Interview mit Martin Harris von Altium Altium ist bereit für die Design-Cloud

Martin Harris, Altium: »Mein Fokus liegt darauf, ein eng miteinander verzahntes Sales & Support Team zu bilden, das als Brücke zwischen unseren Kunden und unserem Entwickler-Team zu sehen ist.«
Martin Harris, Altium: »Mein Fokus liegt darauf, ein eng miteinander verzahntes Sales & Support Team zu bilden, das als Brücke zwischen unseren Kunden und unserem Entwickler-Team zu sehen ist.«

Altium rüstet sich für die Zukunft: Martin Harris wurde zum Head of Global Field Operations berufen und das Headquarter soll demnächst von Sydney nach Shanghai verlegt werden. Und dann gibt es noch den Trend zu Cloud. Martin Harris erklärt, wie das alles zusammen passt.

elektroninet.de: Herr Harris, Sie wurden vom CEO for Europe, Middle East and Africa (EMEA) zum neuen Head of Global Field Operations berufen. Unter der ersten Position kann ich mir etwas vorstellen, bei der zweiten fällt es mir schon schwerer, deshalb die Frage, wie hat sich Ihr Aufgabengebiet geändert?

Martin Harris: Als CEO EMEA war ich bisher verantwortlich für das operative Geschäft unserer Europazentrale - und wir waren in den abgeschlossenen Quartalen dieses Geschäftsjahres (endet am 30.6.) sehr erfolgreich. In meiner neuen Rolle bin ich nun für die Sales & Support Aktivitäten für Altium weltweit verantwortlich und mein Fokus liegt darauf, ein eng miteinander verzahntes Sales & Support Team zu bilden, das als Brücke zwischen unseren Kunden und unserem Entwickler-Team zu sehen ist. Wir bringen ständig neue Technologien auf den Markt, momentan vor dem Hintergrund, die Elektronikdesigndaten besser in die übergeordneten Firmenabläufe zu integrieren – dabei ist eine enge Verzahnung zwischen dem Team vor Ort und der Entwicklung besonders wichtig. Kürzlich haben wir auch unser neues Community- und Öko-System AltiumLive auf den Markt gebracht, das als Basis für den Austausch zwischen Elektronik-Entwicklern und eine Kommunikation hinein in die Lieferkette zu sehen ist. Dies gibt unseren Kunden und uns ganz neue Möglichkeiten zur Verwaltung des Design-Flows und der Lebenszyklus-Prozesse. Für die Organisation im Feld bedeutet dies, dass wir zusätzliche Trainings und Services aufbauen werden, um diese Lösung zu komplettieren. Und diese zu implementieren, zählt auch zu meinen Aufgaben.

Wie man hört, ist Altium dabei sein Headquarter von Sydney nach Shanghai zu verlegen. Ist Australien zu weit weg vom Rest der Welt, oder wollen Sie damit dem wohl größten Markt Asien Rechnung tragen, oder gibt es gar andere, viel banalere Gründe?

 

Wenn wir daran glauben, dass sich China ebenso entwickelt wie dies für Taiwan oder Korea in der Vergangenheit der Fall war, dann können wir annehmen, dass sich in China eine eigene Elektronikindustrie entwickeln wird, mit eigener IP und Weltmarken. Die Industrie dort erfährt eine Veränderung weg von der reinen Produktion hin zur Entwicklung von Produkten. Es ist schon eine Verlagerung arbeitsintensiver Produktion weg von den weiter entwickelten Küsten hin zu den städtischen, inneren Provinzen zu sehen. Offensichtlich sind die gestiegenen Arbeitskosten ein Grund dafür. Dies bedeutet, dass die Industrie in den Küstenregionen weiteren Mehrwert in die Produktion einbringen muss – dies ist ein Trend, der sich weiter beschleunigen wird. Weiterhin verfolgt die chinesische Regierung einen Kurs mit Fokus auf dem ‚Internet of Things‘ und was dies für die lokale Industrie und ihre zukünftige Entwicklung bedeutet. Wir haben für uns beschlossen, an diesen Themen beteiligt zu sein, sowohl im lokalen Geschäftsumfeld als auch vor dem Hintergrund, diese Gelegenheit zu nutzen und dabei Tools & Services zu entwickeln, mit denen unsere Kunden in anderen Märkten der Welt einen Vorsprung erhalten, wenn sie für das ‚Internet of Things‘ Produkte entwickeln wollen. Ein positiver Nebeneffekt dabei ist, dass wir in China unser R&D Team erweitern können, um neue Inhalte, Produkte und Funktionen schneller anbieten zu können. Unser Umzug nach China unterstreicht unser Engagement in einem signifikanten Trend zur Zukunft unserer Industrie. Und mit der uns eigenen Flexibilität sind wir in der Lage, einen solchen Umzug mit all unseren Schlüsselfiguren in R&D und Management durchzuführen.

Welche Rolle spielt die geografische Lage für ein Headquarter eigentlich?

Für unsere Kunden weltweit und für deren Beziehung mit Altium wird es keine großen Unterschiede geben – mit der Ausnahme, dass wir durch ein erweitertes R&D Team unsere Pläne schneller umsetzen und unsere Kunden mit neuer Technologie beliefern können. Währen das Internet viele Dinge vereinfacht und man sich ‚näher‘ zu allen Punkten der vernetzten Welt sieht, spielt die Nähe eines Headquartes zu wichtigen Märkten durchaus eine Rolle. Es ist übrigens nicht der erste Umzug eines Altium Headquarters. Unser CEO Nick Martin ist in den frühen 90ern, damals unter dem Namen Protel, ins Silicon Valley umgezogen, um einige Jahre später mit einer wesentlich gestärkten US-Position nach Australien zurückzukehren.

Wenn es um die Elektronikentwicklung geht, spricht nicht nur Altium von der vernetzten Zukunft. Dabei sind Standorte doch eigentlich egal?

Wenn wir von der vernetzten Zukunft sprechen, dann vor dem Hintergrund des ‚Internet of Things‘ und wie wir Elektronikentwickler in die Lage bringen wollen, eben solche vernetzten Applikationen ohne große Hürden zu entwickeln, so dass möglichst viele an diesem Trend partizipieren und davon profitieren können. Wenn es darum geht, Design Tools für diesen Markt zu entwickeln und anzubieten, benötigen wir eine starke Präsenz in den Schlüsselmärkten, sowohl für die Entwicklung als auch für unsere Teams im Feld, die die lokalen Marktbedürfnisse kennen.

Mit dem kürzlich vorgestellten AltiumLive bringen Sie die Elektronik-Supply-Chain unter einen Hut, oder besser gesagt in ein Netzwerk. Spielt dabei das Thema Cloud Computing eine Rolle?

Cloud Computing ist ein wesentlicher Faktor in diesem Gebiet. Nehmen Sie z.B. die vermeintlich einfache Anforderung, eine einheitliche Bibliothek an verschiedenen Standorten zu verwenden – oder generell IP mit allen an der Wertschöpfungskette Beteiligten zu teilen. Die Kombination von AltiumLive und unserer Vault-Technologie zur intelligenten Verwaltung von Elektronikdesigndaten bringt diese Themen auf eine neue Ebene. Die Flexibilität und die Skalierbarkeit von Cloud-basierten Systemen in Bezug auf Datenvolumen und Bandbreite spielen eine Schlüsselrolle wenn es darum geht, solche Services weltweit auszurollen und anzubieten.

Wer übernimmt dabei die Verwaltung und auch Verantwortung für die Cloud?

Unsere Cloud-basierten Daten nutzen wir in einer Kombination aus Diensten von Amazon, Salesforce und Google. Unsere Altium Vaults werden bei Amazon gehostet, unsere Kundendaten liegen in Salesforce. Intern wird all dies von unserem IT Team in Zusammenarbeit mit unserem R&D Team verwaltet. Unser ‚Director of Cloud Infrastructure‘ verantwortet die Bereitstellung, Betriebszeit und die Konfiguration dieser Dienste.

Wie sicher sind sensitive Daten, wenn Sie in einer Cloud gespeichert werden?

Es existiert ein Menge an Material zum Thema Sicherheit in der Cloud im Allgemeinen. Generell lässt sich feststellen, dass die Anbieter von Cloud-Diensten wesentlich besser aufgestellt sind, wenn es um die Sicherung ihrer Anlagen und Systeme geht, als dies für einzelne Unternehmen machbar wäre. Es gibt festgeschriebene internationale Standards für die Sicherheit in der Cloud und alle unsere Anbieter halten diese ein. Dennoch möchte ich anmerken, dass die Cloud, ebenso wie interne Systeme, nur so sicher sein kann wie die Prozeduren, die Unternehmen in der täglichen Nutzung solcher Systeme implementiert haben. Während wir die Dienste dieser Anbieter nutzen, haben wir eine Reihe von Vorkehrungen für die Einhaltung optimaler Verfahren getroffen.