Analyse: Warum heftet sich Intel Wind River ans Bein?

Mit dem Kauf von Wind River startet Intel einen neuen Versuch, sein Geschäft über die Grenzen des klassischen PC-Markts auszudehnen. Diesmal ist das Zielgebiet der Embedded-Markt.

Die Nachricht, dass Wind River von Intel vollständig übernommen wird, schlug vergangene Woche ein wie eine Bombe. Dass Hardware-Hersteller einen Softwaretool-Lieferanten übernehmen ist zwar im Prinzip nichts Neues – man denke nur an die Übernahmen von Metrowerks durch Freescale oder Hitex durch Infineon. Eine Übernahme in dieser Größenordnung ist jedoch ungewöhnlich.

Was kann der Grund dafür sein, dass Intel sich einen Betriebssystemhersteller ans Bein heftet? Der Kaufpreis von 11,50 Dollar pro Aktie liegt rund 40 Prozent über dem Kurs des vergangenen Monats und entspricht etwa dem Wert der Wind-River-Aktie vom August/September 2008, also vor Ausbruch der Finanzkrise. Insofern war der Kaufpreis kein kurzfristiges Schnäppchen.

Der Aktienkurs von Wind River in den letzten 3 Jahren. Quelle: Sparkasse

Könnte es sein, dass Wind River dringend Geld brauchte? Wind River hatte im Geschäftsjahr 2009, das bereits am 31. Januar 2009 endete, einen Umsatz von knapp 360 Millionen Dollar. Zwar stieg der Umsatz seit 2003 von Jahr zu Jahr um 8 bis 12 Prozent, aber in Wirklichkeit hat sich Wind River nie so richtig von der Übernahme eines (zu) großen Wettbewerbers im Jahr 2000 erholt. Die Höchstmarke des damaligen Jahresumsatzes von 438 Millionen hat Wind River nie mehr erreicht. Die Ergebnisse waren mal besser mal schlechter. Das letzte Geschäftsjahr endete mit einem Gewinn von 10,8 Millionen Dollar.

Umsatz- und Gewinnentwicklung von Wind River seit dem Jahr 2000.

Durch den Investitionsstau und sinkende Umsätze wäre Wind River dieses Jahr vermutlich wieder in die Verlustzone gerutscht, doch damit befände sich der Softwarehersteller in guter Gesellschaft mit vielen anderen Industrieunternehmen – das allein kann nicht der Grund für die Akquisition sein.