Advantech setzt Marketing-Abteilung auf die Straße

Völlig überraschend hat der Industrie-Computerhersteller Advantech seine europäische Abteilung für Marketing geschlossen, indem die betroffenen Mitarbeiter am Pfingst-Wochenende sofort nach Hause geschickt wurden.

Die in Feldkirchen bei München zuständigen Marketing-Mitarbeiter bei Advantech koordinierten die Pressearbeit und die Messeauftritte in Europa. Da saisonal bedingt im Sommer keine Messen stattfinden, an denen Advantech teilnimmt, und auch die Pressearbeit aus Budgetgründen zurückgefahren wurde, hatten im Mai Gespräche über eine Veränderung der Aufgaben der Marketing-Mitarbeiter stattgefunden.

Dabei wurde angedacht, diese Mitarbeiter in Aktivitäten zur internen Weiterbildung sowie zum technischen Support und Consulting mit einzubeziehen. »Insofern tat sich da eine Perspektive auf, unser Know-How sinnvoll in der Firma einzusetzen und so bin ich recht entspannt geblieben,« sagt Ex-Marketing-Chef Wolfgang Heinz-Fischer und fügt an: »Damit hat Advantech in Europa kein Marketing mehr.«

Umso überraschender kam dann Ende vergangener Woche ein Anruf des Personalchefs Bart de Vreese, der Heinz-Fischer und seiner Mitarbeiterin Monika Paitl mitteilte, sie seien gekündigt und mit sofortiger Wirkung freigestellt.

Monika Paitl war seit drei Jahren bei Advantech beschäftigt und hatte erst im Sommer 2008 die Marketing-Arbeit übernommen. Wolfgang Heinz-Fischer hatte vor fünf Jahren eine Position als Vertriebsleiter bei TQ Systems aufgegeben, um für Advantech ein europäisches Marketing aufzubauen.

Dabei hatte er auch auf eine strategische Umorientierung des Unternehmens in Europa gedrängt, um das bis dahin ausschließlich von Massenprodukten dominierte Geschäft durch kundenspezifische Produkte zu ergänzen. Advantech akquirierte daraufhin das Amberger Entwicklungsbüro »Marek Micro« und bot kundenspezifische Modifikationen seiner Standardprodukte an.

Auf eine Rückfrage bei Advantech zur Zukunft des Marketings erklärte ein Sprecher: »Wir haben ja eine ganze Reihe von Geschäftsstellen in Europa – auf die wird das Marketing jetzt dezentral verteilt. Wahrscheinlich müssen auch die Produktmanager jetzt mehr Marketing-Aufgaben übernehmen.«