Würth: »2012 knacken wir die Umsatzmilliarde«

Auch nach der Neuregelung der Solarstrom-Einspeisevergütung sind sich Jürgen Klohe und Jörg Murawski, Geschäftsführer von Würth Elektronik, sicher: Photovoltaik wird entscheidend am Wachstum ihres Unternehmens beitragen.

Markt&Technik: Anfang Juni wurden nach monatelanger Diskussion die zukünftigen Einspeise- Sätze für photovoltaisch erzeugten Strom festgelegt. Sind Sie mit dem gefundenen Kompromiss zufrieden?

Jürgen Klohe: Das EEG war ideal, um eine neue Industrie in Deutschland zu etablieren und zu den ersten Markterfolgen zu führen. Wäre es in den nächsten Jahren zur Kürzung der Einspeisevergütung von bis zu 30 Prozent gekommen, wie das von verschiedenen Seiten gefordert wurde, dann hätte die Gefahr bestanden, dass diese Wachstumsbranche massiv an ihrer weiteren Entwicklung gehindert wird. Im schlimmsten Fall wäre hier eine Wachstumsbranche willkürlich gekippt worden.

Jörg Murawski: Mit der jetzt gefundenen Regelung können wir leben. Schließlich spielen die Ergebnisse der Würth Solar in unserer mittelfristigen Unternehmensplanung eine wichtige Rolle. Allein für das laufende Geschäftsjahr sind wir von einem Umsatz in Höhe von 90 bis 100 Mio. Euro ausgegangen. Mit dem jetzt gefundenen Kompromiss gehen wir davon aus, an unseren selbst gesteckten Zukunftszielen weiterhin festhalten zu können.

Klohe: Wir wollen ja nicht von staatlicher Förderung abhängig, sondern ein profitables Unternehmen sein, das weltweit mit seinen Produkten Erfolg hat. Wir glauben, dass es bis 2015 möglich ist, die Grid Parity zwischen konventionell erzeugtem Strom und Solarstrom herzustellen. Dazu arbeiten wir, unter anderem in unserer neu geschaffenen Geschäftseinheit Würth Elektronik Research in Stuttgart und Schwäbisch Hall, konsequent an der Verbesserung des Wirkungsgrades unserer CISModule. Derzeit liegt der durchschnittliche Modulwirkungsgrad von Serienprodukten bei über 12 Prozent, in naher Zukunft werden wir ihn auf über 14 Prozent steigern können.

Sie wollten die Produktionskapazität der CISfab noch in diesem Jahr deutlich erhöhen. Planen Sie darüber hinaus noch weitere CIS-Produktionsstätten in Deutschland?

Murawski: Wir hatten uns ja schon im Sommer 2007 für eine Verdoppelung der Produktionskapazität in Schwäbisch Hall entschieden. Mitte dieses Jahres wird die Produktionskapazität nun von bisher 15 auf dann 30 MW gestiegen sein. Damit haben wir dann die räumlichen Kapazitäten des bestehenden Werks ausgefüllt. Von der Grundstückgröße her besteht durchaus die Möglichkeit, die bestehende CISFab in Schwäbisch Hall noch einmal zu duplizieren. Die Entscheidung darüber ist aber noch nicht gefallen. Vorstellbar wäre auch, eine Fab in den neuen Bundesländern oder im Ausland zu errichten.

Unabhängig vom großen CIS-Umsatzpotenzial dürfte der Leiterplattenbereich weiterhin Ihr größter Umsatzträger sein.

Klohe: Wir haben im letzten Jahr einen Umsatz von 369 Mio. Euro erzielt. Das Leiterplattengeschäft stellt dabei mit 148 Mio. Euro weiterhin den größten Umsatzträger. Die passiven Bauelemente folgen mit 124 Mio. Euro auf Platz 2. Es könnte aber durchaus sein, dass sich die passiven Bauelemente noch in diesem Jahrzehnt zu unserem größten Umsatzträger entwickeln. Die absolut höchsten Zuwachsraten konnten wir in den letzten Jahren jedoch im Bereich ICS erzielen, dort fertigen wir Systemlösungen für den Automotive-Bereich. Dieser Bereich wird für die Würth Elektronik in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen.