robotics die Hardware beisteuert. Freescale, Kynetics und Revolution Robotics haben so gemeinsam eine Plattform konzipiert, die skalierbar und modular den unterschiedlichsten Einsatzszenarien im Wearables-Segment angepasst werden kann.

Service und Support für die Wearables-Referenzplattform sollen von einer nicht profitorientierten, Community-basierten Organisation bereitgestellt werden. Hard- und Software der Lösung sind Open Source und entsprechend Community-orientiert. WaRP besteht aus einer Hauptplatine, einer Einsteckkarte, einer Batterie für das LCD und einem Micro-USB-Kabel. Es soll im zweiten Quartal 2014 erhältlich sein.

Freescale und Intel sehen sich also gewappnet für die nächste Computing-Ära. »Wir sind mitten in einer Übergangsphase: von einer Welt aus Bildschirmen und Geräte hin zu einem Alltag voller uns umhüllender Anwendungen«, ist sich Krzanich sicher.